Inhaltsverzeichnis I. Teil

Titelblatt – (Heimat, Name und Wappen)
Verbreitungskarte
Inhaltsverzeichnis

I. Kapitel  Heimat der Familie
   §1. Überlieferung
   §2. Greinwaldhöfe
   §3. Schädelbildung
II. Kapitel  Herkunft des Namens
  §1. Greinwald und Grünwald
  §2. Greinwald und Grienwald
  §3. Greinwald und Greinmolt
  §4. Greinwald und Grimoald
  §5. Forschungsergebnis

III. Kapitel   Wappen der Familie
  §1. Gruenwald – Wappen
  §2. Gremolt – Wappen
  §3. Greinwald – Wappen

IV. Kapitel   Anmerkungen
A. Anmerkungen zum I. Kapitel  
 Anmerkung 1 : Älteste Matrikeln

 Anmerkung 2 : Einwanderung aus Tirol
 Anmerkung 3 : Österreicher Greinwald
 Anmerkung 4 : Tiroler Hofnamen
 Anmerkung 5 : Zur Verbreitungskart

B. Anmerkungen zum II. Kapitel
 Anmerkung 6 : Quellen
 Anmerkung 7 : Greinwald und Grünwald
 Anmerkung 8 : Die Grünewalds
 Anmerkung 9 : Grünwald in Ulm
 Anmerkung 10: Grünwalder
 Anmerkung 11: Die Grienwald in München
 Anmerkung 12: Lohnkutscher Grünwald in Augsburg
 Anmerkung 13: Grünwald in Ostin
 Anmerkung 14: Besitz- u.  Erbschaftsverhältnisse früherer Zeiten
 Anmerkung 15: Weitere Greimolte

I.  K A P I T E L .

Heimat der Familie Greinwald

(Anmerkungen siehe am Schluss des I.Teiles)

§ 1 Überlieferung

Nach mündlicher Überlieferung soll die Wiege der Familie Greinwald in Tirol gestanden sein. Diese Überlieferung hat sich in der Familie des Verfassers, welche dem Haunshofener und Raistinger Greinwaldstamm zugehört und mit der Oderdinger Greinwald-Familie sicher verwandt ist, so frisch erhalten, dass man an ihrer Richtigkeit auch dann nicht zu zweifeln bräuchte, wenn andere Beweise nicht beizubringen wären.

Man darf nun natürlich nicht annehmen, dass die Einwanderung der Greinwald-Familien erst in neuester Zelt geschah. Diesem Irrtum ist der Verfasser anfangs selbst zum Opfer gefallen. Bei der Frische und Selbstverständlichkeit mit welcher die Tiroler Abstammung zu seiner Kenntnis gekommen war, scheint es ganz begreiflich, wenn er glaubte, nur einige Generationen zurückgreifen zu müssen, um zu den Tiroler Einwanderern zu gelangen. Wie erstaunte er aber, als er an der Hand der Matrikelbücher der verschiedensten Pfarreien eine Generation um die andere aus der Vergangenheit heraus schälte, ohne den geringelten Anhaltspunkt für die Tiroler Quelle zu entdecken. Da die Matrikelbücher nur bis zum Jahre 1600 zurückreichen, versagten auch diese. Soll darum die Tradition sich getäuscht haben? Man darf da nicht übersehen: Die mündliche Überlieferung arbeitet anders als der Wissenschaftler, der alles aus geschriebenen Quellen beweisen möchte. So hat einst Professor Dr. Sepp haarscharf bewiesen, dass Kapharnaum nicht dort ist, wohin die Tradition diesen Ort verlegt hat. Man hat ihm geglaubt. Vor einigen Jahren aber unternahmen die Franziskaner, ohne sich um die Theorie von Professor Sepp zu kümmern, an jener Stelle wo Kapharnaum nach der Tradition gestanden haben soll, Nachforschungen. Es dauerte nicht lange, da gruben sie die Synagoge aus, in welcher der liebe Heiland einst so gerne gelehrt hatte. Die Tradition hatte also, trotz aller Hochachtung vor der Wissenschaft, doch recht. So kann es auch hier sein.

Zwar haben Gelehrte behauptet, dass die Einwanderung aus Tirol erst viel später, etwa in und nach dem Dreißigjährigen Kriege eingesetzt habe. Damit wäre natürlich eine frühere Einwanderung – und nur um eine solche könnte es sich in unserem Falle handeln – in Frage gestellt und die genannte Überlieferung in das Gebiet der Sage verwiesen

Es soll nun freilich die Einwanderung aus Tirol um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges nicht geleugnet werden, hat doch der Verfasser selbst gelegentlich seiner Forschungen in verschiedenen Pfarrarchiven, z.B. in Pähl, in den Jahren 1636, 1637, 1638 usw. Trauungen von derartigen zugezogenen Tirolern gefunden, die als solche ausdrücklich bezeichnet waren. Auch stieß er bei seinen Arbeiten in der Pfarrei Aidling auf einen Bauernhof mit dem Namen „Tiroler“, der sicherlich auch solch‘ einer Einwanderung seine Entstehung bzw. seinen Namen verdankte.

Aber das ist nicht recht ersichtlich, warum die Einwanderungen aus Tirol erst im Dreißig-jährigen Kriege und nicht früher stattgefunden haben sollen. Der Lokalschriftsteller von Murnau, H.H. Benefiziat Gebhard, nimmt jedenfalls auch eine frühzeitigere Einwanderung an; denn er schrieb einmal dem Verfasser mit Bezug auf im 16.Jahrhundert in Murnau befindliche Greinwald: „Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Murnauer Greimolt wie so viele andere Murnauer Geschlechter aus Tirol eingewandert, was ja durch die Lage des Marktes an der Straße von Süden nach Augsburg leicht erklärlich ist“. Es waren doch auch vor dem 15. Jahrhundert die Beziehungen Bayerns zu Tirol zeitweise so innig, dass der Verkehr herüber und hinüber zu den Selbstverständlichkeiten gehörte. Die Weilheimer Chronik von H.H. Geistlichen Rat Schmittner erzählt uns, dass Bernhard der Ältere von Wilheim (Weilheim) Vasall oder adeliger Dienstmann des Hochstiftes Brixen und in Bayern ebenso wie in Tirol begütert war. Derselbe war 1110 – 1156 sogar Schirmherr des Klosters Polling, welches Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1165 den Bischöfen von Brixen zu-eignete. Daher kommt es auch, dass wir schon längst vor dem Dreißig-jährigen Kriege im Weilheimer Steuerbuch von 1538 (S.173 b) in Hofham, Landgericht Weilheim, einen Kasper Tyroler finden.

Es müssen also längst vor dem Dreißigjährigen Kriege Tiroler nach Bayern eingewandert sein und dazu mögen auch die Greinwald’s gehört haben, wie die mündliche Überlieferung festhält. Nachdem aber diese Familien in den verschiedenen Pfarreien schon bei Beginn, der Taufmatrikeln, also bereits um 1600, in Bayern ansässig waren (z.B.1575 in Diessen„ 1595 in Pähl, 1606 in München und 1592 in Oderding bei Polling), ist es schwer, den genaueren Zeitpunkt dieser Einwanderung festzusetzen (siehe Anmerkung 1).

Dass die Überlieferung aber nicht Sage, sondern Tatsache war, beweist der         Umstand„ dass auch bei anderen Greinwald-Familien, welche mit derjenigen des Verfassers nicht verwandt sind oder sich mindestens schon vor 300 Jahren von ihr getrennt hatten, eine ähnliche Überlieferung bis in unsere Tage herein erhalten blieb. So berichtete dem Schreiber dieser Familiengeschichte eine aus der Greinwald-Familie „beim Resch“ in Tutzing stammende Dame, dass ihr und ihren Geschwistern eine alte Tante gerne von den Ahnen erzählt und dabei auch bemerkt habe, ihre Altvorderen seien aus Tirol gekommen. Dabei waren aber diese Greinwald schon gut hundert Jahre vorher vom „Resch“-Anwesen weg nach Fürstenfeldbruck ausgewandert und doch war ihnen diese Tradition nicht verloren gegangen. Eine ähnliche Überlieferung hat sich in der Pollinger Greinwald-Familie fort-gepflanzt, deren erste Kinder schon nachweisbar 1650 in Polling getauft wurden und mit der Familie des Verfassers ebenfalls verwandtschaftlich zusammengehören. Ein Glied dieser Pollinger Familie, der noch lebende Arzt Dr. Georg Greinwald (z.Z. Badearzt in Kissingen), kann sich noch gut erinnern, wie sein Vater in der Jugendzeit wiederholt vor der Einwanderung seiner Ahnen erzählte. „Ich irre mich nicht“, so schrieb er wörtlich an den Herausgeber dieses Buches, „weil ich noch genau weiß, wie mir mein Vater auf die Lektüre eines Romans von Ganghofer hin das Büchlein reichte – es war die „Martinsklause“ – und mit dem Hinweis auf den darin erwähnten „Greinwalder“, Inhaber eines Bauernhofes, sagte: „Dorther stammen wir auch, nämlich aus dem Salzburger Land“. Damals behauptete er auch, dass wir aus Hallein gekommen sind (siehe Anmerkung 2).

Unser Name sei uralt und habe früher Grimoald geheißen. Tatsächlich hat sich bei wiederholter Nachforschung seitens des Verfassers herausgestellt, dass ab 1600 nicht nur in Hallein Greinwald’s gewesen sind, sondern dass die dortige Gegend von Greinwald-Familien förmlich durchsetzt war. Nachdem die im Salzkammergut gefundenen zahlreichen Greinwald-Familien in einer eigenen Abhandlung (siehe den III.Teil dieses Buches) noch eingehender besprochen werden, so werde hier nur das eine erwähnt, dass dieselben schon beim Beginn der dortigen Pfarrmatrikelbücher (1620) in ziemlicher Zahl vorhanden waren. Auch der in der Folgezeit berühmt gewordene akademische Bildhauer Thomas Greinwald (1821 – 1875) – ein Schüler Schwanthalers und Widnmanns – stammt aus dortiger Gegend und war ein Pfarrkind der Pfarrei Abtenau bei Golling. Zum mindesten steht also fest, dass die Greinwald, aus Tirol oder wenigstens Österreich gekommen sein können; ob alle oder bloß die eine oder andere Familie sei dahingestellt (siehe Anmerkung 3).

§ 2 Greinwaldhöfe

Was aber diese Möglichkeit fast bis zur Gewissheit steigert, ist die Existenz verschiedener Greinwaldhöfe in Tirol und im übrigen Österreich.

a.) Den ersten Greinwaldhof entdeckte der Verfasser in der Lebensbeschreibung des Erzbischofs und Kardinal von Salzburg, Haller. In derselben wird nämlich erzählt, dass so-wohl der Kardinal, als auch dessen Bruder Johannes, Regens im Klerikalseminar in Brixen, auf dem Greinwaldhof in der Pfarrei St. Martin im Passeyer geboren sind.

Schon im Jahre 1902 teilte das Pfarramt St. Martin dem Verfasser auf seine Anfrage mit, „dass die Pfarrmatrikeln von St. Martin erst mit dem Jahre 1615 beginnen und nichts mehr von einem Greinwald zu erzählen wissen“. Der derzeitige Pfarrherr von St. Martin, der Benediktinerpater Dr. Adelgott Schalz, schrieb unterm 21.2.1924 an den Verfasser über diesen Hof: „Der Greinwaldhof ist ein ganz gewöhnliches Bauernhaus – fast mitten in einem Walde am Riederberg – am rechten Ufer der Passer in der Pfarrei St. Martin im Vorderpasseyer. Er ist ungefähr eineinhalb Stunden von der Pfarrkirche entfernt. Sein derzeitiger Besitzer heißt Martin Mayr. Der alte hüttenartig gebaute Hof ist um 1877 abgebrannt. Das neue Bauernhaus trägt nach Osten in der Richtung gegen die Straße, .aber durch die Bäume verdeckt, die schön gemalte Inschrift: 18 – Greinwald-Hof – 78“.

Der Hof liegt eine Viertelstunde über der Straße auf einer mit Feldern und Fruchtbäumen (Äpfel, Birnen, Nüssen, Kastanien) besetzten Terrasse. Er ist fast ganz von Wald (Fichten und Lärchen) umgeben und deshalb aus nächster Nähe von der Straße her, nicht sichtbar, aber von Nordost aus durch eine offene Stelle. Das Anwesen ist ein großes, schönes Bauernhaus mit Hochparterre und einem Stockwerk darüber. Es hat zwei Veranden-Hochpar-terre nach Norden und im ersten Stock nach Osten; sie machen sich recht gut. Das sanft geneigte Dach ist mit gebrannten Ziegeln gedeckt, also keine Steinbeschwerung. Nebengebäude sind keine da, wohl aber einige Schritte talauswärts vom Haus entfernt, Stall und Stadel für ungefähr 8 Rinder (Kühe, Kälber, Schafe, Schweine). Von der Straße aus ist der Hof durch zwei enge, fast lebensgefährliche Steigen und im Norden durch einen Karren-weg erreichbar. An diesem letzteren steht eine kleine Kapelle. (Über die Tiroler Hofnamen siehe Anmerkung 4)

Das wichtigste aus der Mitteilung des Pater Adelgott ist Folgendes: „Auf diesem Greinwaldhof saß im Jahre 1418. ein Johannes Greinmold. Erklärt diese Tatsache den Namen Greinwald-Hof nicht ganz, so kann sie doch für die Entstehung des Namens Grein-wald aus Greimold oder Grimoald verwertet werden.

b.) Von einem zweiten Greinwald-Hof erfuhr der Verfasser durch Msgr. Grinner, Benefiziat in Baumkirchen und Katechet in Fritzens bei Hall in Tirol. Es Ist ein Berghof mit dem Namen Greinwald. Ob und wann auf diesem Hofe einmal Greinwald gesessen sind, war nicht in Erfahrung zu bringen.

c.) Mehr Glück hatte der Verfasser mit seinen Nachforschungen im Salzkammergut, denn dort fand er nicht bloß eine ganze Reihe von Greinwald-Familien und zwar an verschiedenen Orten, sondern auch ein großes Greinwald-Gut, auf welchem bis 1773 herab die Greinwald’s als Besitzer festgestellt werden konnten. 1773 hat die Erbtochter Anna Grein-wald den Christian Wallinger geheiratet, welcher dann Hofbesitzer wurde. Sind die Greinwald’s auch nicht von Anfang an immer als Besitzer dieses Hofes ausdrücklich genannt, weil sich die älteren Pfarrmatrikeln grundsätzlich über die Besitzer aller Höfe ausgeschwiegen haben, so ist doch sicher, und von 1700 – 1773 an der Hand genauer Angaben nach-zuweisen, dass in dieser Zelt nur Greinwald’s als Besitzer des Greinwald-Gutes in Betracht kommen. Durch die schort erwähnte Heirat der jüngsten Greinwald – Tochter kam dann dieses Gut in fremde Hände; dafür werden jedoch die Greinwald’s an zahlreichen anderer Höfen als Besitzer genannt. Freilich. lässt sich trotz dieser Greinwaldhöfe noch nicht bestimmt sagen, ob die Greinwald’s in Bayern von einem dieser Höfe ihren Ausgang genommen haben. Tatsache dagegen bleibt: Diese drei Greinwaldhöfe sind ein weiterer Beweis dafür, dass es Greinwald in Tirol und Österreich gab und dass die bayerischen Greinwald aus Tirol oder Österreich gekommen sein können; nur müsste die Auswanderung der mit dem beginnenden 17.Jahrhundert in Bayern genannten Greinwald ziemlich früh angesetzt werden.

Auffallend dabei ist, dass die ältesten bayerischen Greinwald-Familien – und deren sind es nicht wenige – samt und sonders in den südlichsten Teilen Bayerns, ziemlich nahe der Tiroler Grenze, beisammen sich finden, was einen verwandtschaftlichen und heimatlichen Zusammenhang vermuten lässt (siehe Anmerkung 5 ).

§ 3 Schädelbildung

Schließlich darf noch auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, welche die bisher genannten Möglichkeits- und Wahrscheinlichkeits-Gründe um eine wissenschaftliche Stütze zu bereichern vermag. Der schon erwähnte Arzt Dr. Georg Greinwald kam durch Studium der Schädelbildung unter seinen Verwandten zur sicheren Überzeugung, dass viele von denselben eine ausgesprochene Tiroler-Kopfbildung haben, welche sich nur durch eine Abstammung aus Tirol erklären lässt.

„Für mich als Arzt“, schrieb er dem Verfasser, „ist es Interessant, an einzelnen Greinwald, z.B. an meinem Vater, seinem ältesten Bruder und an seinem Großvater väterlicherseits –  dessen Bild heute noch in der Wolfsmühle hängt – zu konstatieren, dass dieser Ableger sicher nur Tiroler Ursprungs sein kann.“

Damit stimmt ein Erlebnis überein., welches der Verfasser selbst in seiner Jugend gehabt hat. Er wurde nämlich als 20-jähriger Student einmal dem Kardinal Haller von Salzburg vorgestellt, welcher – wie schon erwähnt – auf dem Greinwald-Hof im Passeyertal geboren war. Der Kardinal betrachtete den jungen Mann aufmerksam und sagte dann: „Eine interessante Kopfbildung: Woher ist denn der? “ Die Antwort: „Aus Augsburg“ ließ eine weitere Frage überflüssig erscheinen. Hätte aber der leutselige Kirchenfürst geahnt, dass der Student Greinwald hieß, und hätte der letztere damals gewusst, dass des Kardinals Heimat der Greinwald-Hof war, so wäre sicher schon damals zwischen dem Namen Grein-wald und der Tiroler Heimat und der Tiroler Schädelbildung der Vergleich gezogen worden. Vielleicht hätte schon damals der Kenner seiner eigenen Tiroler Heimat der Überzeugung Ausdruck verliehen, dass die Urahne dieser scharf geschnittenen Nase, wie sie dem Verfasser, seinem geistl. Bruder und seinem Vater eignete und heute noch in verschiedenen Greinwald-Stämmen vertreten ist, nur auf Tiroler Boden gewachsen sein konnte.

II.Kapitel

Herkunft des Namens GREINWALD

(Die Anmerkungen siehe am Schluss des I.Teiles).

§ 1 GREINWALD und GRÜNWALD

Woher mag der Name Greinwald  wohl kommen ? Es ist nicht leicht, eine sichere Antwort  auf diese Frage zu geben. Am häufigsten bekommt man – auch von sonst gelehrten Männern zu hören: „Greinwald kommt natürlich von Grünwald“. Das würde voraussetzen, dass Grünwald der ältere Name ist und dass sich aus ihm der Name Greinwald erst her-aus entwickelt hat. Die Geschichte sagt uns aber das gerade Gegenteil. Sie stellt nämlich ein doppeltes fest:

  1. 1.Der Name Grünwald ist erst im Laufe der Zeit an die Stelle des Namens Grein-wald getreten und hat sich nun aus diesem Namen herausgebildet. 

  2. 2.Der Name Greinwald war also der ursprüngliche und ältere. 

Wer die große Zahl von Pfarrarchiven kennt (siehe Anmerkung 6), welche der Verfasser durchforscht  hat, der wird sich den Ergebnissen seiner Forschungen beugen müssen und möchte er vorher noch so sehr davon überzeugt gewesen sein, dass Grein-wald von Grünwald kommt.

Würde Greinwald aus Grünwald entstanden sein, wie manche glauben, dann müsste sich doch der eine oder andere Fall finden lassen, welcher zeigt, dass tatsächlich einmal ein Greinwald die Grünwalds als Ahnen hatte. Nun hat .aber der Verfasser nicht einen einzigen solchen Fall entdecken können, trotzdem er an die fünfzig Pfarrarchive (siehe Anmerkung 6 ) durchsuchte und noch mehr durch befreundete Pfarrherrn durchforschen ließ. Dagegen fand er eine ganze  Anzahl solcher Grünwald-Familien, derer Ahnen sich ohne Zweifel zuvor Greinwald geschrieben haben. Hierher gehören alle jene Grünwald-Familien die aus Holzhausen am Starnberger See gekommen sind (II.Teil XIII.Kap.), und alle welche aus Wolfratshausen stammen (II.Teil XIV.Kap.), ferner jene, die sich in Benediktbeuren und in Nürnberg niedergelassen haben und teils von den GREINWALDS in Seeshaupt, teils von jenen in Garatshausen bei Tutzing abgezweigt sind (II.Teil IX. und X. Kap.). Sie haben ganz sicher alle GREINWALDS als Ahnen gehabt.

Nicht anders ist es bei jenen GRÜNWALDS, die aus Fürstenfeldbruck stammen. Sie haben vom Anwesen zum Resch in Tutzing ihren Ausgang genommen und wurden in Tutzing um 1800 noch GREINWALD geschrieben.

Auch einzelne GRÜNWALD finden sich hie und da zwischen hinein bei GREINWALD-Familien, welche an ihrem alten Namen bis heute festgehalten haben. Man merkt da aber ganz genau, dass nur die Matrikelschreiber schuld an dieser Fehlschreibung trugen. Wie wenig genau da manche Pfarrarchive arbeiteten, sehen wir an einem im Pfarrarchiv von Hl. Geist in München gefundenen Beispiel: Dort heiratete vor mehreren Jahrzehnten der aus der GREINWALD-Familie „zum Resch“ in Tutzing stammende Gärtner August GREINWALD von Regensburg. Der Matrikelschreiber schrieb ihn fälschlich Grünwald, fügte aber – offenbar auf dessen Ersuchen – GREINWALD in Klammern bei;  in der nächsten Zeile aber findet sich der Name der Eltern schon wieder GRÜNWALD geschrieben. Überhaupt haben die Münchener Pfarrherren mit staunenswerter Konsequenz den Namen GREINWALD auszutilgen und. durch den modernen GRÜNWALD zu ersetzen versucht

und höchstens GRINWALD und GRIENWALD geschrieben, außer es wurde von den Trägern dieses Namens ausdrücklich verlangt. Ein besonders klassisches Beispiel dieser Art bietet die aus Polling stammende Münchner GREINWALD-Familie. Die Ehematrikel der Münchner Dompfarrei meldet uns im Jahre 1801 die Trauung der beiden Brüder Leonhard und Josef GRÜNWALD, als deren Vater der Kistlermeister Matthias GRÜNWALD von Polling genannt ist. Letzterer kann aber kein anderer gewesen sein als der in Polling ansässige Kistlermeister Matthias GREINWALD. Es ist nun interessant, an Hand der Matrikelbücher zu verfolgen, wie oft sich bei diesen Grünwald die nachträgliche Korrektur in Greinwald findet. Besonders scheint Leonhard Greinwald die richtige Schreibung seines Namens betont zu haben, während sich bei den Taufen der Kinder seines Bruders Josef widerstandslos der Name Grünwald eingeschlichen hatte. Die Söhne, Enkel und Urenkel des Letzteren haben später aber durchgehend* wieder den Namen Greinwald geführt, während die Nachkommen des all zu früh  verstorbenen Leonhard Greinwald  den Kampf gegen die unrichtige Schreibweise ihres Namens aufgegeben haben. Wenigstens finden wir dieselben auf einer im Münchener Rathaus noch vorhandener Personalliste nie mehr mit dem richtigen Namen Greinwald. Die Witwe des Leonhard wurde auf dieser Liste bei ihrem Tode (1831) mit Maria Grinwald, der einzige Sohn Martin bei seinem Ableben Grinwald, die Tochter Josefa aber Grienwald geschrieben. Man sieht also, dass die damaligen Behörden sich keiner besonderen Genauigkeit beflissen haben, wo es sich um richtige Wiedergabe in der Namensschreibung handelte (siehe Anmerkung 7).

Dass die neueste Zeit darin ebenso keinen Wandel schuf, beweist uns ein Beispiel aus der Umgegend Münchens. Während sich der erst im Jahre 1924 verstorbene Bürgermeister von Tutzing bis zu seinem Tode Jakob Greinwald schrieb, zog es sein Bruder Johann vor, sich nie anders als Grünwald zu nennen. Auch dessen ‚Witwe schrieb sich so; doch wurde auf dem Grabstein der beiden Letzteren wieder zum altehrwürdigen Namen Greinwald zurückgegriffen.

Weiter unten werden uns noch verschiedene Beispiele zeigen, dass der Name Grünwald, soweit  er unsere Geschichte berührt, sich aus dem Namen Greinwald heraus entwickelte. Wer aber glauben wollte, dass diese Umwandlung schon sehr früh geschehen sei, würde sich schwer täuschen. Im Nachfolgenden werden wir sehen, dass diese Veränderung erst allmählich, von 1750 an vereinzelt, von 1800 an aber mit solcher Macht einsetzte, dass ernstlich die Befürchtung zu hegen war, der Name Grünwald werde den uralten Namen Greinwald ein für allemal endgültig verdrängen.

Es mag im Anfang vielfach undeutliche Aussprache von Seiten der Angehörigen die Ursache davon gewesen sein, dass die Eintragung des Namens nicht immer richtig vorgenommen wurde. In jener Zeit war eben die Kenntnis des Lesens und Schreibens noch lange nicht allgemein und so mögen viele gar nicht sicher gewusst haben, wie der Name richtig wiederzugeben war. Nachdem der Name Greinwald heute noch im Volksmunde nie anders als „Greanwald oder „Greanwold“ gesprochen wird, mag man damals, wie heute, mit Vorliebe daraus das hochdeutsche „Grünwald“ geformt haben. Auf welchem Wege dies geschah, darüber wird uns das im nächsten Abschnitt (§2) über „Greinwald und Grienwald“ Gesagte ohnehin berichten.

Außerdem gab es auch Fälle, in denen der Matrikelschreiber sich berechtigt glaubte, den Namen so zu schreiben, wie er(!) es für richtig hielt. So nahm jener Wolfratshausener Kooperator, welcher um 1800 die in größter Unordnung befindlichen Pfarrmatrikeln neu niederschrieb, das Recht für sich in Anspruch, in allen Fällen, in denen die Familiennamen verschieden geschrieben waren, sie auf die gleiche Form zu bringen. Es berührte ihn da-bei weiter nicht, dass in Wolfratshausen sicher schon 150 Jahre vorher Greinwalds gewesen waren. Da er diesen Namen für falsch hielt, so hat er daraus einfach Grünwald gemacht. Daher kam es, dass sich auch die um jene Zeit (1803) nach Wolfratshausen eingeheirateten Greinwalds von Holzhausen mit dem neuen Namen abfinden mussten. Bei dem Kinderreichtum dieser Familien war es denn erklärlich, dass sich in der Folgezeit diese Grünwalds in allen jenen Orten durchsetzten, wohin sie auf dem Wege der Heirat gelangten. Die Kapitel Holzhausen (XIII im II. Teil) und Wolfratshausen (XIV im II.Teil) wissen darüber mehr zu sagen.

Überhaupt ist in fast allen Pfarreien – nur ganz wenige sind davon ausgenommen (siehe Anmerkung 7) – vom letzten Jahrhundert an das nämliche Bestreben festzustellen, nicht mehr Greinwald, sondern Grünwald zu schreiben. Man muss sich  deshalb wundern, dass sich der ursprüngliche Name Greinwald in so vielen Familien bis heute unversehrt erhalten konnte.

Nimmt man noch die Tatsache hinzu, dass sich auch das Volk gar nicht an den Namen Greinwald gewöhnen wollte und dass die Greinwalds bis heute ihre liebe Not haben den alten Namen gegen diese Strömung zu behaupten, so ist das sicher ein weiterer Beweis dafür, dass Greinwald der ältere und ursprünglichere Name gewesen sein muss. Sonst hätte er sich unmöglich in solch kräftigen Stämmen bis in unsere Tage herein retten und erhalten können.

Wir dürfen ohne Übertreibung sagen: Weitaus die meisten Greinwald-Familien haben dem alten Namen vorbildliche Treue bewahrt. Diese werden alle im II.Teil dieses Buches des näheren besprochen. Bei dieser Gelegenheit werden auch jene Glieder einer Familie im einzelnen erwähnt, welche dem neuen Namen Grünwald vorübergehend oder ganz zum Opfer gefallen sind. In ihrer Gesamtheit aber haben alle diese Familien redlich um die Erhaltung des alten Namens gekämpft. Die Diessener Greinwalds z.B., welche um 1550 begannen (erste Heirat ca. 1574), und ganz besonders die Oderdinger Greinwalds stehen hier obenan. Der erste uns bekannte Greinwald der letzteren Familien heiratete um 1580. nach Oderding „zum Dosch“. Allem Anschein nach wird er 1555 geboren sein. Bei diesem weitverzweigten Greinwaldstamm, zu dem weiterhin auch die Wielenbacher, Unterhausener sowie verschiedene andere  Greinwald-Familien gehören, hat lediglich ein Greinwald eine Ausnahme gemacht. Es war der 1754 in Diemendorf (b. Pähl) geborene Michael, der Enkel des Jakob Greinwald von Grasla (Pfarrei Oderding). Michael heiratete 1790 nach Gauting und wurde bei seiner Trauung Grienwald, später dann Grünwald geschrieben. Diese Linie existiert in verschiedenen Münchener Grünwald-Familien bis auf den heutigen Tag (siehe im II.Teil I. Kapitel § 5).

Auch die Pollinger Greinwald-Familie (II.Teil, III.Kapitel), beginnend mit einer Heirat 1648,  bewahrt ihren alten Namen, weiters die Raistinger (erste Heirat ca.1641) und ebenso die Greinwald von Uffing-Bayersoien (erste Heirat ca1640) – siehe II.Teil, IV. und VII. Kapitel. Von den zahlreichen Greinwald-Familien in Tutzing sei diejenige „beim Lochmann“ (beginnend um 1600, erste Heirat 1637) besonders angeführt. Sie verbreitete sich in einer ganzen Reihe von Zweigen in Südbayern. Alle blieben bis heute bei ihrem alten Namen; nur die Linie, welche 1874 durch Heirat in Garatshausen, und jene, die im Jahre 1883 in Rosshaupten entstand, glaubte sich mit dem Namen Grünwald glücklicher zu fühlen.

Am allergründlichsten hat der Holzhausener Greinwald-Stamm mit seinem früheren Namen aufgeräumt. Daran sind aber die in Betracht kommenden Glieder dieser Familie nicht  allein schuld. Denn der erste, der sich Grünwald schrieb, mag durch äußere Einflüsse dazu veranlasst worden sein. Es war Augustin Greinwald „vom Müller“ in Holzhausen, der 1791 nach München heiratete, dort zuerst Grienwald, hernach aber vollends Grünwald geschrieben wurde. Vielleicht gab dieses seinem gleichzeitigen Verwandten Augustin Greinwald von Ambach die Anregung, als erster von dem alten Greinwald-Stamm freiwillig den Namen Grünwald zu wählen. Dass sein Vetter Jakob Greinwald, der 1803 nach Wolfratshausen heiratete, sich dort dem neuen Namen Grünwald beugen musste, wurde bereits oben erwähnt. Wie ungern er dieses tat, beweist der Umstand, dass er bei der Hochzeit seines Bruders Georg in St. Pölten (Weilheim) 1805 als Beiständer sich mit kräf-tigen Strichen wiederum mit dem alten Namen Greinwald schrieb.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch kurz angedeutet, dass auch die aus Tutzing stammenden Pöckinger Greinwalds (II.Teil XI.Kapitel) sich ab 1701 erst mit „ie“, dann; mit „ü“ schrieben, ferner dass diejenigen von Egern (II.Teil. XVII. Kapitel) erstmals 1739 Grienwald und später Grünwald  geschrieben wurden. Auch die Greinwald von Steinebach (II.Tell V.Kapitel) führten seit 1745, die von Feldafing seit 1753, jene von Seeshaupt seit 1791 und jene „beim Resch“ in Tutzing seit 1795 anfänglich der Namen Grienwald, her-nach Grünwald. dieses jedoch erst seit dem Ansitz in Fürstenfeldbruck um 1795.

Bei einigen Familien wechselte Greinwald, Grienwald sowie Grünwald einige Zeit miteinander, bis entweder das „ü“ Herr wurde, oder, was seltener der Fall war, der uralte Namen Greinwald wiederum die Oberhand gewann. Die Ursache mag hier die gleiche gewesen sein, wie in Egling (II.Teil VI. Kapitel). Dort wurde bereits der erste Greinwald als Grünwald eingetragen. Einige Zelt mussten die gegen ihren Willen Umgetauften um den alten Namen ringen, bis sich die Pfarrherren wieder entschlossen, dem Wunsche der Vergewaltigten gerecht zu werden. Der Verfasser ist der Eglinger Greinwald-Familie bis auf ihren Ursprung nachgegangen, fand aber sowohl in Lengenfeld, woher der erste Eglinger Grein-wald kam, als auch in Dettenschwang, wo die Familie von Lengenfeld geweilt hatte, nur den Namen Greinwolt, nie jedoch den Namen Grünwald.

Alles in allem darf hier zusammenfassend gesagt werden: Die Greinwald waren längst vor den Grünwald. Was nun gar die Behauptung betrifft, Greinwald komme von Grünwald her, so ist sie derart ungeschichtlich, dass gerade das Gegenteil davon der Wahrheit entspricht.

Diesem Satze gegenüber könnte allerdings eingewendet werden, es müsse auch vorher Grünwalds gegeben haben, wie das einzelne frühere Träger dieses Namens deutlich beweisen. Das ist aber ein Einwurf, der um so mehr Beachtung verdient, als alle, welche da genannt werden, Männer von besonderer Berühmtheit waren.

Damit es nicht den Anschein gewinne, als habe der Verfasser diese Schwierigkeit nicht vorausgesehen oder ihr gar aus dem Wege gehen wollen, seien diese Grünwalds hier im einzelnen besprochen und darauf hin besonders geprüft, ob sie wirklich den Grünwalds  zuzurechnen sind oder nicht.

Zunächst sei der Straßburger Goldschmied Johann, Jakob Grünwald genannt, dessen Wappen, aus dem Jahre 1690 stammend,  sich im Siebmacher´schen Wappenbuch (her-gestellt von T. v. Hefner, V. Bd. I.Teil, Blatt 27) befindet. Dann der Abt Johannes Grünwald, der 1624 – 1648 dem Kloster Niederaltteich vorstand. Noch früher, 1517 – 1527, muss nach dem Historiker Geiss ein Pfleger und Landrichter Kaspar Grünwalder in Murnau gewesen sein. Dazu kommt der 1528 in Halle a. d. Saale plötzlich verstorbene berühmte Maler Mathias Grünewald, welcher den Isenheimer Altar schuf. Auch nennt uns die Geschichte der Erzdiözese Freising unter ihren berühmtesten Kirchenfürsten einen Bischof und Kardinal Johannes Grünwalder. Er lebte 1390 – 1452. Endlich sei auch noch der von verschiedenen Schriftstellern gerühmte Arzt Dr. Josef Grünwald (gestorben 1743) aus Wolfratshausen angeführt, welcher in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine ziemliche Rolle gespielt hat. Zschocke kennt ihn nur unter dem Namen Grünwald; der Geschichtsschreiber der Bayerischen Akademien, Lippert, gibt ihm den Titel : „Dr. Joseph Greinwald oder vielmehr Grünwald.“

Es ist nicht zu leugnen: Das sind berühmte Namen. Wären sie alle wirkliche Grünwald gewesen, so ließe sich die Behauptung des Verfassers Grünwald  komme erst viel später vor, nicht mehr aufrecht erhalten. Und doch erweist sie sich als wahr, wenn wir die eben genannten Namen etwas eingehender prüfen.

Was vor allem den Straßburger Goldschmied Johann Jakob Grünwald betrifft, dessen Wappen im III. Kapitel (§1) des ersten Teiles besprochen wird, so weiß man von ihm weiter .gar nichts. Sein Wappen kann gerade so entstanden sein, wie spätere Greinwald-Wappen auch, d.h. irgend ein Wappenmaler stellte es her ohne Beziehung zur Geschichte oder zum Namen dessen, für den das Wappen gefertigt wurde. Übrigens kann ja auch dieser Grünwald durch Metamorphose (allmähliche Umwandlung) zu seinem Namen gekommen sein.

Anders steht die Sache mit dem Abt Johannes Grünwald. Derselbe regierte in Niederalteich von 1634 bis 1648, also während des Dreißigjährigen Krieges, wo die Schweden zweimal (nämlich 1634 und 1641) des Kloster und die Hofmark verwüsteten . Pater Magnus Sattler, O.S.B., erwähnt ihn in seiner Chronik von Andechs (S.464) als Gast des dortigen Klosters und berichtet von ihm, dass er 1628 mit 12 anderen Benediktinern in die Oberpfalz entsendet wurde, um die dortigen Katholiken, welche durch den Abfall ihres Fürsten vom katholischen Glauben ebenfalls zur Glaubensänderung gezwungen worden waren, wieder der katholischen Kirche zurückzugewinnen. Dieser Johannes Grünwald ist 1634 Abt seines Heimatklosters Niederaltteich geworden. Er legte seine äbtliche Würde im Jahre 1648 nieder und starb am 11.XII.1660 als Probst in Spitz. Karl Muth stellt diesem  Abt in seinem BucheDie ehemalige Klosterkirche in Niederaltteich“ (Passau, Passavia 1893) kein besonders schmeichelhaftes Zeugnis aus. Er nennt ihn einen schlechten Wirtschafter und sagt von ihm, er habe auch für die Klosterkirche keine glückliche Hand gehabt. So ließ er die meisten Altäre versetzen, die Epitaphiensteine vielfach heben, von ihren Plätzen wegnehmen und, wie es scheint, ohne Berücksichtigung ihrer Bestimmung verwenden. Auch sonst wurde unter ihm in der Kirche noch vieles geändert, was bei Unterlassung (oder auch infolge späteren Verlustes) diesbezüglicher Aufzeichnungen dahin führte, dass man von den Prälatengräbern sowie anderen, mit Pietät betrachteten Grabmälern in und bei der Kirche nachmals Ort und Stellung nicht mehr kannte. Pater Lackner schreibt von ihm in seinem Memoriale von Niederalteich (S. III.):Johannes V., Abbas. Prodiit in lucem Altachii cognominatus Grienwald…. ad profess. relig. anno 1616 pervenit“. Nach dieser Aufzeichnung ist also Abt Johannes in Niederaltteich selbst geboren und zwar offenbar am Ende des 16.Jahrhunderts, da er, wie diese Notiz besagt, zur Zeit der Ordensprofeß 1616 doch sicher schon über 16 Jahre alt war. Da beim Klosterbrand 1671 die ganze Bibliothek mitsamt dem kostbaren Archiv verbrannte, so sind weitere Aufschlüsse über ihn nicht zu erhoffen. Das eine aber ist sicher: Grünwald war sein Name nicht. Die Andechser und Niederalteicher Zeugnisse nennen ihn nur Grienwald also kann er für die Grünwald jedenfalls nicht In Frage kommen.

Noch weniger ist der von Geistl. Rat Geiss (in der „Reihenfolge der Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns“) erwähnte Kaspar Grünwalder den Grünwalds zuzurechnen. Derselbe war 1516 bis 3.8.1527 Pfleger und Landrichter in Murnau. Außer ihm erwähnt Geiss noch einen Gerichtsschreiber Melchior Greimolt für 1576.

Der Lokalhistoriker von Murnau, Benefiziat Gebhart, schrieb über die beiden an den Verfasser folgendes: „Der Richter und Pfleger hieß nicht Grünwalder, wie Geiss behauptet, sondern Kaspar Greimold. Freilich ist auch diese Schreibung in den Akten nicht die ursprüngliche. Sie ergänzt sich aber vollkommen durch ein Bürger- und Steuerverzeichnis des von mir selbst seit Jahren zusammengestellten Marktarchivs, wo genannt ist: Melchior Greymoldt 1573, der von Geiss zitierte Gerichtsschreiber. Dass sich daraus dialektisch Greinwald entwickelte, ist selbstverständlich; man darf nur unser Volk beobachten bei der Aussprache des Wortes „Wald“. Das „a“ wird dumpf, mehr wie ein „o“ ausgesprochen. Später nicht mehr in seinem ursprünglichen Sinne verstanden, wird Greimolt zu Grein-wald.

Das Vorausgehende wird ergänzt durch einen. Fund im Kreisarchiv Landshut (Rep.69, Nr. 290), wonach 1516 ein Kaspar Greimoldt Gerichtsschreiber in Murnau war, während zu gleicher Zeit dessen Vater Kaspar dort selbst das Amt des Pflegers bekleidete. Damit steht fest, dass wir es hier mit einem Greimoldt und nicht mit einem Grünwalder zu tun haben.

Was aber den berühmten Maler Mathias Grünewald anbelangt, so ist dieser erst recht nicht zur Grünwald-Sippe zu zählen. Sind die Grünewald doch ein ganz anderer Familienstamm-, welcher mit dem der Grünwald in keinerlei Verbindung steht. Und für die Grein-wald kommen sie erst recht nicht in Frage; denn die frühesten Greinwald-Familien (um 1600) wohnten alle an der südlichsten Grenze Bayerns und verbreiteten sich von da aus nordwärts gegen München und Augsburg, um in ihren Ausläufern sogar bis nach Nürnberg vorzustoßen. Die Grünewald´s aber scheinen ihre Heimat in der Pfalz, in Franken, in Thüringen und noch nördlicher gehabt zu haben. Sie gehören also sicher nicht zu unserer Sippe. Wenn sie trotzdem am Schlusse dieses Buchteiles (siehe Anmerkung 8 ) besprochen werden, so geschieht es nur wegen der vielen Grünewald´s die der Verfasser kennt und denen er mit dem gefundenen Material einen kleinen Gefallen erweisen wollte.

Noch wäre der Bischof und Kardinal Johannes Grünwald von Freising zu nennen. Er war 1416 Pfarrer bei St. Peter in München, Probst in Isen (1414), von 1420 an auch noch Probst in Innichen (Tirol). 1422 wählte ihn das Domkapitel von Freising zum Bischof. Er musste jedoch dem vom Papst Martin V. ernannten Bischof Nicodemus de la Scala weichen. Von 1423 bis 1433 war er dessen Generalvikar. Als das Konzil von Basel, bei welchem Grünwalder als Vertreter des Bischofs eine der bedeutendsten Persönlichkeiten war, sich soweit verirrte, dass es einen Laien, den Herzog von Savoyen, unter dem Namen Felix V. als Gegenpapst aufstellte, wurde Grünwalder von diesem (1440) zum Kardinal ernannt. Mit dem Ende des Konzils von Basel und der Abdankung des Gegenpapstes blieb Grünwalder nichts übrig, als seine Kardinalswürde niederzulegen. 1443 wurde er nach dem Tode des Bischofs Nicodemus von Freising aufs Neue vom Domkapitel als Bischof gewählt, von Papst und Kaiser jedoch wieder abgelehnt. Erst nach dem Tode des Freisinger Fürstbischofs Heinrich II., Grafen von Schlick (1443 – 1448), gelang es ihm, seine Anerkennung zu erreichen, sodass er noch 4 Jahre, bis zu seinem am 2. XII. 1452 er-folgten Ableben, rechtmäßiger Bischof von Freising war, Trotz seines Namens Grünwal-der steht er weder mit den Grünwald´s noch mit den Greinwald’s in einem -zusammenhang. Er ist nämlich um das Jahr 1390 als natürlicher Sohn des Herzogs Johann von Bayern geboren und hatte eine Münchener Schneiderstochter zur Mutter. Da er auf dem Jagd-schloss Grünwald bei München erzogen wurde, so hat man ihm den Namen Grünwalder gegeben. Damit scheidet er natürlich aus den für unsere Familiengeschichte bedeutungsvollen Namen aus.

Als letzter sei noch der von Zschocke in denBayerischen Geschichten“  (Aarau 1829) er-wähnte und von Lippert in derGeschichte der Bayerischen Akademien“ so sehr berühmte Arzt Dr. Josef Grünwald genannt, welcher im Jahre 1743 in München starb und  in Wolfratshausen – seiner Heirat – begraben wurde. Nach vieler Mühe gelang es dem Verfasser die Ahnen dieses Arztes zu entdecken.

Dabei zeigte es sich, dass sowohl die Eltern als auch die Großeltern desselben sich noch Greinwald geschrieben haben. Auch seine Zeitgenossen hielten ihn so wenig für einen „Grünwald“ ,dass sie ihm nicht diesen Namen, sondern den alten auf den Grabstein schrieben und durch den Titel „Grein oder Grienwald“ ihren Zweifel an der richtigen Schreib­weise verewigten. Als Student wurde er sicher noch Greinwald geschrieben, wie ein 1728 bei M. Magd. Riedlin gedrucktes Verzeichnis jener Studenten beweist, die sich im Jahre 1728 durch Gelehrsamkeit besonders ausgezeichnet hatten.

Dieser Josef Greinwald ist ein Schulbeispiel dafür, welche Umwandlungen ein Name erfahren kann. Von Jugend auf Greinwald ward er später Grienwald geschrieben, um nach dem Tode bloß mehr als Grünwald in der Erinnerung weiter zu leben. (Siehe II.Teil,  XIV. Kapitel unter B.§ 1, sowie im V.Teil. I. Kapitel unter 4)

Noch einen Grünwald. hätten die Gegner des Namens Greinwald nennen können. Es ist jener Jörg Grünwald, welcher 1552 bis 1555 an der Frauenkirche zu Schrobenhausen Kirchprobst war und ein angesehener Mann gewesen sein muss. Er ist erwähnt, in der Geschichte dieser Kirche von Reischl, gedruckt bei Hickl in Schrobenhausen 1928. Der Um-stand jedoch, dass die späteren Grünwald in der Nähe von Schrobenhausen, in Aresing und Weilsch, sich von 1600 bis 1700 immer noch Grienewald schrieben, dann erst Grienwald und zuletzt erst Grünwald, etwa von 1800 an, spricht nicht dafür, dass Jörg GrünwaId wirklich ein Grünwald war.

Wir sehen aus diesem, wie auch aus den vorangeführten Beispielen, dass diese GrünwaId, die wir eben besprochen haben, sämtliche zu schlecht gewählt sind, als dass sie gegen die viel älteren Greinwalds ausgespielt werden dürften. Dafür will der Verfasser gerne gestehen, dass er bei seinen Forschungen tatsächlich da und dort auf alte Grünwalds gestoßen ist, die hier einschlägig wären. Allerdings ist ihre Zahl nicht groß. Auch stehen sie in keinerlei Beziehung zu den Greinwalds, wie die erwähnten eingehenden Forschungen erwiesen (siehe Anmerkung 8 ).

Übergehen wir zunächst die einzelnen Grünwald, die sich in den älteren Pfarrmatrikeln Münchens vorfinden. Soweit der Verfasser ihren Ahnen nachforschen konnte – bei vielen war es unmöglich, weil bei den Trauungen vielfach die Personalien ungenügend angegeben waren – , haben sie sich fast alle als Greinwald entpuppt. (Siehe II.Teil, XVIII. Kapitel). Dagegen verdienen es die Grünwald-Familien, von Lenggries, Augsburg und Gmund bei Tegernsee, ferner die Familien der Besitzer der Münchener Heiliggeist-Mühle und des Hotels „Grünwald“, eigens behandelt zu werden. Die zwei letztgenannten Grünwald-Familien, die auf etwa 130 – 140 Jahre zurückreichen, werden im (XVIII.) Kapitel München besprochen, jene von Augsburg und Gmund haben sich früher Grienwald geschrieben und werden darum im nächsten Abschnitt (§2) über „Greinwald  und Grienwald“ eingehender gewürdigt. So bleibt nur die Grünwald-Familie von Lenggries zur Besprechung an dieser Stelle übrig.

Die Grünwald daselbst treten ganz plötzlich auf und zwar zuerst in der Form Greinwald oder Kreinwald. Von ca.1623 -­ 1635 war dortselbst ein Richter dieses Namens auf dem Schlosse Hohenburg (bei Lenggries). Von ihm wird im fünften Teil dieses Buches (I.Kap. unter 7) Näheres berichtet. Er mag mit seiner Schlossherrschaft, die damals neu aufgezogen war, von auswärts, von Augsburg der Heimat der Hörwarth gekommen sein. Es wäre nicht undenkbar, dass er einer der vielen Greinwald-Familien in der Halleiner Gegend entstammte. Was aus seinen Kindern Dionys, getauft 10.10.1628, Salome, geb.30.7.1630, Hans, geb.23.12.1631, und Rosine, geb.16.8.1633 wurde, war nicht zu erkunden.

Um die gleiche Zeit tauchte in Lenggries eine Familie Grünwalder auf. Es läge nahe, sie auf den vorgenannten Richter zurückzuführen; doch bieten uns die Namen seiner Kinder keine Möglichkeit, diese Annahme zu stützen. Vielleicht war der erste dieser Grünwalder mit dem Namen Christoph ein Verwandter des Richters. Das häufige Vorkommen des Namens Michael und Hans bei den Grünwalders deutet etwas darauf hin, reicht aber nicht aus, um an den Richter Greinwald anzuknüpfen. Es bleibt darum nichts übrig als den Stammbaum  mit Christoph Grünwalder zu beginnen Woher er kam ist nicht bekannt.

Sollte vielleicht Christoph auch schon ortsansässig gewesen sein? Dann hindert uns nichts, einen erst 1938 vom Verfasser gemachten Fund in Salbuch von Benediktbeuren für die GreinwaIdsippe auszuwerten und zu behaupten:

1. Auch die Lenggrieser Grünwalder gehören zu den Greinwalds und zwar zu jener Familie, die schon in der Vormatrikelzeit in Ostersee und Iffeldorf saß.

2. Damit gewinnt auch die Vermutung eine Stütze, dass die Lenggrieser Grünwalder und jene in der Tölzer Gegend verwandtschaftlich zusammengehören.

In Salbuch des Klosters Benediktbeuren befindet sich nämlich ein Giltenverzeichnis der Jahre 1553-1558, worin jedes Jahr die Bemerkung wiederkehrt: „Item von einem guet zu Lenggries darauf Augustin Greinwaldt (deutl.) sitzt“. Schlossherrin  war damals Anna Höchenkircher zu Kuenigsdorf und Iffeldorf. Von dort her könnten die Greinwald nach Lenggries gekommen sein.

a) Christoph Grünwalder

war verheiratet mit Jakobäa.

b) Kinder (I.Generation):

1. Barbara

2. Georg

3. Hans, geb.1639 (siehe unter I.)

4. Elisabeth

5. Maria

6. Kaspar

7. Leonhard

8. Maria.

I. Generation: Hans Grünwalder, geboren 9.2.1639, wurde durch seine Heirat mit Ursula  RAUCHENBERGER Besitzer des Hauses No.161 „beim Zackl“. Dem Folgenden nach dürfte er schon Floßmeister in Lenggries gewesen sein.

a) Hans Grünwalder heiratete

am 7.5.1674 Ursula Rauchenberger, geb.18.7.1646.

b) Kinder (II.Generation):

1. Maria

2. Elisabeth

3. Georg

4. Ursula

5. Johann

6. Christoph

7. Michael, geb.1688 (siehe unter II).

II.Generation: Michael Grünwalder, geb.29.9.1688. Michael Grünwalder heiratete am 27.6.1719 Ursula Rapold, geboren 3.9.1694, von Altanderl; die zweite Ehe blieb kinderlos.

a) Michael Grünwalder

   heiratete

   am 27.6.1719 Ursula Rapold.

b) Kinder (III.Generation):

1. Anna

2. Michael, geb.1722 (siehe unter III)

3. Ursula

4. Rosina

5. Christoph

6. Johannes

7. Thomas.

III.Generation: Michael Grünwald, geb. am 7.5.1722 in Lenggries, gestorben am 18.10.1793 dortselbst. Er nannte sich Grünwald, war aber der letzte seines Stammes auf dem Anwesen, das durch die Heirat seiner ältesten Tochter Maria in andere Hände kam.

a) Michael Grünwald heiratete

   22.1.1759 Anna Oswald, geb am

   30.9.1734

b) Kinder (IV.Generation):

1. Andreas

2. Michael, geb.29.1.1761

3. Maria, welche später Besitzerin des Anwesens wurde. Ihre Brüder scheinen also, soweit sie nicht nach auswärts heirateten, frühzeitig gestorben zu sein.

4. Georg, geb.25.3.1763 (siehe unten)

5. Michael, geb.12.9.1765

6. Joseph

7. Christoph, geb.6.3.1769 (siehe unten)

8.Johann, geb.27.4.1771.

Von Georg und Christoph Grünwald fand der Verfasser in München folgende Trauungsmatrikel, welche auch einen Rückschluss auf den Beruf ihrer Voreltern gestatten: Laut Ehematrikel in der St. Peters-Pfarrei heiratete am 11.1.1789 Georg Grienwald, Bürger  und Flößer (retiarius), des Michael Grienwald, retiarii in Lenggries, und dessen Frau Anna ehelicher Sohn, die Elisabeth, eheliche Tochter des Jakob Schmiedbauer, retiarii dahier, und seiner Frau Maria Anna. Als deren Kinder (V.Generation) sind bei St. Peter eingetragen:

1. Anna Barbara, geb.19.4.1790, und
2.
Benno Vitus posthumus; bei seiner Geburt 15.7.1791 war also der Vater schon tot. Als Pate waltete Anton Baumann civis et fab. sculpetarus (bürgerlicher Bildhauer).

Laut Ehematrikel der Dompfarrei heiratete am 27.10.1799 der Floßknecht Christoph Grünwald von Lenggries, Sohn des Floßmeisters Michael Grünwald in Lenggries. Wir haben es hier mit einem Bruder des vorigen zu tun. Dem Christoph Grünwald wurde am 11.2.1805 ein Sohn Josef Greinwald geboren (V. Generation). Im Totenbuch jedoch wird der Vater Christoph wieder mit „ü“ geschrieben. Es war unmöglich, aus den vielen gleich-zeitig vorkommenden Joseph Greinwald und Grünwald in München den rechten herauszufinden. So konnte die Familie nicht weiter verfolgt werden.

Die verschiedene Schreibweise der eben behandelten Grünwald-Familie  lässt die richtige nicht erkennen und stellt damit das Gewicht dieser Grünwald-Familie in Frage. Nachdem alle anderen Grünwald (siehe Anmerkung 9 ) und Grünwalder (siehe Anmerkung 10,) späteren Datums sind oder früher sich anders geschrieben haben, können wir getrost die Akten darüber schließen und zu den Grienwald´s übergehen. Die Eingangs dieses Kapitels aufgestellten Thesen: „Greinwald kann nicht von Grünwald kommen“ und „Greinwald ist längst vor Grünwald da“, dürften hiermit hinreichend bewiesen sein.

Möchten doch aus diesem Grunde die vielen Grünwald, deren Ahnen früher Greinwald geheißen haben, ihren alten Namen wieder aufnehmen.

Es liegt das im eigenen Interesse; denn für die Grünwald der Zukunft wird es, was schon heute die Erfahrung beweist, immer schwerer werden, die Verbindung mit der Vergangenheit wieder anzuknüpfen. Wie viele von den etwa 85 verschiedenen Grünwald des Münchener Adressbuches könnten unter Benützung des im vorliegendem Werke niedergelegten Materials ihre Altvorderen entdecken und damit sich einen ganz ansehnlichen Stammbaum sichern, wenn sie nur einige Kenntnis von den Personalien ihrer Großeltern oder Urgroßeltern in die gegenwärtige Zeit herübergerettet hätten.

Diese Mahnung sei besonders den Grünwalds in Zwergern und Walchensee ins Stammbuch geschrieben. Sie stammen nämlich von den Greinwalds beim Resch in Tutzing ab und brauchen sich ihrer Abstammung von dieser uralten Fischersfamilie nicht zu schämen.

§ 2 GREINWALD und GRIENWALD

(Anmerkungen siehe am Schlusse des I.Teiles)

Während nach dem Vorausgehenden kein Zweifel mehr bestehen kann, dass Greinwald nicht von Grünwald kommt, weil ja der Name Greinwald bedeutend früher vorhanden war und bei vielen Grünwald die Ahnen sich nachweisbar Greinwald geschrieben haben, kann ein Gleiches bei den Beziehungen von Greinwald  und Grienwald nicht behauptet werden. Dieser Artikel wird zwar zeigen, dass Greinwald auch nicht von Grienwald kommen kann, er soll aber an der Tatsache nicht vorbeigehen, dass neben den Greinwalds auch, und zwar schon sehr früh, Grienwalds existierten. Sollte doch schon 1553ein Grienwald Hans, Bürger in Rosenheim, Ordnung in die Marktschreiberei bringen“, wie dasArchiv für Sippenforschung“ (Jahrgang 1932, S.37) vermerkt. Grienwald ist ein Name, der später (etwa vom Jahre 1750 an) in den Namen Grünwald überzugehen pflegte.

In Ulm, Regensburg, Niederalteich, Hallein, Salzburg und ganz besonders in München muss es schon sehr früh Grienwald  gegeben haben, wenn wir zunächst von der Möglichkeit einer fehlerhaften Schreibung dieses Namens absehen wollen.

Der dem Verfasser gelegentlich seiner Forschungen bekannt gewordene Ulmer Redakteur N. Schweiger vermittelte für dieses Werk außer seinen schon erwähnten Notizen über Grünwald und Grünewalds noch die folgenden: Am 17. 10. 1571 wurde in Ulm eine Barbara getauft – Eltern: Michael Grienwald und Barbara, geb., Eberlin; ferner: Am 18.3.1566 heiratete ein Michael Grienwald von Salzburg, des Hansen Grienwald nach-gelassener Sohn, die ehrbare Feliza Eberlin, Eberhard Eberlins nachgelassene Tochter. Dass es auch in Regensburg  um jene Zeit Grienwalds gab, verrät die aus der nämlichen Quelle stammende Trauungsnotiz im Ehebuch des Ulmer Münsters, wonach am 9.9.1566 Hans Grienwald, des Jakob Grienwald von Regensburg ehelicher Sohn, die Jungfrau Ursula Kharrer heiratete. Dieser Regensburger Grienwald lässt einen Schluss ziehen auf andere Grienwald in der dortigen Gegend, sodass es uns nicht überrascht, während des Dreißigjährigen Krieges einen Johannes Grienwald (nicht Grünwald, wie er jetzt fälschlich genannt wird). als Abt im Benediktinerkloster Niederalteich zu finden, zumal er nach dem Memoriale von Niederalteich von P. Lackner daselbst auch als Grienwald geboren ist. Ein Nicolaus Grienwald ist 1496 Augustinerpropst und Pfarrer in Grafenau, gestorben 1530. Ein Hans Grienwald urkundet 1491 als Benefiziat in Kösslarn. Ein Ambros Grienwald ist am 4.5.1680 Pfarrer in Feichten, Diözese Passau, gestorben 3.12.1701. Der Familienforscher Roth meldete dem Verfasser aus Ulm noch eine Barbara Grienwald, welche am 2.5.1576 den Konrad Kälberer ehelichte. Sie war wohl die Witwe des oben genannten Michael Grienwald in Ulm, der oben als Vater einer am 17.10.1571 getauften Barbara genannt wurde.

Auch in Hallein fanden sich, wie schon oben erwähnt, frühzeitig Grienwald’s. Die Halleiner Taufmatrikeln berichten 1609 und 1616 von einem Pfarrschreiber Paul „grienwalt“ und „Krienwald“. Dessen Familie dürfte mit den vielen Greinwald’s in der dortigen Gegend im Zusammenhang stehen.

Ganz besonders häufig und teilweise auch ziemlich früh finden wir Grienwald’s in München. Dabei ist aber ein Unterschied zu machen zwischen den zwei ältesten Pfarreien Münchens, Dom und St. Peter. In der Dompfarrei finden wir anfangs, von 1606 ab, aus-schließlich nur Greinwalds. Der einzig vorliegende Fall, in welchem vor 1640 ein früherer Grienwald erwähnt ist, kommt nicht in Frage, weil hier nur einmal Grienwald und sonst immer Greinwald geschrieben ist. Es handelt sich da um den Messerschmied Joachim Greinwald welcher am 20. 4. 1633 im Dom in zweiter Ehe als Säbelschmied Greinwald die Jungfrau Barbara Rechmannin heiratete. Ihm wurde am 29. 1. 1614 ein Kind, Maria Grienwald, und am 3. 2. 1616 ein Kind, Maria Greinwald, getauft. Erst von 1640 an wer-den die Grienwalds auch in den Pfarrbüchern der Domkirche häufiger. Es bietet sich später nochmals Gelegenheit, auf diese (siehe  Anmerkung 11 ) zu sprechen zu kommen.

Bei St. Peter in München dagegen bilden die Grienwalds die Regel. Sechs ganz sichere Greinwald mussten im Laufe der Zeit die Umbenennung in Grienwald  hinnehmen. Dar-auf sind leider viele der späteren Münchener Grünwald zurückzuführen, ein Name, der immer den Schluss der Metamorphose bildet.

Als früheste Grienwald nennen uns die Pfarrmatrikeln von St. Peter den „Stadtpfeifer“ Georg Grienwald als Taufpaten 17.3.1612, ferner den „Pfeifer“ Georg Grienewald (offen-bar den gleichen) 5.2.1614 und Georg Grienwalder im November 1622. Seine Frau die „Stadtpfeiferin“ Barbara Grienwald ist Taufpatin unterm 2.12.1612. Eine Katharina Grienwalderin waltet im Juli als Patin. Ferner wurde bei St. Peter dem „Stadtpfeifer“ am 23. 12. 1612 ein Kind Barbara, dem Jörg Grienewaldt .am 13. 5. 1614 ein Sohn Johann Heinrich, dem Georg Grienwalder am 16. 10. 1617 eine Barbara getauft. Außerdem wird noch am 8. 2. 1612 bei der Taufe seines Sohnes Sebastian der Kramer Christoph Grienwald er-wähnt.

Was die Büchsenmacherfamilien Grienwald betrifft, die wiederholt in den Münchner Tagebüchern genannt werden, so sei hier nur das eine erwähnt: In ihren Herkunftsort Unterpfaffenhofen bei Gauting wurden sie anders geschrieben. Sowohl in den Pfarrmatrikeln als auch in den gleichzeitigen alten Aktenstücken, heißen sie meistens Greinwald.

Dagegen ist zugegeben, dass die Ahnen der Münchener Brotfabrik Grünwald noch 1780 bis 1840 den Namen Grienwald führten.(siehe II. Band Kapitel München). Auch die Hotelbesitzer GrünwaId in München wurden 1755 bis 1814 Grienwald, geschrieben, vorher  sogar Grienewald.

In Gmund bei Tegernsee und in Augsburg gibt es ebenfalls alte Grienwaldfamilien. Jene in Augsburg schreibt sich jetzt allerdings Grünwald. Die ersten Glieder jedoch, angefangen von der ersten uns bekannten Taufe (1650), nannten sich nur Grienwald. Von 1720 – 1785 wechselten Grienwald und Grünwald, um von dort an bleibend in Grünwald über-zugehen. Die Entdeckung dieser Familie ist eine Geschichte für sich. Sie wird deshalb um den Zusammenhang nicht zu sehr zu stören,  am Schlusse dieses Buchteiles in einer eigenen (Anmerkung 12) besprochen werden. Nicht weniger interessant ist die Geschichte der Grienwald von Gmund, welche der Verfasser bis 1630 verfolgen konnte. Diese Familie hat sich nie anders geschrieben. Sie wird ebenfalls in der Anmerkung 13 behandelt.

Es lässt sich also nicht in Abrede stellen, dass es in alter Zeit neben den Greinwalds auch mancherlei Grienwalds gegeben hat. Soll aber die Frage entschieden werden, in welcher Beziehung die Greinwald und Grienwald zu einander stehen ‚so zwingt uns die Häufigkeit der Greinwalds im Gegensatz zu den Grienwalds, ferner die Deutlichkeit und Ausschließlichkeit, in welcher die Form Greinwald erscheint, während das seltenere Grienwald sich in mancherlei Formen bewegt, endlich der zeitliche Vorsprung, welchen der Name Greinwald vor dem Namen Grienwald fest überall voraus hat, die Behauptung auszusprechen: Eher kann Grienwald von Greinwald kommen als dass zugegeben werden könnte, dass Greinwald von Grienwald abzuleiten ist.

Dafür sei hier die naheliegende Frage gestellt: Wie mag wohl Grienwald – nicht in allen, aber doch in vielen Fällen – entstanden sein?

Der Sprachgebrauch kann uns hierauf die beste Antwort geben: Bei Andechs findet sich ein Tal. Hochdeutsch heißt es „Kiental“ der oberbayerische Volksmund nennt es „Keanthol“ oder „Keanthoi“. In der Schongauer Gegend ist ein Ort oder Weiler (im Bayerischen Jahrbuch findet er sich nicht, also kann es keine Gemeinde sein) „Kienberg“, vom Volke „Keanberg“; genannt. Auch der Ort Kienberg im Chiemgau wird nie anders als „Keanberg“ gesprochen. Ebenfalls wird der Altbayer Kienholz nie anders als „Keanhoiz“ oder „Kean“ ausgesprochen. Endlich kann jeder Greinwald bestätigen, dass ihn das Volk noch nie Greinwald genannt hat, sondern immer „Greanwold“. Wie soll man dieses aber hoch-deutsch anders schreiben als Grienwald oder Grünwald? Es ist ja bei anderen Namen ähnlich. Nach vierzig Jahren gedenkt hier der Verfasser eines kleinen Erlebnisses aus der Philosophenzeit. „Wie heissen Sie Herr Kandidat?“ fragte unser verehrter Herr Rektor Dr. von Pössl. „Hueber“ war die Antwort. „Bitte, noch einmal“, sprach der nur hochdeutsch ein-gestellte Professor, „ich habe Sie nicht recht verstanden“. „Hueber“ wiederholte der Gefragte recht breit. „Ach Herr Kandidat, so können Sie doch nicht heißen. Buchstabieren Sie einmal“, ersuchte der gute Rektor. „H u e b e r“ war die Antwort des Kandidaten. „Nun, dann werden Sie eben Hüber heißen“, gab der Professor zurück und schrieb fein säuberlich den Kandidaten „Hüber“ ein.

So ist es den verschiedenen Greinwalds oft genug gegangen. „Greanwold“ hat man sie gegrüßt und Grienwald oder gleich Grünwald hat man sie dann geschrieben. Und das trotz allen Widerspruchs. Alle Greinwald, die heute noch den Namen führen, wissen davon zu erzählen, mit welchen Schwierigkeiten sie dabei zu tun hatten. Große und kleine Behörden haben es ihnen dabei nicht leicht gemacht, den alten Namen in die Gegenwart hereinzuretten. So schrieb der Arzt Dr. Georg Greinwald dem Verfasser: „Unsere Familie ist schon seit 1875 in Hausham und heute noch müssen wir um unseren Namen buchstäblich kämpfen, sonst würden wir längst schon Grünwald geschrieben.“

Grienwald ist also eine ganz natürlich zu erklärende Übergangsform von Greinwald  zu Grünwald und daher mag es kommen, dass die verschiedensten Pfarrämter nicht sofort Grünwald schrieben, sondern zuerst Grienwald, weil offenbar die Greinwalds sich gegen das Erstere gewehrt haben.

Abgesehen von diesem Sprachgebrauch kann als häufig beobachtete Tatsache festgestellt werden, dass die Stammeltern vieler Grienwald und späterer Grünwald sich von An-fang an Greinwald geschrieben haben. Dass ihnen dieser Name nicht blieb, ist meist auf unrichtige Matrikeleinträge zurückzuführen. Das Beweismaterial hierfür ist geradezu erdrückend.

So wurden die wenigen Greinwald aus der Oderdinger Greinwald-Familie, welche später ihren Namen in Grünwald änderten, in Gauting, wohin 1754 Michael Greinwald heiratete, zuerst Grienwald. und erst 1800 Grünwald geschrieben (siehe II.Teil, I.Kapitel, § 5). Ebenso wurden einige Pollinger Greinwald, die nach München heirateten, dort zuerst mit „ie“, dann mit „ü“, geschrieben, aber ebenfalls erst nach 1800 (siehe II.Teil, III.Kapitel.). Überhaupt haben die Münchener Pfarrherren die Tatsache verschuldet, dass fast alle Greinwald, die ihren Wohnsitz in München wählten, sich dort unter dem Namen Grünwald verloren. Um nur einige derselben zu erwähnen, sei zuerst an die Greinwalds aus Holzhausen erinnert, denen in München der Name Grienwald und später Grünwald bei-gelegt wurde (siehe II.Teil, XIII.Kapitel).

Der Witwer Johann Georg Grienwald, Bürger und Branntweiner, welcher am 15.9.1749 die Jungfrau Maria Theresia Munzenrieder bei St. Peter heiratete, ist z.B. kein anderer als der Johann Georg, Sohn des Valentin Greinwald, Bauer in Holzhausen und seiner Ehefrau Ursula, welcher am 7. 8. 1747 bei St. Peter als damaliger Gaderknecht im churfürstlichen Bräuhaus und als angehender Bürger und Branntweiner die Maria Anna Gabler, Witwe des Bürgers und Branntweiners Mathias Gabler ehelichte. Im Totenbuch bei St. Peter ist er unterm 30.7.1786 wieder Greinwald geschrieben. Der Bürger und Salzhändler Vitus Grienwald, welcher am 13.2.1797 die Maria Anna Hupfauer, Bürgers- und Salzhändlerstochter in München bei St. Peter heiratete, war ein Greinwald aus Iffeldorf ( siehe II.Teil, XV. Kapitel), ebenso sein Stiefbruder Kaspar Grienwald, welcher als Bürger und Getreidehändler am 8. 9. 1800 die Maria Anna Braun aus Wolnzach ehelichte. In Wolfratshausen (siehe II.Teil, XIV.Kapitel) finden sich ebenfalls Grienwald als Vorläufer der Grünwald. Dass dieser Name aber nicht ihr ursprünglicher war, beweist folgendes: JO. Georg (gest. 1770), seine Gemahlin Theresia (gest. 1778) und deren Sohn Joseph (1798) sind zwar im Totenbuch als Grienwald eingetragen, vorher hatten sie aber immer Greinwald geheißen und Joseph ist nicht bloß bei seiner Taufe 1735, sondern auch bei der Geburt seines gleichnamigen Sohnes 1762 in München Greinwald geschrieben. Einen Grienwald aus Feldafing entdeckte der Verfasser in den Pfarrbüchern des Klosters Schäftlarn. Es ist Laurentius, welcher 1717 in Schäftlarn die Regina Hauser heiratete und 1742 in Neufahrn starb. Dass er aber nicht Grienwald sondern Greinwald hieß, beweisen genaue Taufpersonalien in Feldafing, wo er 3. 7. 1682  als Sohn des Georg und der Katharina Greinwald geboren ist. Sein 1725 in Schäftlarn geborener Sohn Joseph, der sich später in Sendling niederließ, hat sich bei der Taufe seiner meisten Kinder wieder als Greinwald eintragen lassen. Besonders häufig findet sich der Name Grienwald in Aubing. Hier wechselte wiederholt in einer und derselben Familie der Name Grienwald, Grünwald, Grienwalder, bis sich schließlich allgemein das Grünwald durchrang, welches auch heute noch seinen Platz behauptet. So stirbt ein Georg Greinwald, 30 Jahre alt in Allach (1754). Sein Sohn ist bei der Taufe 1750 als Georg Grünwald eingetragen, bei seinem Tode 1800 aber als Grienwald. Seine Mutter, also des Ersteren Witwe, nennt sich bei der Wiederverheiratung 1754 Apollonia Greinwald. In’s Einzelne einzugehen würde zu weit führen. Näheres darüber ist ohnehin im XI. Kapitel (des II. Teiles bei Feldafing Aubing und Pöcking) zu finden.

Auch in Fürstenfeldbruck mussten sich die Greinwald sofort das Umtaufen ihres Namens in Grienwald und dann in Grünwald gefallen lassen, mit welchem Namen sie sich hernach in zahlreiche Orte zerstreuten, sodass es unmöglich war, ihnen weiter nachzuforschen. Nur zwei derselben konnten vorläufig in München entdeckt werden, worüber im Kapitel Tutzing bei der Familie „Greinwald beim Resch“ das Nähere gefunden werden kann. (siehe II.Teil, X.Kapitel).

Ganz besonders interessant und darum erwähnenswert ist eine Greinwald-Familie, welche in Aubing von Anfang an nur unter dem Namen Grienwald geführt wurde. Sie kam von Pöcking, wo sie auch eine Zeitlang sich niedergelassen hatte und ebenfalls Grienwald geschrieben wurde.

Glücklicherweise brachte aber eine Streife des Verfassers in die dortige Pfarr-Registratur sichere Beweise, dass wir es auch hier mit wirklichen Greinwald zu tun hatten: denn der Vater des Simon Grienwald von Pöcking hatte sich bei seiner Hochzeit in Pöcking 1697 mit Sophie Sanner selbst noch Greinwald geschrieben, ebenso auch gelegentlich der Taufe seiner ersten Kinder Elisabeth 1698 und Leonhard 1703. Außerdem ist der Vater Simon Greinwald bei seiner Hochzeit 1697 ausdrücklich als Sohn des „Saler“ Ambros Greinwald in Tutzing gekennzeichnet. Darum war es nicht schwer, ihn als den 1665 geborenen Sohn des Ambros und der Ursula Greinwald, „Saler“ in Tutzing zu identifizieren.

Aus alldem ist zu ersehen, dass durchaus nicht alle Grienwald auch von Anfang an so hießen, sondern viele von ihnen wurden anfangs Greinwald geschrieben, bis sie sich allmählich – ob durch eigene oder fremde Schuld bleibe dahingestellt – in das eigenartige Grienwald und dann vollends in das bequeme und natürliche Grünwald ergeben haben.

Die beste Illustration zu dieser Namensumwandlung bietet der schon oben erwähnte Arzt Dr. Joseph Greinwald von Wolfratshausen. In der Jugend hieß er Greinwald. Seine Zeit-genossen schrieben ihn Grienwald. Auf seinem Grabstein an der Wolfratshausener Kirche steht heute noch: „Greinwald oder Grienwald“. Die Späteren aber kennen ihn, bloß mehr unter den Namen Grünwald. Das XIV .Kapitel Wolfratshausen im 2. Teil dieses Buches gibt noch einmal Gelegenheit, darüber eingehender zu berichten. (siehe auch im V.Teil, I. Kapitel unter 4.)

Zusammenfassend sei hier nur das Eine nochmals hervorgehoben: Es hat sicher auch schon sehr früh Grienwald  gegeben, aber die Greinwald stammen nicht von ihnen ab. Dagegen haben viele Grlenwald vorher Greinwald  geheißen und, was sich davon nicht auf den alten Namen besann, ging später im Namen Grünwald unter. Der Name Grienwald jedoch hat vollständig aufgehört.

 

§ 3 GREINWALD und GREIMOLT

(Anmerkungen siehe am Schlusse des I. Teiles)

Es ist ganz auffallend mit welcher Häufigkeit in den alten Urkunden der Familienname Greimolt und Greymolt wiederkehrt während der Name Greinwald nur ein paar mal in den alten Akten erscheint. So wird in dem „Cathalogus virorum ac mulierum, qui in communionem meritorum Collegii Polingani suscepti sunt“ ein Magister Udalricus Greinwold, Weltpriester und Pfarrer in Schongau, als 1495 gestorben erwähnt. 1514 muss ein D. Franziskus Greinwald Pfarrer in Peissenberg gewesen sein (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Klosterliteralien von Polling, Fasc.108, S. 4). Im Jahre 1542 ist ein Herr Georg Greinwald Pfarrer in Holzheim und am 4. September 1562 Magister Johannes Greinwoldt Pfarrer in Weilheim. Er war an diesem Tage als geladener Zeuge bei der Erwählung des Propstes Erhard in Polling gegenwärtig und starb als dritter Pfarrer von Unterhausen bei Weilheim. 1507 zeichnet und. siegelt ein Kaspar Greinwoldt, Bürger des Rates zu Weilheim (Fasc. 8, Regestenfascikel unter Lengenlaich, Pollinger Klosterliteralien). 1527 finden sich in Unterzeismering bei Tutzing ein Jörg Greinwoldt und ein Thoman Greinwoldt, in Tutzing ein Jakob Greinwold und ein Jörg Greinwold. Auch der Paule Greimolt von Seeshaupt .wird um jene Zeit (1521) wiederholt Greinwald geschrieben. Endlich berichtet die Geschichte von einem Jörg Greinwald, welcher sich in der Schlacht bei Pavia 1525 so auszeichnete, dass er von Herzog Albrecht von Bayern zum Pfleger von Wolfratshausen ernannt wurde, wie Destouches einmal erwähnt.

Doch was sind diese wenigen Greinwald gegenüber der Unzahl Greimolts, von denen allein die Archive Bayerns uns zu erzählen wissen. Vor allem seien hier jene Greimolt genannt, die im Oberbayerischen Archiv verewigt sind. Ein Schreiber Greimolt ist am 18.11.1302 Zeuge bei einer Schenkung an das Gotteshaus in Rott am Inn (0bb. Arch., Bd. 13, S.179). Ein Bürger Greimolt in München „besorgte im 14.Jahrhundert gemeinsam mit dem Freimann, dem Rudolf usw. die bedeutenden Lieferungen für den Kaiser, den Markgrafen und den Hof bis zum Jägermeister herab samt dessen Hunden“ (Obb. Arch. Bd.11, S.257). Ein Münchener Bürger Greymolt wird 1409 (Monumenta Boica, Bd.21, S.64) genannt. Er war zwar nicht einer von den Geschlechtern, hatte aber sein eigenes Siegel (Obb. Arch., Bd.11, S.126). Der Bürger Heinrich Greymolt steht als Zeuge unter einer Urkunde am 17.4.1420 (Obb. Arch. Bd,11, S.261). Ein Konrad Greimolt wird als Beisitzer bei einem Gerichte in Beuerberg am 19.7.1419 genannt (Obb. Arch. Bd.8. S.255); ferner ein Ulrich Greimolt (Obb. Arch., Bd.10. S.45) als Kirchherr zu Schongau und Dechant des Kapitels daselbst (1465) ( anderswo wird er Greinwold geschrieben, wie eingangs bemerkt). Ein anderer Ulrich Greimolt ist 1471 Gemeinderedner in Weilheim und Spruchrichter bei einem Streite zwischen dem Kloster Diessen und der Stadt Weilheim (Obb. Arch., Bd.30, S.57). Ein Hans Greymolt fungiert 1497 als Zeuge bei einem Kaufe in Schenkenau bei Hohenwarth (0bb. Arch. , Bd.30 . S.77), und ein Christoph Greymolt bei einem Kaufe in Schenkenau anno 1508 (Obb. Arch. Bd.30, S.78). In Band 48, Seite 297 des Obb. Arch. S.51 werden 1513 der Weilheimer Goldschmied Kaspar Greymolt und der Maler Georg Greimolt erwähnt, welche beide für den Wessobrunner Abt arbeiteten.

Auch in der Umgebung von Weilheim scheinen sich die Greimolts ziemlich verbreitet zu haben und zwar nicht bloß als freie Besitzer eines Gutes, sondern auch als Leibeigene irgend einer Herrschaft. Auf welchem Wege ehemals freie Greinmolts in die Leibeigenschaft gekommen sind, darüber gibt uns Anmerkung 14 Aufschluss.

Der bekannte Forscher H.H .Pfarrer Rückert von Polling teilte dem Verfasser aus einem alten um 1560 entstandenen Register der Eigenleute des Klosters Polling mit: „In der Eberfinger Pfarrei Walthassar Greymolt; der Margarethen Weynhartlin von Polling sone ist unser leibaygen sambt allen seinen töchtern. Item hat ein Bruder mit Namen Lenhardt, hausst und sitzt zu Peel hinter dem Perndorffer und ist auch unser Gotzhaus“. Der Verfasser forschte dieser Familie nach und fand diesen Lenhardt Greymolt noch 1586 auf seinem Anwesen zu Pähl (Weilheimer Gerichtsliterarien 2.Bd. S.391). Weiteren Aufschluss über die Eberfinger Greymolt gaben die Pollinger Klosterliterarien Nr.176 (1552-1593), Seite 53 heißt es: „Balthassar dann Veit Greymoldt. Balthassar zahlt bis 1574″. Am 3. Februar 1575 geht das Gut auf den jungen Veit Greymoldt über zwecks Heirat. Er zahlt von 1575 an regelmäßig. 1576 und 1577 ist er Greynmoldt geschrieben. Bis 1586 bleibt der Name aus, 1588 und 1590 heißt er wieder Greymoldt, während in den nächsten Jahren der Name wieder fehlt. Veit Greymoldt besitzt laut Stiftsregister des Klosters Polling (Seite 8) im Jahre 1617 den Hof als Freistift. (Wörtlich heißt es: „Er gibt Korngild, hat auf dem Hof Freistift, gibt Wiessgild 6 fl., Stiftgild 37 kr.“) Er war nicht leibeigen, weil seine Mutter eine Freie war. Sein Vater Balthassar saß schon 1552 auf dem Hof; denn im Weilheimer Scharwerkbuch von 1552 (Seite 231b) heißt es: „Eberfing im Unteren Dorf: Walthassar Greymolt und der Vetter perzer“. Unter dem Jahre 1575 ist im Pollinger Stiftsbuch nachstehend wörtlich wiedergegebener Eintrag zu lesen: „Walthassar vergundt dem jungen Veit Greimolt auf das ganze Gut zu heiraten.“ Aus den Pollinger Klosterliteralien Nr.171 (Hauptstaatsarchiv München) wissen wir: „Eberfing Wirth 1552 Balthasar Greymold baut einen Hof. 3.Februar 1575 Veit Greymold Sohn, 1616 27.Aug. übergibt dieser den Halbteil seines Hofes seinem Vetter Georg Hitter (vielleicht der spätere Hutter), 1620 8.0kt. auch die andere Hälfte um eine bestimmte Pfriendt.“

Außerdem fand der stets hilfsbereite Forscher Georg Rückert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München eine ganze Reihe von Akten, welche uns mit den Greimolts bekannt machen: 27.8.1476 siegelt als Bürgermeister der Stadt Weilheim Ulrich Greymold, 1477 siegelt ein Georg Greymold, Bürger zu Weilheim. 1482 verkauft der Bürger Georg Greimolt einen Hof zu Unterhausen; 1483 gibt er seiner Tochter Regina bei ihrer Verehelichung mit einem gewissen Schallhammer als Heiratsgut einen Hof zu Unterhausen samt 3 Tagwerk Wiesenmat. Ca.1494 ist ein Jörg Greimolt zu Tutzing Siegelzeuge (Weilheimer Gerichtsurkunden Nr.35, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München). 1515 siegelt Kaspar Greimold, Bürgermeister zu Weilheim, Sonntag nach Agatha einen Revers des Ull. Greymoldt  von Seeseyten (Pollinger Klosterliteralien im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München). Es ist der gleiche Greymolt, der laut Monumenta Boica (Bd.10, S.209 ) 1503 Bürgermeister zu Weilheim ist. 1507 befinden sich Kaspar Greinwoldt (!) und andere Bürger des Rats zu Weilheim als Zeugen unter dem Vertrag zwischen Etting und Lengenlaich. Kaspar Greinwoldt siegelt dabei. Weil er sich sonst Greimolt schreibt – die Buchstaben sind eher gezeichnet; statt des Punktes auf dem „i“ steht ein Strich, der eine Kürzung von „n“ und „w “ andeuten könnte – ist es noch fraglich, ob er Greimolt oder, wie oben er-wähnt, Greinwolt hieß.

1509 und 1511 wird vom Propst in Polling mit dem Fassmaler Hans Greymoldt in Weil-heim abgerechnet, ebenso in den Jahren 1524, 1526, 1527, 1531 und 1534 mit „Jörg Greymoldt maler“. Im Jahre 1509 fertigt Goldschmied Kaspar Greimolt  in Weilheim eine Monstranz „nach Inhalt einer Visierung“ (=Zeichnung). Er bekam dazu vom Kloster Polling für „11 Mark und 5 lot mer Feinsilber und 3 1/2 Mark Werksilber“. Die Rechnung wurde ratenweise bezahlt; der letzte Rest am Feste der hl. Magdalena im Jahre 1512.

1511 ist Kaspar Greimolt Steuerherr, also auch Ratsherr der Stadt Weilheim, 1512 „tenetur (schuldet) Kaspar Greimold 2 Gulden für ein ponzen wildprett“ auf die Hochzeit seiner Tochter mit Jörg Stern. 1515 wurde vom Kloster Polling beim Goldschmied Jörg Stern in Augsburg ein silbernes Bild des Apostels Andreas bestellt, und zwar im Beisein seines Schwehers (Schwiegervaters) Kaspar Greymold. 1515 „hat Jörg Stern, burger zu Augsburg meinem Herrn (so trägt der Schreiber des Ökonomiebuches von Kloster Polling ein) an der grossen Monstranz unden auf den fuss gemacht ein schilt und 2 engl die den schilt halten.“ 1520 nahm Jörg Stern von „seinem Schweher Kaspar Grenold 28 Gulden „stend uff die arbait“ (=Vorschuss). Bei der Abrechnung am Sonntag nach hl. Kreuz Erfindung 1522 war Chr. Greimolt gegenwärtig. Kunrad Greimolt, dessen Gewerbe nirgends angegeben ist, kommt wiederholt im Ökonomiebuch als Zeuge vor: So 1512 bei einer Abrechnung, welche der Bürgermeister der Stadt Weilheim wegen der Stadtsteuer mit dem Propst von Polling vornahm. Er wird also Ratsherr gewesen sein. Bei einer anderen Abrechnung am Feste des hl. Gregor ist er mit Greinmolt unterschrieben.

1516 und 1520 wird ein dmns. Franziskus Greymoldt im Ökonomiebuch (Seite 195 und 201) genannt. Er scheint Klosterherr in Polling gewesen zu sein, vielleicht der gleiche, der 1514 sich als Pfarrer Franziskus Greinwalt  von Peissenberg zeichnet. 1620 (19.2.) ist ein Hans Greimolt von Seeshaupt Fischerknecht im Kloster Polling. Er verheiratete sich 1621 und wird entlassen.(Nr.79 Dienerbuch 1616-1643 Seite 106). Die Weilheimer Greimoldt haben auch anderswohin gefunden. Das zeigt uns Pater Konrad Greimoldt von Weilheim, welcher als Benediktinerpater von Niederalteich urkundlich 1570 Vicar in Schwarzach, 1575 in Auerbach war und 7.9.1576 starb. Diese Archivalien ließen sich noch um ein Be-trächtliches vermehren (siehe Anmerkung 15 ).

Vielleicht scheint es überflüssig, auf alle diese Greimolt hinzuweisen. In Wirklichkeit dürften aber die späteren Forschungen gerade dem Stammbaum dieser Sippe eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Denn es ist gar nicht ausgeschlossen, dass die Greinwald doch mit derselben in Zusammenhang stehen. Von dieser Frage hängt einmal für unser Werk unendlich viel ab; denn sind die Greinwald mit den Greimolt – wenigstens mit dem einen oder anderen von ihnen verwandt, so kann über die Entstehung des Namens die Untersuchung geschlossen werden. Es ist nämlich sehr auffallend, wie eng die Weilheimer Greymolt mit denen in Seeshaupt zusammen hängen. Manche von ihnen sind sogar mit denen von Seeshaupt identisch. Könnte nun der Beweis gelingen – diese Arbeit sei einem späteren und jüngeren Forscher überlassen, – dass die Oderdinger Greinwald der alten Künstlerfamilie der Greymolt in Weilheim entstammen, welche mit den Seeshaupter Greymolt verwandtschaftlich verbunden sind, so darf es uns nicht wundern, dass von Seeshaupt aus die Greymolt und Greinwalds den Weg nach Tutzing und von dort in viele andere Orte gefunden haben.

Bei dieser Gelegenheit sei auf die Tatsache hingewiesen: Keine von den Greinwald-Sippe hat dem Verfasser soviel Arbeit gemacht, wie jene in Tutzing (siehe II.Teil, X.Kapitel). Die Hauptschwierigkeit bot hier aber nicht die große Anzahl der Greinwald-Familien, wel-che sich gleichzeitig in Tutzing befanden, sondern die Frage, ob es überhaupt Greinwald  sind und ob sie nicht eher als Greimolt angesprochen werden müssen. Der Verfasser des schön geschriebenen Tutzinger Familienbuches hat sie zwar alle mit dem Namen Grein-wald bedacht, sodass man bei Einsichtnahme in dieses Buch nicht ahnen konnte, dass die meisten dieser Greinwald vorher ganz anders geschrieben wurden. Der Verfasser vor-liegender Familiengeschichte war darum nicht wenig überrascht als er die Matrikelbücher, welche dem Schreiber des Familienbuches zur Quelle gedient hatten, selber durchforschte und in den ersten Jahrzehnten fast ausnahmslos lauter Greimolts fand. Die Täuflinge sind vor 1664 trotz ihrer großen Zahl fast immer nur Greimolt geschrieben, erst von 1671 an, da aber ausschließlich Greinwolt. Bei den Trauungen sind bis 1634 nur Greimolt, von da fast ausschließlich Greinwolt und Greinmold zu finden. Bezeichnend ist es aber, dass die von Seeshaupt kommenden Greinwald immer als solche oder wenigstens als Greinmold, nie aber als Greimolt, eingetragen wurden. Angesichts dieser Tatsachen ist es ein Rätsel, dass alle Greinwalds welche aus Tutzing den Weg in andere Pfarreien fanden, dorthin den Namen Greinwald und nicht den Namen Greimolt mitgebracht haben. Wäre Greimolt der Name der Ahnen gewesen und hätte etwa nur der Matrikelschreiber die Änderung in Greinwald sich erlaubt gehabt, so müsste doch der alte Name in der Ferne sich wieder durchgerungen haben. Auch das lässt sich nicht annehmen, dass etwa die von auswärts in Tutzing zugezogenen Greinwald-Familien den Namen Greimolt verdrängt haben. Weil die Greimolt alteingesessen, begütert und überaus zahlreich waren, so ist das im vorhinein ausgeschlossen. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass einzelne Familien sich allmählich mit der Änderung ihres Namens abfanden, obwohl nicht er-sichtlich ist, warum man Greimolt hätte in Greinwald ändern sollen. Übrigens hat sich in Tutzing mit seinen zwei Dutzend Greinwald-Familien  der jahrzehntelange Kampf zwischen den beiden Namen Greimolt und Greinwald schließlich zu Gunsten der Familie Greinwald entschieden.

Vielleicht gelingt es später einmal an der Hand alter Urkunden, welche noch weiter zurück-greifen als die Tutzinger Pfarrmatrikeln, die Frage zu entscheiden, ob Greinwald von Greimolt kommt. Wenn manche von den Tutzinger Familien allmählich statt Greimolt zu-erst Greinmold und danach Greinwold geschrieben wurden, so könnte man ja das schließlich als Beweis für eine allmähliche Umwandlung gelten lassen. In anderen Pfarreien ließ sich dieser Eindruck allerdings nicht gewinnen. Nehmen wir Seeshaupt und Tutzing aus, deren Greimolt und Greinwold mit den Weilheimer Greimolts urkundlich noch mehr verglichen werden müssten, dann dürfen wir ohne Übertreibung sagen: In allen anderen Pfarreien tritt von Anfang an der Name Greinwald fertig auf und hat sich bis heute trotz aller Gegenströmungen, ihn durch andere Namen zu ersetzen, behauptet. Das hätte nie der Fall sein können, wenn Greinwald nicht ein uralter Name wäre, ebenbürtig dem der Greimolt.

Es hätte aber nicht viel gefehlt und zwei Entdeckungen, die teils der bekannte Forscher Pfarrer Rückert, teils der Verfasser gemacht haben, hätten den eben ausgesprochenen Satz als Irrtum erwiesen. H.H. Pfarrer Rückert fand nämlich in den Literalien des Klosters Polling (Fasc.177) die Heiratsabrede des Hans Greimoldt von Oderding mit Katharina Panholzerin vom 7.Januar 1609. Daraus ergibt sich, dass dieser Hans der Sohn des Kaspar Greimoldt von Oderding war und auf dessen Gut einheiratete. Der Vater behielt sich, seiner Gattin und seinen fünf anderen Kindern (Paul und vier ungenannte Schwestern) die Hälfte des Gutes vor. In einem anderen Aktenstück vom 30.Juli 1620 überlässt die Mutter ihrem Sohn Hans auch den anderen Halbteil. In beiden Akten lesen wir Greimoldt und nicht Greinwald.

Diese Entdeckung wurde bestätigt durch ein noch älteres Aktenstück, das uns von der Übernahme des gleichen Gutes seitens des Vaters Kaspar Greimoldt im Jahre 1592 berichtet. Die Pollinger Klosterliteralien (Fasc. 176) erzählen nämlich: „Am 7. April 1592 übernahm Kaspar Greimoldt, der Tochtermann des Linhard „Doschen“ von Oderding nach dessen Tod das Anwesen zum „Doschen“. Weil Linhard ein Leibeigener des Klosters gewesen war, so löste Kaspar Greimoldt um 50 fl. die Leibeigenschaft ab und bekam das Anwesen vom damaligen Probste Kaspar als Freistift. (Über dieses Aktenstück siehe Näheres im II.Teil, I.Kapitel).

An sich könnte man aus diesen beiden Funden darauf schließen, dass Kaspar Greimoldt, der Stammvater der Oderdinger Greinwald, dessen Nachkommen in den Matrikeln nie anders als Greinwoldt geschrieben werden, der Weilheimer Künstlerfamilie der Greimolt entstammte, die auch in Seeshaupt verschiedene Güter des Pollinger Klosters zu Lehen hatte. Die Eingangs dieses Abschnittes (§3) erwähnten Priester mit dem Namen Greinwold, Greinwald und Greinwoldt (Udalricus gestorben 1495 als Pfarrer in Schongau; Franziskus, 1514 Pfarrer in Peissenberg; Johannes, um 1550 Pfarrer in Weilheim, gestorben als dritter Pfarrer von Unterhausen und Georg, 1642 Pfarrer in Holzheim, dürften wohl auch zu diesem Geschlecht gehört haben. Sie zeigen, dass die gebildeten Greimolts sich auch schon früher des Namens Greinwald bedienten. Ob nun diese die erste und richtige Schreibweise hatten oder die vielen Pfarrmatrikeln, die am Namen Greimolt festhielten, ist eine schwer zu beantwortende Frage. In etwas wird sie aber geklärt durch das oben er-wähnte Aktenstück von 1592: Übernahme des „Dosch“-Anwesens in Oderding durch die Greinwald-Familie. Derselbe Kaspar, der hier in den ersten Zeilen als Greimolt einge-führt ist, wird zwei Zeilen weiter unten deutlich Greinwoldt geschrieben. Wir sehen dar-aus, dass um jene Zeit beide Namen ineinander flossen und füreinander gebraucht wurden. Der Fall ähnelt jenem vom Greinwald-Hof im Passeyertal, auf dem ja auch schon 1418 ein Johannes Greimolt saß. Gerade dieser Umstand zeigt uns, dass die Abstammung der Oderdinger Greinwald von den Greimolt´s (in Weilheim oder Seeshaupt) sich recht wohl mit der Herkunft aus Tirol vereinbaren lässt, die von drei Seiten als gesichert er-scheint. Nur müsste ihr Zeitpunkt etwas höher hinauf gerückt werden.

Schließlich sei noch, als zu wichtig für unsere Geschichte und für das Verhältnis von Greinwald  und Greimolt auf folgende Tatsachen hingewiesen: Auch einige der ersten Besitzer des Greinwald-Gutes in der Pfarrei Abtenau (im Salzkammergut) tragen in den Matrikelbüchern den Namen Greimolt (siehe im III.Teil dieses Buches). Allerdings weisen die schlechte Schrift und verschiedene andere Umstände darauf hin, dass Genauigkeit nicht die stärkste Seite des damaligen Matrikelschreibers war. Sobald nämlich eine bessere Schrift und. größere Sorgfalt einsetzten, ist der Name deutlich mit Greinwald wiedergegeben. Auch in die anderen österreichischen Pfarreien, wohin die Greinwald von dem Greinwald-Gute heirateten, haben sie den Namen Greinwald mitgenommen. Sie schrieben sich also ganz sicher Greinwald. Wenn der Abtenauer Matrikelschreiber den Namen Greimold gebrauchte, so lässt sich dies allein schon durch einen Hörfehler erklären.

Das gleiche gilt vom Stammvater der Raistinger Greinwald-Familie in Haunshofen (II.Teil., IV.Kapitel). So regelmäßig auch dieser Thomas Greinwald in den Haunshofener Matrikelbücher mit dem richtiger Namen eingetragen ist, einigemale fand doch der Name Greimolt in die Matrikeln hinein. Das wichtigste Aktenstück dieser Zeit aber, eine Hof-Lehen und Söldebeschreibung aus den Jahren 1665 und 1669, welche in drei verschiedenen Exemplaren (in dreierlei Handschrift) im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu München sich befindet, nennt den Besitzer einer zu dem Heilig-Geist-Spital in Weilheim gehöriger freistiftlichen Sölde ganz deutlich Thoman Greinwold. Er ist mit dem eben genannten identisch. Da dieses Aktenstück für jene Zeit das einzig maßgebende ist, so scheint die Annahme gesichert, dass die Matrikelschreiber den ihnen bekannten Namen Greimolt zum Schaden des ihnen weniger geläufigen Greinwald begünstigt haben. Hätte es in jenem Jahrhundert und vorher noch keine Greinwald gegeben, könnte man nicht verstehen, wie diese Hofbeschreibung und namentlich auch die amtlichen Seegensregister von dem Namen Grein-wald Kenntnis haben und ihn so deutlich wiedergeben konnten. Wenn z.B. das Starnberger Seegensregister für 1527 in Zeismering (bei Tutzing) einen Jörg Greinwold und einen Thoman Greinwold vermerkt, in Tutzing aber einen Hoffischer Hans Greinwold zugleich mit einem Klaus Greimolt (dieses mal deutlich Greimolt geschrieben), so spricht das schon sehr dafür, dass man um des alten Namens Greimolt willen in den Pfarrmatrikeln den unbekannten Namen Greinwold zu unterdrücken suchte. Das wirft auch einiges Licht in die fernere Vergangenheit des Namen und lässt uns vermuten, dass weder Greimolt  noch Greinwold der ursprüngliche Name war, sondern dass beide aus einem noch älterer Namen herzuleiten sind. Als solcher könnte nur der Name Grimoald in Frage kommen.

§ 4 Greinwald und Grimoald

(Anmerkungen siehe am Schlusse des I.Teiles)

Weil es sich bei dem Namen Greinwald um einen uralten Familiennamen handelt, der schon bei Beginn der Matrikelbücher (um 1600) eine bleibende ,Form angenommen hatte, so ziehen wir am besten sprachwissenschaftliche Werke zu Rate, um zu erfahren, wie dieser Name entstanden ist.

Die verschiedenen altdeutschen und mittelhochdeutschen Wörterbücher wussten nicht viel Neues zu bieten. Leser z.B. „Mittelhochdeutsches Handwörterbuch“ (1.Band), Hermann Fischer „Schwäbisches Wörterbuch“ (3.Band), Schneller und Schade, gaben die allbekannten Erklärungen über „greinen“ und „grinen“.

Am brauchbarsten ist für unsere Frage das, was sich in Förstermann´s „Althochdeutsches Personennamenbuch“ findet. Dieser führt folgende Namen auf: Grimuald – Grimold – Grimowald“ (Monumenta Germanias Leges Grimuald IV.). Wir brauchen hier bloß einen  ganz kleinen Schritt weiter zugehen und wir sind bei Grimwold,  Greimwoldt und Greinwolt. Es wäre also nicht gewagt zu behaupten: Greinwald kommt vom Personennamen Grimoald her. Tatsächlich gewähren uns alte Urkunden einen Einblick in die allmähliche Umbildung dieses Personennamens Grimoald in den Geschlechtsnamen Greinwald.

Wie in der Seeshaupter Chronik von Mathias Graf (Donauwörth 1892, S.17) berichtet wird, „schlichteten am Freitag nach dem heiligen Auferstehungsfest Christi 1528 Johannes Propst zu Polling, und Simon Stettner, Richter zu Weilheim, in Seeshaupt einen Streit, der zwischen Johannes V. – dem Dutzinger – Propst zu Bernried und seinem Konvente einerseits und St. Michael Gotteshaus zu Seeshaupt und dessen Kirchenpröbsten Paulus und Hans Grimwold andererseits wegen des Gottesdienstes und Messehaltens ausgebrochen war.

Auch in Tutzing vermögen wir bei manchen Greinwald noch den Vorgang dieser allmählichen Umwandlung des Namens zu beobachten. So nennen uns die Trauungsmatrikeln von Tutzing: am 4.10.1634 eine Marg. Greinmoldin; am 11.1.1637 einen Johannes Greinmold, „Lochmann“ in Dutzingen; am 16.3.1637 einen Mathias Greinmold, „Saler“ von Dutzingen; am 11.1.1638 einen Mathias Greinmold aus Seeshaupten; als Hochzeitszeuge ist genannt: Kaspar Greinmold. Ähnliche Beispiele finden wir im ältesten Tutzinger Totenbuch vermerkt. Es zählt auf: am 12.1.1583 Warbara Greinmolderin in Dutzing; am 16.1.1634 Johannes Greinmold von Dutzing, welcher plötzlich starb; im gleichen Jahre noch Kaspar Greinmold, 71 Jahre alt; Jüngling Blasius greinmold von Dutzing; Warbara greinmoldin, Söldnerin von Dutzing, 46 Jahre alt und endlich die Jungfrau Anna Greinmoldin von Dutzing.

Daraus ist ersichtlich, daß sich der Geschlechtsname Greinwald leicht aus dem Personennamen Grimuald herausgebildet haben kann; denn der Name Grimoald war infolge seiner Verbreitung längst zum Volksgut geworden. Finden wir doch diesen letzteren Namen bei den ältesten fränkischen Adelsgeschlechtern ebenso gut wie in Bayern und bei den Longobarden vor. Bei den innigen Beziehungen, welche die bayerischen Herzöge mit den fränkischen und longobardischen Fürsten verbanden, darf es uns nicht wundern, wenn dieser echt deutsche Name überall sich vertreten findet. Drei Fürsten dieses Namens lebten fast gleichzeitig in diesen drei so verschiedenen Ländern: Grimoald, Herzog von Bayern in Freising, gest. 728. Es ist der gleiche, welcher den heiligen Korbinian nach Bayern rief. Grimoald, Herzog von Benivent 662 – 671 König der Longobarden, und Grimoald, Sohn Pipin des Älteren, 642 – 656 Hausmeier des schwachen fränkischen Königs, an dessen Stelle er das Land regierte. Er wurde von dem Friesen Radbod am Altare betend getötet. Etwas später, um die Zeit Karls des Grossen, lebte in der Benediktinerabtei Reichenau im Bodensee ein Gelehrter dieses Namens. Er wurde später Abt des Klosters St. Gallen und war Kanzler Ludwigs des Deutschen. Der Mönch Grimold stiftete bei seinem Eintritte in das Kloster Fürstenfeld bei Bruck im Jahre 1308 eine stattliche Anzahl höchst wertvoller Bücher ( „Die Rast“ 1934 Nr.8.) Aus all dem darf man schließen, dass der Personenname Grimoald damals eine weite Verbreitung hatte.

Dazu kommt, dass heute noch eine Tiroler Ortschaft an diesen alten Namen erinnert, dem er wohl auch seine Entstehung dankt. Es ist die Ortschaft Greimwald. Die Zeitschrift des Österreichschen Alpenvereins vom Jahre 1897 enthält auf Seite 81 eine Abhandlung über die Ortsnamen der östlichen Alpenländer, verfasst von Otto Redlich. Hier heißt es wörtlich: „Ein zweiter Kernpunkt altbayerischer Besiedelung ist das schöne weite Talbecken von Bruneck. Zwar haben wir da nur zwei Namen auf „ing“, Ising und Reiperting; aber ihr Alter wird verbürgt durch die ehrwürdigen anderen Namen der Gegend wie Dietenheim, Uttenheim, Geiselberg und Getzenberg, Greimwald und Tesselberg, deren letzterer uns unmittelbar an die Zeiten des Bayerischen Tassilo erinnert. Ist es nun unberechtigt, deshalb an-zunehmen, dass dieses Greimwald von Grimoald herkommt, nachdem darüber doch kein Zweifel bestehen dürfte, dass Tesselberg den Namen des Bayernherzogs Tassilo zur Voraussetzung hat? Die bayerischen Herzöge, also auch Herzog Grimoald (gest.728), hatten ja im Tiroler Land ausgedehnte Besitzungen.

Wie wir aus dem vorausgehenden I.Kapitel über die Heimat der Greinwald ersehen, befinden sich in Tirol, und zwar östlich und westlich des eben genannten Greimwald, auch zwei uralte Greinwald-Höfe, die seit urvordenklichen Zeiten so hießen. Der erstere Hof liegt in der Nähe von Hall, in der Gemeinde Fritzens, der letztere in der Pfarrei St. Martin im Passeyertal. Auch ihr Name lässt sich am leichtesten erklären, wenn wir in ihnen Höfe vermuten, welche einem Grimoald gehörten.

„Hof des Grimoald“ oder „Grimoald-Hof“ dürfte jedenfalls, wie die Anmerkung 4, über die Tiroler Hofnamen im I.Kapitel zeigte, die beste Erklärung für Existenz und Namen jener Höfe sein.

Es gibt jedoch Sprachforscher, welche auch im Namen Grimoald noch nicht die erste und älteste Form sehen, sondern in ihm einen Namen erblicken, der aus einem noch älteren Worte abgeleitet ist. Im „Deutschen Namenbüchlein“ von Ferdinand Khull (erschienen 1891 im Verlag des allgemeinen deutschen Sprachvereins in Braunschweig) ist zum Bei-spiel (auf Seite 42) zu lesen: „Grimwald“ grima = Helm, Maske, walt = gewalt, Macht, Zeitwort: walten; im romanisierten Namen erscheint „uald“ zum Beispiel in Romuald, und „oald“ zum Beispiel bei den italienischen Longobarden; in späteren Zeiten wird „wald“ zu  „ald“ und „old“ verkürzt und dann mitunter zu „hold“ umgedeutet (z.B. Reinald von Dassel und Reinhold). Der Stamm des Wortes hängt mit valere zusammen. Grimwald ist also gleich Helmwalt. Andere Formen sind Grimoald, Grimald und Grimold.

Auch nach dieser Erklärung könnte Greinwald von Grimoald kommen, nur dass in diesem Fall der Personenname Grimoald ebenso wie der Geschlechtername Grimold, welcher mit Greimolt und Greymolt identisch ist, von einem noch älteren deutschen Worte Grimwalt (=Helmwalt) sich ableiten würde. Diese Erklärung stört aber unsere in diesem Abschnitte ausgesprochene Vermutung vorn Entstehen des Namens Greinwald aus Grimoald,  „Greinwald-Hof“ aus  „Hof des Grimoald“ so wenige dass sie unsere Annahme sogar noch zu stützen vermag. Da nämlich nach dem „Deutschen Namenbüchlein“ von Khull – Grimolt (=Greimolt) und Grimoald nur zwei verschiedene Ableitungen des alt-deutschen Wortes Grimwalt sind, so wird unsere Vermutung zur Gewissheit mit der schon erwähnten Tatsache, dass im Jahre 1418 auf dem Greinwald-Hof in der Pfarrei St. Martin im Passeyer ein Johannes Greimolt saß. Ob nun Greinwald auf dem Wege der allmählichen Umwandlung von Grimoald (Grimowalt. Grimwalt, Greimwalt und Greinwolt) kommt oder von Greimolt (Greinmolt, Greinwold), in welch‘ letzteren Namen wir ja auch nur eine abgeleitete Form von Grimoald erkennen, bleibt für unsere Zwecke von gleicher Bedeutung. In welch‘ enger Beziehung Greinwald und Greimolt stehen, hat übrigens der vorige Abschnitt hinreichend gezeigt.

Auch der als Namensforscher bekannte Münchener Oberlehrer Remigius Vollmann pflichtete der Anschauung des Verfassers bei, dass Greinwald ebenso wie Greimolt aus Grimoald entstanden ist, und fügt seiner mündlichen Erklärung nachträglich noch folgende schriftliche Mitteilung hinzu: „Der althochdeutsche Personenname Grimo(w)alt besteht aus zwei Wortstämmen „Grima“ =Helm, auch Maske (nur im Angelsächsischen und Altnordischen bezeugt, im deutschen Sprachzweige untergegangen) und „wallt“ (wald), ist also gleichbedeutend mit „Helmold“. Förstemann führt in seinem „Althochdeutschen Personennamenbuch“ (I. 669 ) den Namen „Grimowald“ zuerst 815 urkundlich belegt an, 865 „Grimolt„.  Spätere Formen sind: Grimelt, Greimelt, Gremelt, in Ortsnamen zweimal: Grimoltshofen und Grimeltshofen. Vielleicht sind auch Grimoltsried und Grimolzhausen auf eine solche Entstehung zurückzuführen

Ganz überraschend und nicht wenig geeignet, das oben ausgeführte zu erhärten, ist der Aufsatz „Deutsche Familiennamen in Frankreich“ von dem deutschen Gelehrten Dr. Ling Paris („Der Sammler“ 1933, Nr.133 Seite 2). Dort lesen wir: „Fast alle französischen Familiennamen, die mit „art“ und „aud“ enden, gehen auf germanischen Ursprung zurück; denn die erste Silbe „art“ ist nichts anderes als das germanische „hardo“, also „stark“, und die zweite „aud“ nichts anderes als das germanische „waldo“, das heißt „mächtig“. Vermutlich steckt das Wort „Wald“ darin. Das germanische „waldo“ hat den Grund zu zahlreichen Namensbildungen gelegt, deren moderne Form sehr französisch anmutet, in Wahrheit aber der deutschen Sprache angehört. „Bèraud“ z.B. trifft man sehr häufig als Familiennamen an. Aber aus diesem Namen spricht die ganze wilde und starke Frühzeit; denn er bedeutet „Bèrwaldo“, also denjenigen, der den Bären bezwungen hat. „Grimaud“ ist die moderne Schreibart des alten „Grimwaldo“, der die Grimme (=Helm) beherrscht.

Das alles spricht so zwingend für die Herkunft des Geschlechtsnamens Greinwald aus dem uralten Rufnamen Grimoald, dass sich weitere Beweise erübrigen. Wenn aber Grimoald nur die Zusammensetzung zweier altdeutscher Wörter „grima“ und „walt“  ist und „Helmgewaltig“ bedeutet, so ist Greinwald ein echt deutscher Name.

§ 5 Derzeitiges Forschungs-Ergebnis.

Soll nun das in den letzten Abschnitten Besprochene in einem Endurteil zusammengefasst werden, so dürfte dasselbe etwa folgendermaßen lauten:
Der Name Greinwald erscheint vom Jahre 1600 an in den verschiedenen Ortschaften des bayerischen Oberlandes.

Neben ihm und mancherorts urkundlich schon lange vor ihm gab es auch viele Familien mit dem Namen Greimolt. In manchen Orten wie Seeshaupt, Tutzing, fließen die beiden Namen ineinander, werden scheinbar sogar füreinander gebraucht. So gewiss es nach den beiden ersten Abschnitten dieses Kapitels ist, dass Greinwald weder von Grünwald noch von Grienwald kommen kann, weil er beiden Namen zeitlich vorausgeht, so wenig sicher ist die Frage zu entscheiden, ob Greinwald aus dem alten Personennamen Grimoald oder aus dem Namen Greimolt sich herausgebildet hat. Doch scheint das Letztere bei einem Teil der Greinwald-Familien das Wahrscheinlichere zu sein. Es steht ja auf dem Greinwald – Hofe in Tirol im Jahre 1418, wie schon wiederholt erwähnt wurde, ein Johannes Greimolt als Besitzer urkundlich fest. Außerdem werden 1572, 1609 und. 1620 in Urkunden, welche den Oderdinger Pfarrmatrikeln vorausgehen, als Eltern der ersten uns bekannten Greinwald in Oderding Kaspar und Margarethe Greimolt genannt (siehe Heiratsprotokoll Seite 25). Auch kommen fast überall, wo Greinwald-Familien sesshaft sind, Greimolt vor und zwar häufig mit Greinwald abwechselnd oder denselben voraus-gehend.

Greinwald mag jedoch ebenso wie Greimolt aus Grimoald entstanden sein und dieses selbst wieder einen noch älteren  Namen zur Voraussetzung haben, etwa Grimwalt (=Helmwalt). Dadurch würde das frühere Nebeneinander der beiden Namen am besten zu erklären sein.

Für uns ist die Tatsache wichtig, dass sich die meisten der Greinwald – Stämme von An-fang, das heißt von Beginn der Pfarrmatrikeln an, immer Greinwald genannt haben. Als solche erscheinen sie 1575 in Diessen, 1595 in Pähl, 1606 in München,1609 in Oderding, 1628 in Lenggries und Schletsdorf, 1632 in Seeshaupt, 1636 in Holzhausen, 1641 in Haunshofen, 1646 in Uffing (später Bayersoien), 1650 in Polling und Felderfing, in verschiedenen Zweigen um diese Zeit auch in Tutzing usw. Von diesen Orten aus haben sie sich allmählich in der engeren und weiteren Umgebung verbreitet, sodass es bei dem Kinderreichtum dieser Sippe im Oberland und in der Gegend zwischen Isar und dem Westufer des Ammersees bald keine größere Ortschaft mehr gab, wohin die Greinwald nicht den Weg gefunden hätten.

So heiratete ein Peter Greinwald aus Oderding 1679 nach Wielenbach, das dann Abkömmlinge dieser Familie an Aidling, Unterhausen, Peiting und Wildsteig, Etting (bei Polling) Oppenried (bei Seeshaupt), Peissenberg und neuerdings Polling und Oderding weitergab, wo sich überall der Name Greinwald bis heute erhalten hat. Eine andere Linie der Oderdinger Greinwald Ist jene von Weilheim – Schongau, welche, wie die eben genannten Linien, den Leonhard (1613-1694), Enkel des Kasper Greinwald von Oderding (gest. 1610), zum Stammvater hat und ebenfalls bis heute dem Namen Greinwald treu geblieben ist (siehe II.Teil, I.Kapitel B. Spezielles §3). Die zahlreichen Greinwald, die sich von Raisting aus nach Augsburg, Freising und Landsberg verzweigten, haben den im Jahre 1671 in Haunshofen geborenen Gallus Greinwald (Greinwolt), den Sohn des bereits 1646 dort als Vater genannten Thomas Greinwald (Greinwolt), zum Ausgangspunkt, sind aber sicherlich mit den Oderdinger und Wielenbacher Greinwald verwandt (siehe II.Teil, IV.Kapitel). Holzhausener Greinwald finden wir später in München und Wolfratshausen, von wo sie sich nach Beuerberg, Lechfeld, Weilheim, Peissenberg und. dann wiederum München verzweigten. Leider haben all‘ diese seit etwa 1800 den Namen Grünwald an-genommen (siehe II.Teil, XIII., XIV. und XVIII. Kapitel). Die in Breitbrunn seit 1667 genannten Greinwald haben sich möglicherweise von den Haushofener Greinwald abgezweigt und nach Erling, Steinebach, Ginterling, Drössling, Inning und ebenfalls nach München Sprossen entsandt, die sich, wie so viele andere, unter dem Namen Grünwald verloren haben (siehe II.Teil, V.Kapitel). Die Eglinger Greinwald, von deren lediglich der Dünzelbacher Ausläufer dem Namen Grünwald zum Opfer gefallen ist, kamen über Lengenfeld aus Dettenschwang, wo sie 1687 zum ersten Male im Taufbuch genannt werden. Auch diese Greinwald’s können der Haunshofener Greinwald-Familie entstammen (siehe II.Teil, VI. Kapitel).

Besonders interessant ist es, den Nachkommen der verschiedenen Tutzinger Greinwald-Familien nachzuspüren. Nachkommen der Greinwald „beim Saler“ fanden sich als GrünwaId in Aubing und Pöcking, Nachkommen jener „beim Resch“ in Fürstenfeldbruck bei München und in Zwergern am Walchensee – leider ebenfalls als Grünwald. Doch lebt der Name Greinwald „beim Resch“ in Tutzing noch fort und zwar erfreulicherweise auch in der Familie des Altbürgermeisters. Ein Teil der Greinwald „vom Kloiber“ hat sich im letzten Jahrhundert nach Wolfratshausen verirrt und scheint dort unter dem Namen Grünwald ausgestorben zu sein. Zu einem ganzen Volke aber hat sich der Greinwald-Stamm „beim Lochmann“ ausgewachsen. Abgesehen von einer in Benediktbeuren ansässigen Grünwald-Familie und der Grünwald in Pöcking, welche beide über Garatshausen von den Greinwald’s „beim Lochmann“ abzweigten (der Name Grünwald beginnt in der Garatshausener Familie erst mit dem Jahre 1844) und abgesehen von einer in Rosshaupten zu-gewanderten Grünwald-Familie, welche sich seit etwa 1900 Grünwald statt Greinwald schreiben zu müssen glaubte, hat die ganze Familie den althergebrachten Namen Grein-wald sich immer zu bewahren gewusst. Näheres darüber wird uns im II.Teil des X.Kapitel §3 berichten.

Die über Uffing nach Bayersoien verpflanzten Greinwald (siehe II.Teil, VII. Kapitel) tauchen 1646 plötzlich in Uffing auf, ohne dass es bisher gelungen wäre, die älteren Glieder dieser Familie zu entdecken. Auch diese Familie ist dem alten Namen Greinwald treu geblieben bis auf den heutigen Tag. Weil die Iffeldorfer Pfarrbücher bei einem Brande 1699 zu Grunde gegangen sind, ließ sich über den Anfang dieser Greinwald-Familie (siehe II.Teil, XV. Kapitel) leider nicht mehr viel finden. Glieder dieser Familie wurden von dem Verfasser in München als Grünwald aufgefunden. Auch der Anfang der Greinwald in Seeshaupt hüllt sich noch in ein Dunkel, das mit den Aufzeichnungen in den Pfarrmatrikeln allein nicht zu durchdringen ist und vielleicht erst durch den gelegentlichen Fund von Archivalien durchlichtet werden kann. Doch wurden jetzt schon zwei Grünwald-Familien in Benediktbeuren sowie in Nürnberg als Ausläufer der Greinwald’s von Seeshaupt erkannt und bürgen dafür, dass sowohl die uralten Greimolt’s als auch die Greinwald’s aus Seeshaupt noch keineswegs ausgestorben sind, sondern sich bis in unsere Tage herein weiter fortgepflanzt haben (siehe II.Teil, IX.Kapitel). Auch das XVIII. Kapitel über München (im II.Teil) liefert uns weiter zahlreiche Beweise dafür, dass die Familie Greinwald uralt und von Anfang an ihrem Namen treu geblieben ist, gibt aber durch wiederholte, wenn auch seltene Greimolt’s die Möglichkeit zu, dass der Name Greinwald aus demjenigen von Greimolt entstanden sein kann.

Es war allerdings nicht möglich, alle die eben genannten Greinwald-Familien in einem Stamm zu vereinigen, weil bei den meisten zu viele Anfangsglieder fehlen, als dass man den Ausgang einer Familie von der anderen einwandfrei hätte nachweisen können. Da aber bei dem vorliegenden Werke nach dem einheitlichen Grundsatze vorgegangen wer-den soll, dass die Familien mit dem gleichen Namen Greinwald nicht eher als miteinander verwandt bezeichnet werden, bis ihre Abstammung von einander aktenmässig nachgewiesen ist, so werden im II.Teile dieses Buches die verschiedenen Greinwald – Stämme nebeneinander behandelt. Vielleicht kann ein späterer Forscher die Frage klären, ob und wie diese Stämme, deren Ausgangspunkt im Umkreis von nur wenigen Stunden liegt, zusammen gehören.

Desgleichen kann auch über die Entstehung des Namens Greinwald noch kein abschießendes Urteil gefällt werden. Trotzdem bleibt es im großen Ganzen bei der Tatsache, dass der Name Greinwald von Anfang an fertig auftritt. Wo sich aber Schwankungen oder allmähliche Umbildungen ergeben handelt es sich immer nur um den einen Namen Greimolt. Es liegt deshalb schon aus diesem Grunde die Annahme nahe, dass Greinwald aus dem Namen Greimolt entstand. Wie sich jedoch Greinwald aus dem damals so häufigen Greimolt herausbilden konnte, ist eine Frage für sich, welche noch nicht zu beantworten war. Uns genügt der Umstand, dass sich Greinwald überall dort, wo es nicht fertig auftritt aus dem Namen Greimolt entwickelt hat. So war es in Seeshaupt, dessen frühe und zahl-reiche Greimolt ganz plötzlich verschwinden, um den Greinwald Platz zu machen. Zwischenhinein kam freilich der eine oder andere Greinwald, Greimold oder Grimwold vor (siehe II.Teil, IX.Kapitel). Bei den vielen Greinwald-Familien in Tutzing war es sogar die Regel, sich vorher Greimolt zu schreiben. Dies wird im X.Kapitel des II.Teiles ausgiebiger besprochen. Sonderbarerweise kann selbst in dem fernen Abtenau – einer Pfarrei im Salzkammergut – das gleiche beobachtet werden. Verschiedene der dortigen Greinwald  wurden noch um 1645 Greimolt geschrieben. Doch werden Angehörige der nämlichen Familie gleichzeitig wieder mit dem Namen Greinwald bedacht. Dabei ist es nicht zu übersehen, dass die schöne Handschrift, welche jedenfalls von einem gewissenhaften Schreiber herrührt, immer Greinwald schreibt, während die schlechtere Handschrift den Namen Greimolt überliefert.

Nach all‘ dem dürfte es nicht mehr gewagt erscheinen, viele Greinwald von Greimolt her-zuleiten. Würden nicht manche Pfarrmatrikeln so spät beginnen oder ganz zu Verlust gegangen sein, so wäre es vielleicht noch möglich die allmählichen Übergänge von dem einen Namen zum anderen zu verfolgen. Aber auch das würde in vielen Fällen nicht genügen, nachdem die Anfänge mancher Greinwald – Stämme schon in die Zeit hinaufreichen, welche den Matrikelbüchern weit vorausgeht, in welcher es also noch keine solchen gab. Für Forschungen dieser Art stehen uns dann allerdings nur mehr die seltenen und zerstreuen Archivalien zu Gebote. Je eingehender man jedoch diese zu Rate zieht, desto mehr kommt man zu der Überzeugung, welche der bekannte Forscher Pfarrer Rückert von Polling in einem Briefe an den Verfasser ausgesprochen hat: „Ich vermute nämlich sehr stark, dass dieser Kaspar Greimolt (welcher 1592 das Pollinger Gütl „beim Dosch“ in Oderding übernahm), aus Weilheim stammt und ein Abkömmling der Künstlerfamilie der dortigen Greimolt ist“. „Warum auch nicht? So gut Angehörige dieser gleichen Weilheimer Künstlerfamilie von etwa 1520-1540 den Zehent des Pollinger Klosters in Weilheim gepachtet hatten, so gut ihnen seit 1532 ein dem nämlichen Kloster gehöriges Bauerngut in Seeshaupt „verleibt“ war, ebenso gut kann auch das dem erwähnten Kloster gehörige Anwesen in Oderding auf diesem Wege an Angehörige der genannten Familie gelangt sein. Nachdem aber die Weilheimer  Greimolt’s mit der uralten Handelsfirma der Münchener Greimolt´s in Zusammenhang stehen und Angehörige dieser Münchner Familie zuerst als Siegelzeugen und später, etwa von 1410 ab, als Pfleger des von dem Münchener Patrizier Püttrich 1358 gestifteten Spitals in Weilheim auftreten, so mögen die Greimolt’s von München oder Weilheim sich auch noch auf anderen Gütern ansässig gemacht haben, die nicht ihnen selbst sondern Klöstern, Kirchen oder anderen Besitzern als Eigentum gehörten. Bei den Haunshofener Greinwald (Raistinger), die mit den Oderdinger Greinwald’s  verwandt sind, war es ja ähnlich. Der erste uns bekannte Haunshofener Greinwald, Thomas, saß 1640 bis 1691 auch auf einer Freistiftsölde in Haunshofen, welche dem Weilheimer Heiliggeist-Spital zu eigen war.

Zwar ist es zur Zeit ausgeschlossen für die anderen Greinwald-Familien ähnliche Belege zu erbringen; doch soll diese Arbeit einem nachherigen Forscher dadurch erleichtert wer-den, dass hier alles festgehalten wird, was sich bisher über die Anfänge dieser Greimolt und Greinwald-Familien an altem Material beibringen liess. Möge es einem späteren Nacharbeiter gelingen für den einen oder anderen dieser Stämme die erforderlicher Unter-lagen aufzufinden auf Grund derer ein Aufpfropfen all‘ dieser Äste, Zweige und Reiser auf den gemeinsamen Stamm der Greimolt’s vorgenommen werden könnte.

Bis dorthin wird man sich wohl mit den in diesem Abschnitt zusammengefassten Forschungsergebnissen des Verfassers begnügen müssen. Sie verriegeln ihm und anderen vorerst jedes weitere Vordringen in die fernere Vergangenheit bis neue Funde eine Weiterarbeit gestatten.

III. K a p i t e l

Wappen der Familie

(Vergleiche die Wappenbilder)

Weil sich eine Familiengeschichte ohne Familienwappen nicht leicht denken lässt, so sei hier niedergelegt, was der Verfasser über die Wappen der Greinwald-Sippe finden konnte. Vorausgeschickt sei, was in dem vorzüglichen Werke „Deutsche Gaue“  (Bd. VI, S. 76), herausgegeben von Kurat Chr. Frank in Kaufbeuren, über Wappen überhaupt zu lesen ist:

Obwohl wir eine große Sammlung von bürgerlichen Wappen (ca. 10 000) besitzen, so ist es doch oft unmöglich, einem Wappenbesteller „sein“ Wappen, wie er meint, das heißt jenes, das etwa seine Vorfahren geführt haben, zu finden: denn in sehr vielen Fällen haben diese Vorfahren eben kein Wappen gehabt und wenn, dann lässt sich der Zusammenhang der wappenführenden Generation, die etwa im 16.Jahrhundert gelebt hat, mit der jetzigen Familie des Bestellers, – also der Stammbaum – in den wenigsten Fällen nachweisen. Es ist darum vielfach nur aufgelegter Schwindel, wenn Wappenmaler behaupten: „Das  von mir gezeichnete oder gemalte Wappen ist ihr spezielles altes Wappen.“

„Dagegen befürworten wir doch allen Ernstes dringend die Annahme eines entsprechen-den Wappens. Ganz mit Unrecht glaubt man gewöhnlich, solches sei gesetzlich verboten. Im Gegenteil: Zu Zeiten Ludwigs I. von Bayern wurde die Wahl des Wappens Bürgern, welche mit Gemeindeämtern betreut waren, geradezu empfohlen. Auch wir empfehlen es; denn ein eigenes Familienwappen stärkt das Familienbewusstsein, hält das Gefühl .der Zusammengehörigkeit straff und weckt das Pflichtgefühl, die Familie und das Familienzeichen von jedem Makel fern zu halten. In der Familie einer für alle und alle für einen, wenn dieser das Wappenschild des Hauses blank erhält. Will man aber ein Wappen führen, so soll es „heraldisch“ richtig sein.“

§1 Drei GRUENWALD-Wappen.

Es ist möglich, dass die Greinwald überhaupt oder der eine oder andere Greinwald-Stamm einmal ein Wappen geführt haben. Die drei Wappen aber, welche der Verfasser zunächst gefunden hat sind sämtliche keine Greinwald-Wappen, sondern Wappen, welche höchstens für eine Familie Grünwald verwendet werden könnten.

1. Wohl spricht die Geschichte des ersten dieser drei Wappen dafür, dass die Oderdinger Greinwald’s und ihre Abzweigungen in Wielenbach und Unterhausen einmal ein Wappen besessen haben. Denn der mit der Oderdinger Greinwald-Familie sicher verwandte Vater des Verfassers erzählt in einem selbst geschriebenem Werkchen über seine Jugend- und Wanderjahre, das er im Jahre 1852 eines Abends ganz müde nach Graz gekommen und dort von einem Verwandten in aller Liebe aufgenommen und versorgt worden sei. Dieser Verwandte war kein anderer, als der im Jahre 1779 in Unterhausen bei Weilheim geborene Jakob Greinwald, welcher sich als Gärtner in Graz niedergelassen hatte. Seine Familie ist ausgestorben; denn die Verwandten zu Unterhausen wurden vor Jahren ersucht, das Anwesen in Graz zu übernehmen. Da niemand Lust dazu hatte, so unterblieb die Ausführung des Planes. Bei diesem Vetter sah Ferdinand Greinwald nach seinem eigenen Berichte jenes Greinwald-Wappen, das er später von einem Augsburger Wappenmaler nach-bilden ließ. Was dieser jedoch gemalt hat, hatte mit einem Greinwald-Wappen nichts gemein: dass das auf einem grünen Waldesgrunde stehende Silberhaus, aus dessen Giebel einige Tannenzweige heraus wachsen, war nichts anderes, als ein Grünwald-Wappen. Offenbar hatte der Maler die Angaben des Vaters nicht recht verstanden oder vergessen. Vater Greinwald war darum mit dem Wappen nichts weniger als zufrieden und sagte ein-mal zum Verfasser dieser Familiengeschichte, als derselbe in seinen Studienjahren aufmerksam das Wappen betrachtete: „Das soll unser Wappen sein, ist es aber nicht“ (siehe Wappenbild Ia).

2. Ein anderes, aber schöneres Wappen, erhielt der Verfasser von der hochbetagten Enkelin des ehemaligen bürgerlichen Melbers Georg Grünwald in München, Rosina GrünwaId (siehe Wappenbild IIa). Es ist ein regelrechtes Grünwald-Wappen samt beigegebener Erklärung. Diese lautet: „Familienwappen der Grünwald. Johann Jacob Grünwald, Goldarbeiter in Strassburg 1690. Wappen von Silber und Rot geteilt. Oben drei grüne Zweige. Kleinod: Ein grüner Zweig zwischen einem offenen, von Silber und Rot geteilten Fluge“. Zu finden in Siebmachers Wappenbuch; hergestellt von T. v. Hefner, Bd. V, I.Teil, Blatt 27.

Da aber auch dieses Wappen nicht Eigenwappen der Familie in München ist, sondern erst vor einigen Jahrzehnten im Auftrage derselben gemalt wurde, so kann man aus dem Vorhandensein dieses Grünwald-Wappens bei der in München begüterten Familie noch lange nicht darauf schließen, dass wir es hier mit einem echten Familienwappen dieser GrünwaId zu tun haben. Es lässt sich ja nicht nachweisen, dass der erste Besitzer des Wappens von 1690, Johann Jakob Grünwald, gestorben 1690 in Strassburg, mit der Münchener Familie verwandtschaftlich in Zusammenhang steht. Ob er überhaupt Grünwald geheißen hat? Sein Name Grünwald kann ja auch durch Metamorphose (allmähliche Umwandlung) entstanden sein. Wenn nicht alles trügt, so ist jener Wolf Grienwald, von dem uns Sebald Bühler in seinem „Wappenbuch der heiligen römischen reichsfreien Stadt Strassburg 1689″ ein Wappen mit der Jahreszahl 1612 überliefert, der Großvater des Goldschmiedes Johann Jakob Grünwald gewesen. (siehe Wappenbild IIb). Beide Wappen sind ja gleich bis auf folgenden kleinen Unterschied: das Wappen des Wolf Grienwald hat drei Tannen, jenes von Johann Jakob Grünwald drei grüne Zweige.

3. Als letztes Grünwald-Wappen sei noch jenes erwähnt, das sich in unvollendeter Form, etwa so, als ob es einstweilen nur nach Angaben roh entworfen worden wäre, bei den aus Polling stammenden München-Haushamer-Greinwald vorfand. (siehe Wappenbild IIIa). Der Verfasser hielt es mit Anderen, denen er es zeigte, für ein reines Phantasiewappen, bis er eines Tages (17. Januar 1934) in München einen Blick in die Wappensammlung des Herrn Baurates Eduard Zimmermann aus Augsburg tun durfte. Dieselbe besteht aus einer Kartothek, die – ohne Übertreibung –  gut eine Million Wappen umfasst. Da zeigte es sich, dass dieses dritte Grünwald-Wappen – im oberen Felde zwei gekreuzte Hellebarden mit Siegeskranz, im unteren drei Bäume mit einem Mann –  nichts anderes war, als das Wappen der Klinkebell von Grünenwald; aus: Rietstap-Rolland, einem belgischen Wappenbuch (Armorial gènèral). Es ist das gleiche Wappen wie jenes der ihnen verwandten dalmatinischen Adelsfamilie der Grünenwald (auch Grünwald), die anstatt der grünen Bäume drei Tannen im unteren Wappenfelde führt. Doch das ist eine heraldische Nebensächlichkeit, die nicht ins Gewicht fällt.

§2. GREIMOLT – Wappen

(Siehe außer dem Wappenbild auch noch das Titelbild)

Drei aus den Jahren 1592, 1609 und 1620 stammende Aktenstücke am Anfange unseres Werkes (siehe § 1 Heimat) ließen erkennen, dass die von 1609 an wiederholt in den Oderdinger Taufbüchern genannten Greinwald vorher vielfach Greimolt geschrieben wurden. Es sind dieselben Greinwald, von welchen später auch die Wielenbacher, Unterhausener, Grazer, Raistinger und eine große Anzahl anderer Greinwald-Familien sich abgezweigt haben. Gelänge es nun, was mit der Zeit sicher noch der Fell sein wird, nachzuweisen, dass die Greinwald wirklich sich vorher Greimolt geschrieben haben, oder zu einem noch früherem Zeitpunkte, als sich der Name Greimolt bildete, mit deren Ahnen in Zusammenhang standen (die Greimolt- und Greinwald-Familien in Seeshaupt und Tutzing bieten jetzt schon hiefür ziemliche Sicherheit), so dürfte es uns nicht wundern, wenn die Grein-wald als die Nachkommen der Greimolt auch das Wappen derselben beibehalten hätten. Dass sie dieses wirklich führten, darüber bestehen keine Zweifel mehr.

Das Wappen der Greimolt aber ist uralt. Schon im 14. Jahrhundert waren die Münchener Greimolt, von denen die Weilheimer Greimolt abstammen, siegelberechtigt. Namentlich kamen die Greimolt oder Greymold von Weilheim als Ratsherren und Bürgermeister der Stadt wiederholt in die Lage, Urkunden zu siegeln, wodurch ihr Wappen urkundlich gesichert ist.

Ein paar Aufsätze, welche der Verfasser in dem „Wochenblatt des Landgerichts Weilheim“ (1844 Nr.34 und f.) gefunden hat, geben uns über die Greimolt als Siegler Aufschluss. Die Abhandlung führt den Titel: „Weilheim‘s Siegelbare“ und behandelt in besonders ausführlicher Weise unsere Greimolt´s.

Ein Brief von 1380 (Monumenta boica X.150) ist gesiegelt mit dem Insiegel des „ersamen weysen Jörgen Greimoltz Purgers zu Weilham“. Im Stammbuch bayerischer Adelsgeschlechter des Wiguleus Hund mit Lieb’s Zusätzen im dritten Teil stehen auch die Greimoldt. Da heißt es unter anderem: „1492 Kaspar Greymold Bürger zu Weilheim, Barbara seine Hausfrau. 1524 Pfleger und Richter zu Murnau. 1575 Conrad und Sigmund die Greymold, so eine stattliche Freundschaft zu Weilheim haben.. ……1559 Johannes Greymold zu Weilheim.“ Vielleicht war dieses Geschlecht der Greymolt ein Zweig des gleichnamigen in Augsburg. (:Dass die Weilheimer Greimolt mit den Münchnern zusammen hängen, darüber kann kaum ein Zweifel bestehen, weil das Münchener Patriziergeschlecht der Püttricher sich der Greimolt zur Verwaltung ihres um 1358 in Weilheim gegründeten Spitals bedienten. Anm. d. Verf.) – In v. Stetten´s Werke über Augsburgs adelige Geschlechter heißt es Seite 62: „Es gibt noch andere (Geschlechter), bei denen von Geschichtsschreibern bloß die Namen genannt werden. Hierher gehören die Greimolt etc., welche sich sogar anfangs zu den Geschlechtern gehalten und erst nachgehends unter die Zünfte begeben haben sollen“.

Das Greimolt-Siegel zeigt ein Pförtchen (Mon. boic. X). Dasselbe findet sich auch im Stadtarchiv Weilheim’s unversehrt in einem Briefe von 1473 des Konrad Weisskirchner, Bürgers zu Weilheim, worin er eine. Stiftung zum Gotteshaus auf dem Betberg (jetzt Gottesacker) bei Weilheim macht. Der Brief schießt mit den Worten: „Zu Urkundt gib ich dem benanten lieben Gotzhauss den Brief versiegelten mit des Ersamen weysen Jörgen Greimoltz aygen Insiegel. Zeugen.. ..Jörg Goffner unn hans vorwalff paid Purger ze weylh. An sand Matheuss tag 1473.“ Desselben Jörg Greymolt Siegel sieht man auch an Jörg Hutters Zinsbrief zu des Heiligen Geistes Spital in Weilheim von 1474 Sonntag Judica. Wieder siegelte er 1481 an S. Clementis P.Tag einen Brief des Cristel Schlosser, Bürgers zu Weilheim, welcher „dem würdigen Gotzhaus unn pfarrkirchen zu Hawsen…..“ etwas zu kaufen gab. Des Siegel Zeugen waren die ehrbaren Harns Rüd und Martin Frey, beide Bürger zu Weylh. Caspar greymolt siegelt anno 1495. Auch im Zinsbrief der Witwe Anna Schmid von 1501 sieht man noch das Siegel des „fürnem weissen Kasparn greimoltz“ unversehrt. In einem landschaftlichen Creditiv vom 15. Februar 1505 ist er Mitsiegler. Den Brief der Anne Hungerl, des Paul Hungerl (auch siegelberechtigt) Wittib, über eine Stiftung in der Stadtpfarrkirche von 1537 siegelte Kaspar Greymolt, Gerichtsschreiber in Murnau (er war der Sohn des Murnauer  Pflegers Kaspar Greimolt: Landshuter Kreisarchiv Rep.69, Nr.290 zu Polling), ihr Tochtermann (laut Stadtpfarr-Grund-und-Salbuch von 1655 und 1656). Dieses Salbuch erinnert auch an die frommen Stiftungen Ulrichen Greimolt´s und seiner Hausfrau. Bei Fertigung eines Wechselbriefes zwischen Spital und unserem „lieben Herrn der Kapelle auf dem Betberg“ (1505) waren zugegen: Franziscus Greimold unser pfarrverweser, Jacobus rüd paid In vnnser frawenkirche Capellen (Capelläne), Vricus Rüd erster Capellan der vorgeschriebenen Capell Bettberg, vnd ir paid Kirch pröpst Hanns glaser und Jörg Alber“. So der Bericht des erwähnten „Wochenblatt des Landgerichts Weilheim“.

Nachträglich fanden sich noch: Ca. 1494 Jörg Greimolt zu Tutzing als Siegelzeuge (Weilheimer Gerichtsurkunden Nr. 35 Bayerisches Hauptstaatsarchiv München.) 1515 Sonntag nach Agatha, wo Kaspar Greymolt, Bürgermeister in Weilheim, den Revers des Uli Greymold zu Seeseyten um das Seelein zu Monatshausen siegelt,das ihm Probst Johann von Polling in Leibgedingsweise verliehen hat.(Pollinger Klosterurkunden.)

Außerdem gibt es noch zwei Altertümer, welche uns neben dem Siegel auch das Wappen der Greimolt überliefert haben. Das eine ist eine Holztafel im Weilheimer Stadtmuseum, das andere ein schöner Grabstein, welcher in der Pollinger Klosterkirche zur Rechten des Kirchenportals eingemauert ist.

Der Grabstein stellt ein aus der Steinplatte herausgearbeitetes Crucifix dar, neben welchem auf der linken Seite vom Beschauer der im Jahre 1570 verstorbene Wirt Martin Weinhart von Polling kniet, während sich auf der anderen Seite des Kreuzes die drei Gattinnen des Verstorbenen befinden, ebenfalls auf den Knien und mit gefalteten Händen vertrauensvoll zum Kreuze emporblickend. An den vier Ecken des Grabsteines sind die Wappen dieser vier Personen: des Wirtes Weinhart und seiner drei verstorbenen Gemahlinen. Im unteren Teile des Grabsteines sind folgende Worte eingemeisselt: „Am 15. November 1570 starb der erbar Martin Weinhart, den 7. Jul 46 starb die erbar Frau Brigitta Gottschin, am 25. Juli 59 starb Barbara Schweighartin, den ………starb Regina Greimoltin, drei seiner Hausfrauen, deren 17 Kinder, denen got allen gnedig sein welle. Amen.“

Die letzte der drei Gattinnen, Regina Greimolt, hat ihren Gatten offenbar weit überlebt. Ihr Name steht zwar auf dem Grabstein, für die Zeit des Todes ist aber der Platz freigelassen. Ihr Wappen, also das der Greimolt, stellt ein Stadttor mit Zinnen dar. Über dem Stadttor befindet sich aus dem Stein herausgemeisselt ein Gebilde, das schwer zu entziffern ist. Es sieht aus wie Flammen (siehe das Greimolt-Wappen auf der rückwärtigen Seite des Votivbildes des Bernrieder Propstes Franziscus Greimolt).

Das gleiche Wappen befindet sich, wie schon vorhin erwähnt, auf dem Franziscus-Bild im Weilheimer Stadtmuseum (siehe Titelbild.). Unter dem Bilde steht wörtlich: „Frater Franciscus Griemolt professus huius monasterii electus et confirmatus est in praepositum huius coenobii anno c. 23 die mensis Juni 1541 (das heißt Frater Franz Greimold, Profess dieses Klosters, wurde heuer (anno curr.=im laufenden Jahre) am 23.Juni 1541 zum Propst des Klosters erwählt und als solcher bestätigt).

Wie aus der Unterschrift dieses Bildes folgt, ist es ein Votivbild des Propstes Franz Greimold aus Bernried, welcher in diesem Kloster von 1541 bis um 1576 regierte. Seine kniende Gestalt mit Porträt ist rechts neben dem heiligen Franziscus – seinem Namenspatron – angebracht. Durch das vor ihm selbst befindliche Wappen ist er so deutlich als Greimolt gekennzeichnet, dass er damit allein schon als Angehöriger dieses in Weilheim und Seeshaupt begüterten Geschlechtes sich ausweisen würde, wenn auch sein Name nicht darunter stünde.

Dieser Propst stammte wahrscheinlich aus Weilheim und mag das Bild von einem seiner Weilheimer Verwandten gemalt worden sein. Meister Jörg Greimolt dürfte allerdings nicht mehr als Maler dieses Bildes in Frage kommen, weil das Pollinger Ökonomiebuch, das bis zum Jahre 1534 seinen Namen häufig nennt, denselben um diese Zeit (1541) nicht mehr erwähnt.

Vom gleichen Propst Franz Grienmold, wie er in Bernried geschrieben wurde, hat sich auch im Kloster Rohr in Niederbayern ein Wappen aus dem Jahre 1555, wo er um diese Zeit Administrator war, erhalten: Ein Hausgiebel, der fast das ganze Wappenschild ein-nimmt. Die senkrechten Striche, die den Rest ausfüllen, bedeuten rot. (Aus E. Zimmermanns „Bayerische Klosterheraldik“ 1932). Doch wird der Propst hier Franz Greinmolt geschrieben. Nach Zimmermann hat sich merkwürdigerweise von Propst Franz Greinmold auch noch ein anderes Siegelwappen erhalten, das von seinem Petschaft, dem Hausgiebel der bayerischen Greimolt von Holzhausen vollständig abweicht. Es stammt aus dem Jahre 1568 und stellt einen Meermann dar, der einen Säbel schwingt.

Noch eine Eigentümlichkeit sei hier berührt: Der Hausgiebel des Wappens auf der Weilheimer Holztafel hat rote Farbe. Das Auffallendste aber ist, dass der Hausgiebel des Greimolt-Wappen auf dem Pollinger Grabstein zum stadttorähnlichen Gebilde wurde und dass aus den Zinnen dieses Stadttores deutlich erkennbare Flammen hervorbrechen. Es sind dies Eigentümlichkeiten, die unwillkürlich an das Weilheimer Stadtwappen erinnern.

Wie uns das Weilheimer Wochenblatt über das Jahr 1641 berichtet, „erhielten die Weilheimer zur Belohnung für ihre Treue gegenüber den bayerischen Herzögen, besonders in den Kämpfen mit den Edlen von Seefeld auf dem Peissenberg, vom Herzog Stephan eine Burg mit drei Türmen in’s Wappen. In der ersten Form dieses neuen Stadtsiegels schlägt aus dem mittleren Turme eine Flamme hervor, offenbar in Erinnerung an die von den Weilheimern verbrannte Burg der Seefelder am Peissenberg. So die Siegel vom Jahre 1457, 1459, 1473, 1486, 1546, 1583, 1587, 1598 und 1613. Daneben gab es noch ein kleines Stadtsiegel von 1505 an, in welchem die Flamme weggelassen ist. 1647 wurde ein neues größeres Exemplar dieses Stadtsiegels angefertigt, bei welchem die Flamme fehlt. Sollte etwa die rote Farbe des Mauerwerks dieselbe ersetzen? Ein Vergleich dieses Weilheimer Stadtwappens mit dem Greimolt-Wappen auf dem Pollinger Grabstein zeigt, dass sowohl die Flamme als auch die rote Farbe des Ziegelwerkes übereinstimmt, nur dass die Stadt drei Türme, die Greimolt aber nur einen im Wappen haben, der für gewöhnlich durch einen Hausgiebel ersetzt ist. Ein Pförtchen aber haben schon die ältesten Greimolt’s im Siegel, wie jenes von Jörg Greimolt 1473 zeigt.

So erfreulich all‘ diese Forschungsergebnisse waren, sie hätten die Frage, wie das alte Greimolt-Wappen aussah, nicht zu beantworten vermocht, wenn nicht ein Zufall den Verfasser in das Büro des Herrn Baurats Eduard Zimmermann – München geführt hätte, dessen Familie ihm von Augsburg her bekannt war. Unter den ungezählten Wappen dieses alten Wappenforschers, eine Autorität auf diesem Gebiete, befanden sich auch zwei Wappen der Landadelsfamilie der Greimolte von Holzhausen (siehe Wappenbild Ib und Ic). Diese Greimolte stammten aus Weilheim und. sind anfangs des 16.Jahrhunderts in den Landgesessadel gekommen. Noch „Anna grymold, die Frau des Hanns Wagner von Fischbach“ bediente sich des ersten Wappens, während Johann Georg Greimolt von Holz-hausen 1654 sich des zweiten bediente.

§ 3 GREINWALD – Wappen.

Wenn wir nun die Form der eben besprochenen Greimolt-Wappen (siehe auch Wappen-tafel Ib und Ic) im Auge behalten und damit das Greinwald-Wappen vergleichen (siehe Wappentafel I), welches einst der Augsburger Kunstgärtner Ferdinand Greinwald nach jenem Wappen anfertigen ließ, das er im Jahre 1852 bei seinem Vetter Jakob Greinwald in Graz gesehen hatte und welches nicht ganz nach seinen Angaben ausgefallen war, so springt sofort die Ähnlichkeit dieser beiden Wappen in die Augen. Auf beiden ist der Hausgiebel zu sehen. Nur ist er bei dem Augsburger Greinwald-Wappen verunziert durch eine Zugabe von grünen Zweigen, die das Wappen für eine Familie Grünwald geeigneter macht als für eine Familie Greinwald.

Da die Grazer Familie bei welcher sich jenes Greinwald-Wappen damals befand, längst ausgestorben ist und die Erben derselben – die Familie Pichler in Graz – von einem solchen nichts mehr wussten, so bestand zuerst keine Aussicht je seine wahre Gestalt zu er-fahren. Die Entdeckung der beiden Greimolt-Wappen von Holzhausen aber lässt keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass diese dem Grazer Wappen zum Vorbilde dienten. Man braucht nur die der Phantasie des Wappenmalers entsprungenen grünen Zweige vom Hausgiebel zu entfernen mit dem sie geschichtlich nichts zu tun haben. Sie waren es ja, welche das auf den ersten Blick als eine Neuauflage des alten Greimolt-Wappens erkennbare Greinwald-Wappen zu einem Grünwald-Wappen stempelten, und sie mögen es gewesen sein, welche den Vater des Verfassers zu dem Ausspruch veranlassten: „Das soll unser Wappen sein, ist es aber nicht“.

Wenn durch Entfernung der grünen Zweige die beiden Wappen, das der Greimolt und das der Greinwald identisch werden, so darf uns das nicht beirren (handschriftlicher Zusatz auf derselben Seite:). (Es darf uns nicht beirren, dass die beiden Wappen, das der Greimolt und jenes der Greinwald durch die Änderung identisch werden (alter Text in Maschinenschrift). Nachdem nämlich die Urahnen des im Jahre 1779 geborenen Gärtners Jakob Greinwald von Graz keine anderen sind als jene, welche im Jahre 1592 in Oderding ein-heirateten und sich damals bald Greimolt, bald Greinwold schrieben, so dürfen wir doch annehmen dass Jakob Greinwald nicht etwa ein geliehenes Wappen mit in die Ferne nahm sondern jenes, welches schon damals der Familie zu eigen war.

IV. K a p i t e l

Anmerkungen

A. Anmerkungen zum I. Kapitel des I.Teils.

Anmerkung 1

(zu Heimat…, § 1 Überlieferung)

Die ältesten Matrikeleinträge, welche von den Greinwald’s handeln, sind: Diessen 1575 (erste Taufe), Paehl 1595 (erste Taufe), München Dompfarrei 1606 (erste Taufe des Matheus Greinwolt), Oderding (Pfarrei Polling) 1609 (erste Taufe), Tutzing 1626 (Trauung), Lenggries 1628 (Taufe der Richterstochter Salome Greinwald), Seeshaupt 1632 (Taufe), Holzhausen (Pfarrei Münsing) 1636 (Taufe.), Haunshofen 1641 (Trauung des Martin Geimolt von Haunshofen), Uffing 1648 (Taufe), Polling 1648 (Trauung).

Anmerkung 2

(zu, Heimat…, § 1 Überlieferung)

Dass auch hier geschichtliche Wahrheit und nicht lediglich Familienplauderei zu Grunde lag, dafür hat sich der Verfasser in Hallein selbst die Beweise geholt. Das Halleiner Pfarramt schrieb ihm nämlich unterm 8.3.1924: „Das Ergebnis der Nachforschungen in den Halleiner Matrikelbüchern ist: Taufmatrikel: 27.6.1609 Ist geboren Magdalena, des Paul grienwalt, Pfannschreiber, Mutter: Susanna; am 29.9.1616 Sara, des Paul Krienwald und Susanna. In den Trauungs- und Sterbebüchern bis 1650 ist der Name nicht zu finden, wohl aber in den Sterbebüchern nach 1700: Greinwald, Bauer in Gambs und einige der-selben Familie und andere. „Es war jedoch noch nicht möglich, dieser Familie nachzuspüren. Wenn wieder einmal bessere Zeiten kommen, in welchen man ohne Pass und andere Schwierigkeiten die stammverwandten Nachbarländer aufsuchen kann, wird diese Familie weiter verfolgt werden müssen.

Bei einer anderen Familie dieses Namens haben die Nachforschungen des Verfassers zu günstigen Resultaten geführt. Auf sie kam der Verfasser durch eine Statue, welche sich im Klostergang des Benediktinerstiftes St. Peter in Salzburg befindet und den heiligen Joannes den Täufer darstellt. Sie stammt von dem Bildhauer Thomas Greinwald, welchen der Verfasser in den Trauungsmatrikeln der Pfarrei St. Peter in München entdeckte. Dort heiratete nämlich am 27.1.1863 Thomas Greinwald, Bildhauer und Insasse von Abtenau in Österreich, ehelicher Sohn des Johann Greinwald, Ökonom zu Strubegg und dessen Ehefrau Magdalena. Thomas ist geboren am 9.1.1821 und getauft in der Pfarrkirche zu  Abtenau (katholisch). Als seine Braut ist angegeben Anastasia Piringer von St. Martin in Österreich, geboren 19.8.1826. Der Verfasser verfolgte die Spuren dieser Familie bis nach Kuchl. Von dort aber kam ihm die Nachricht zu, dass die Kuchler Greinwald von  Abtenau stammten, von wo der erste Greinwald nach Kuchl geheiratet hatte.

Auch sonst stieß der Verfasser bei seiner .Arbeit in den Pfarrarchiven wiederholt auf Greinwald, welche aus den österreichischen Erblanden stammten. Damit ist deutlich der Beweis erbracht, dass es dortselbst Greinwald gegeben haben muss, wenn auch bei der Einwanderung nach Bayern und bei den Einträgen in den Pfarrmatrikeln ihr Name häufig nicht mit der Genauigkeit wiedergegeben wurde, welche für unsere Zwecke erwünscht gewesen wäre. Dass Pfarrämter, welche die bayerischen Greinwald nie anders als Grienwaldt oder Grünwald, anfänglich sogar Greimolt schrieben, die von außen zugewanderten Greinwald erst recht nicht korrekt einzutragen pflegten, liegt auf der Hand. So meldet die Taufmatrikel der Münchener Dompfarrei am 11.10.1683 die Geburt eines Johann Antonius Grienwaldt. Als Vater ist angegeben Hans Michael Grienwaldt, Schmied von Wien, als Mutter Katharina, dessen Ehegattin. Dabei steht die Bemerkung: „Er ist hierher von den Türken geflohen“. Als Pate ist Jo. Adam Fenneberger, Hofkammerprotokollist, genannt.

Vielleicht darf auch folgender Eintrag im Ulmer Ehebuch für die Familie Greinwald gebucht werden: „18.3.1566 heiratete Michael Grienwald von Salzburg, des Hansen Grienwald nachgelassener Sohn, in Ulm die Feliza Eberlin, Eberhard Eberlin’s nachgelassene Tochter“. (Die Eberlin sind eine alteingesessene Ulmer Familie. Mitteilung des Herrn Redakteurs Schweiger in Ulm).

Nicht unerwähnt sollen folgende in Österreich ansässige Greinwald bleiben weil sie viel-leicht für eine spätere Forschung notwendig sind. Laut Pfarramtlicher Mitteilung vom 9.2. 1905 an den Verfasser kommen in den Pfarrmatrikeln von Enns in Österreich dortselbst die Greinwald in zwei Stämmen vor:

1. Anton Greinwald, fürstlich Auersperg’scher Gärtner von Polling (Braunau) gebürtig; er starb in Enns am 29.8.1852, 65 Jähre alt.

2. Franz Greinwald, fürstlich Auersperg’scher Oberförster und Zuckerbäcker von Eferding, Bezirk Wels, gebürtig. (Es gibt auch ein Eferding bei Lepperdorf in Österreich in der Nähe des bayerischen Simbach). Er starb in Enns am 6.3.1865, 55 Jahre alt. Dessen Söh-ne: Ludwig, geboren in Enns am 31.8.1837, verehelicht seit 23.6.1872, starb in Enns als Kanzlist am 28.11.1884; Johann, geboren am 18.6.1841 in Enns, Förster bei Fürst Auer-sperg dortselbst, starb in Enns am 6.6.1872; seine Frau Anna befand sich zur Zeit dieser Mitteilung im Spital in Enns; Robert, geboren am 19.9.1851 in Enns; er starb im Wiener Garnisonsspital.

Da in den Matrikelbüchern von Polling bei Braunau absolut kein Greinwald zu entdecken war, so dürfte wohl die Mutmaßung des Verfassers richtig sein, dass der Matrikelschreiber von Enns zu Unrecht Polling bei Braunau schrieb und dass die Gärtnerfamilie von Enns aus dem bayerischen Polling stammte.

Durch all‘ diese Beispiele wird die mündliche Überlieferung, wonach verschiedene Greinwald-Familie aus Österreich oder Tirol gekommen sein sollen, quaderhaft untermauert.

Anmerkung 3

(zu Heimat…, § 1 Überlieferung)

Außer den schon genannten Greinwald’s aus Österreich seien noch folgende festgehalten, die Greinwald’s gewesen sein können, aber nicht gewesen sein müssen:

1. Die Ehematrikel der Münchener Dompfarrei meldet unterm 10.1.1746 die „Ehe des Ignatius Grünwald, des Johann Friedrich Grünwald, gewester kaiserlicher Dragoner Lieutenannt zu Schrembs in Unterösterreich, verstorben, und Ursula, seiner Ehefrau, noch am Leben, ehelicher Sohn, angehender Goldarbeiter, mit Jungfrau Maria Brigitte, des Martin Burgpacher(?), gewesten Bürger und Goldarbeiter, verstorben, und seiner Frau Anna selig eheliche Tochter.“ Ein Goldarbeiter namens Johann Ignaz Sebastian Grienwald oder Grünwald (undeutlich) starb am 4.5.1764 in der Dompfarrei München.

2. Die Ehematrikel der Münchener Dompfarrei meldet unterm 6.10.1754 die „Ehe des Michael Grünwald, des Andreas Grünwald, gewesten Bauern zu Mammeldorf in Unterösterreich, und Magdalena, dessen Eheweib, beide verstorben, ehelicher Sohn, churfürstlicher Münzarbeiter, mit Jungfrau Maria Theresia, des Adam Pleininger, Bürger und Bierbrauer zu Ried, und der Anna Maria, seiner Hausfrau, beide tot, eheliche Tochter. Dazu meldet das Taufbuch der gleichen Pfarrei unterm 5.7.1756 die Taufe des Johannes Sebastian Michael, Sohn des Michael Grünwalder, Münzarbeiter, und seiner Frau Theresia Pleininger.

3. Die Ehematrikel der Münchener Dompfarrei berichtet unterm 10.6.1843 die „Ehe des Oberleutnant Johann Ignaz Sebastian Grünwald, Wittwer Leutnant im Königl. Jnf. Regiment „Kronprinz“ in München, katholisch, geboren am 20.1.1793 zu Salzburg“. Seine Mutter war die bei St. Peter in München am 4.4.1841 gestorbene Theresia Reitler, geborene Rohrmayer. Als Braut ist .angegeben: „Antonie Karoline Triendl, Großhändlerstochter zu Salzburg, geborene Höck.“ Zeugen sind zwei Salzburger.

Anmerkung 4

(zu Heimat…, § 2 Greinwaldhöfe und  § 4 Greinwald)

Die Tiroler Hofnamen betreffend sei bemerkt: Wie die Tiroler Hofnamen entstanden sind und wie sie dann wieder geändert wurden, zeigt uns der Artikel „Die Ortsnamen der östlichen Alpenländer“ von Oskar Redlich in der Zeitschrift des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins, 1897 Seite 77. Hier ist von einem Weiler Kurzras in Schnalsertal folgendes zu lesen: „Unsere Sommer-Etymologen werden gleich bei der Hand sein und sagen: „Natürlich kurzer Rasen“; stimmt ja ganz mit der mageren Weide“. Aber in dem Stiftsbrief der Kartause Schnals von 1326 wird angeführt der Hof des Miser (gleich Messer – Herr) Chorteras. Chortzeras aber ist gleich chort= curtis = Hof und zeras = cerasus = Kirschbaum, also gleich „Kirschbaumhof“ und doch sind dort vor 600 Jahren so wenig Kirschen gewachsen wie heute. Da hilft uns dieselbe Urkunde weiter. Sie sagt von diesem Hofe: „Curia, quae prius dicta est Geroldi“ das heißt also: „Der Hof war früher Gerold’s-Hof genannt und hat mit seinem neuen Besitzer, dem Messer Kirschbaumhofer seinen Namen gewechselt“ (als Quelle ist zitiert: SchmeIler, Beiträge I. 41).

Solcher Wechsel der Hofnamen mit dem Namen des Besitzers ist eine häufig nachzuweisende Tatsache, die namentlich in Tirol oft urkundlich festgestellt werden kann.

So mag auch der Name Greinwald-Hof entstanden sein. Vielleicht hat er anfänglich „Hof des Grimoald“ geheißen. Greinwald-Hof kann aber auch auf Greimolt-Hof (Greimolt – Waldhof) zurückzuführen sein. Wohnte doch, wie am 21.2.1924 Dr. P. Adelgott Schalz, O. S. B. aus der Pfarrei St. Martin an den Verfasser schrieb, auf dem in einem großen Walde gelegenen Greinwald-Hof im Jahre 1418 ein Johann Greimolt. Greimolt kann aber ebenso wie Greinwald von dem altbayerischen Personennamen „Grimoald“ kommen, mit welchem das Volk nichts mehr anzufangen wusste. Allerdings glaubte der bekannte Geschichtsforscher, Gymnasialrektor Dr. Grünenwald in Speyer, den Verfasser wegen seiner Erklärung des Namens Greinwald-Hof warnen zu sollen: „Bei den Greinwald’s-Höfen„, so schrieb er 1925 an den Verfasser, „müssen Sie vorsichtig sein; denn die Flur „Grein“ und „Grain“ ist auch bei uns (das heißt in der Rheinpfalz) häufig. Es sind Kieslagen und jene Höfe und Wälder haben ihre Namen vielleicht nach ihrem Boden“. Es ist wohl nicht zu zweifeln, dass diese freundschaftliche Mahnung geologischen Tatsachen entspricht; bei den zwei Tiroler Greinwald-Höfen im Passeyertal und bei Hall (in Tirol) dürfte sie aber aus den einfachen Gründen nicht stimmen, weil beide Höfe hoch auf dem Berge liegen.

Wie der Greinwald-Hof im Passeyertal zu seinem Namen gekommen ist, darüber wird sich wohl schwerlich ein ganz sicheres Urteil bilden lassen. Vielleicht kann zur Klärung der Frage, wie dieser Hof seinen Namen erhielt, eine Bemerkung dienen, die der Verfasser in der auf (siehe siehe &7 Greinwald-Greimolt) schon erwähnten Abhandlung über „Die Ortsnamen der östlichen Alpenländer“ gefunden hat. Hier heißt es wörtlich: „Ein zweiter Kernpunkt altbayerischer Besiedelung ist das schöne, weite Talbecken von Brunneck. Zwar haben wir da nur zwei Namen auf „ing“: Jsing, und Reiperting; aber ihr Alter wird verbürgt durch die ehrwürdigen anderen Namen der Gegend, wie Dieterheim, Uttenheim, Geiselsberg, Getzenberg, Greimwald und Tesselberg, deren letzter uns unmittelbar an die Zeiten des bayerischen Tassilo erinnert“. So wahrscheinlich es ist, dass Tesselberg vom Namen des Bayernherzogs Tassilo stammt, so wahrscheinlich ist es auch, dass das ihm nahe Greimwald den Namen Grimoald zum Ursprung hat. Grimoald, der Ahne Tassilo’s, war ja wie dieser in Tirol reich begütert. Wir wissen das auch aus der Lebensbeschreibung des Bischofs Korbinian von Freising. Es wird ohnehin im zweiten Kapitel §4 dieses ersten Teiles bewiesen, dass Greinwald wie Greimolt aus Grimoald entstanden sein dürfte.

Anmerkung 5

(zu Heimat…, § 2 Greinwaldhöfe)

 Es ist interessant zu verfolgen, wie sich die Greinwald’s zeitlich und örtlich vor der Süd-grenze Bayern´s aus gegen Norden verbreitet haben. Die erste Zahl, welche den Ortsnamen beigefügt ist, bedeutet das Jahr, in welchem die Familie Greinwald zum ersten Male in den Trauungs- oder Taufmatrikeln genannt ist; die in Klammer beigegebene Zahl deutet entweder das Jahr an, in welchem die ersten Glieder der Familie – also die Stammeltern – genannt wurden, oder aber, falls dieselben noch nicht entdeckt werden konnten, das Jahr, in welchem die an dem Orte zuerst genannten Greinwald geboren sein mögen. Es sind meist 25 Jahre früher hiefür in Rechnung gebracht. Die Greinwald´s gleichfarbig unterstrichener Orte gehören verwandtschaftlich zusammen. Weil die Karte zu umfangreich geworden wäre, wenn man alle Greinwald-Familien darauf hätte anbringen wollen, so sind jene Orte und Städte nicht berücksichtigt worden, deren Greinwald-Familien an den auf er-wähnter Karte schon genannten Orten ihren Stammsitz haben. So wurden die Greinwald-Familien von Augsburg, Freising und Mainburg nicht eigens angedeutet, weil sie alle von Haunshofen-Raisting stammen, jene von Bernbeuern deshalb nicht, da sie zur Greinwald-Familie „beim Lochmann“ in Tutzing gehören und endlich jene von Nürnberg nicht, welche aus Benediktbeuren stammt und der uralten Familie der Greinwald von Seeshaupt zuge-hört.

B. Anmerkungen zum II. Kapitel

Anmerkung 6

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grünwald)

Durchgesehen wurden folgende Pfarrarchive:

a.) vom Verfasser: München (Dom, St. Peter, Hl. Geist, Haidhausen, Bogenhausen, St. Bonifaz, Au, Giesing, Sendling, ) Abtenau (Salzkammergut), Aidling, Aubing, Bayersoien, Bernried, Deining, Dettenschwang, Diessen, Egern, Erling-Andechs, Feldaffing, Feldmoching , Gmund am Tegernsee, Haunshofen, Hechendorf, Inning, Lengenfeld (Pfarrei Steffen), Lenggries, Münsing        11, Oderding, Pähl, Peiting, Pöcking, Polling, Raisting, Schäftlarn, Schlehdorf, Schongau, Seeshaupt, Sindelsdorf, Spatzenhausen, Traubing, Tressling, Tutzing, Uffing, Weilheim, Wielenbach, Wolfratshausen usw.

b.) von den Hochwürdigen Pfarrherren und anderen Gönnern: Altenmünster, Aresing, Bayersoien, Benediktbeuren, Bernried, Diessen am  Ammersee, Dünzelbach, Egling„ Haunshofen, Hausham, Hechendorf, (für die Filiale Breitbrunn), Huglfing, Holzhausen, Iffeldorf, Kuchl (Österreich), Lengenfeld, (Pfarrei Steffen), Lutzingen, Magnetsried, Niederalteich, Nürnberg, Oberalting, Oberhausen bei Landau a. d. Isar (für Bischelsdorf), Pähl, Peiting, Polling, Schöffen, Seeshaupt, Steingaden, Tegernsee, Unterbrunn, Unter-hausen, Unterpeissenberg, Weilach, Weilheim, Weissensee, Wessobrunn, Wielenbach, Wildsteig bei Steingaden; usw.

c.) die Pfarrarchive von Wolfratshausen Isar-aufwärts versprachen keine Ausbeute, weil diese Greinwald doch alle den Namen Grünwald mit in die neue Heimat genommen haben dürften. Die Pfarrarchive Münchens beweisen das; denn alle aus der Isar-Gegend stammenden Grünwald haben diesen Namen schon mit nach München gebracht.

Anmerkung 7

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grünwald)

Nur in den Pfarrmatrikeln von Tutzing machte sich eine gegenteilige Strömung bemerkbar. Der dortige Pfarrherr fügte jedes Mal, wenn ein Greinwald sich als Grünwald meldete, in den Pfarrmatrikeln bei: „richtiger Greinwald„. Ihm dürfte es zu danken sein, dass von den vielen dortigen Greinwald-Familien nur eine einzige – jene von Geratshausen, jetzt fortgesetzt in Pöcking – dem Namen Grünwald zum Opfer viel.

Anmerkung 8

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grünwald)

Die Münchener Grünewald’s stammen teils aus Unterfranken, teils aus der Rheinpfalz, teils aus Norddeutschland. Einer von den Münchener Grünewald’s ist z. Z. Ingenieur bei der elektrischen Reichsbahn in Pasing, sein Sohn Georg ist ebenfalls Ingenieur. Ein anderer Sohn, P. Stanislaus, Dr. phil. und theol., ist Theologieprofessor im Kapuzinerkloster Dillingen. Die Familie soll aus Unterfranken stammen, woselbst auch heute noch zahlreiche, hoch achtbare Familien diesen Namen tragen. Aus ihnen ist sogar eine ganz achtbare An-zahl von Priestern hervorgegangen.

Um wenigstens das Bekannte an dieser Stelle festzuhalten, sei hier der Stammbaum der oben erwähnten Familie eingefügt, soweit er zur Zeit erreichbar war.

Dietrich Grünewald, Geburtsdatum und Ort unbekannt. Geburtsort wahrscheinlich Ipfhofen. Er starb am 25. März 1809 in Ipfhofen im Alter von 63 Jahren. (* c. 1746).

Sohn (I. Gen.): Valentin Grünewald, geb. am 26.Nov.1785 in Ipfhofen, getauft durch das katholische Pfarramt in Ipfhofen.

Enkel (II..Gen.): Johann Grünewald, geb. 15. Feb. 1834 in Ipfhofen, katholisch getauft dortselbst.

Urenkel (III. Gen.): Georg Grünewald, geb.28.Mai 1876 in München, getauft bei St. Bonifaz. Seine beiden Söhne sind Ingenieur Georg Grünewald. und Dr. P. Stanislaus Grünewald in Dillingen.

Andere Münchener Grünewalds kamen aus der Rheinpfalz, wahrscheinlich zu der damaligen Zeit, in welcher die Pfälzer Wittelsbacher nach München übersiedelten.

So verehelichte sich ein Georg Grünewald, königl. Tafeldecker, laut, Matrikel der Münchener Dompfarrei am 8.8.1837 mit einer Katharina Friederike Weitner. Er war reformierter Protestant und 1779 in Jägerburg, Pfarrei Waldmohr, als Sohn des herzoglichen Reitknechts Grünewald von Zweibrücken geboren. Seine vier erwachsenen Kinder aus der ersten Ehe waren protestantisch, jene aus der zweiten mit der katholischen Katharina sollten katholisch erzogen werden. Sein Sohn Max Josef Grünewald, königl. Hofkonditor in München (Vater: Georg Grünewald. königl. Tafeldecker, Mutter: Maria Therese) heiratete im Jahre 1850 in der Münchener Dompfarrei Sophie Magdalena Sedlmayer, Hofkapellsängerstochter. Er nennt sich bei der Hochzeit seiner am 24.5.1856 bei St. Ludwig getauften Tochter Pauline Max von Grünewald, königl. Rat und Kabinettskassier.

Diese Personalien werden durch folgende Angaben auf dem Familiengrabstein im alten Teil des südlichen Friedhofes in München (am Hauptweg) ergänzt: „Sophie von Grünewald geborene Sedlmayer 16.2.1830 – 19.4.1900. Max von Grünewald königlicher Hofrat, Hofkassier a.D. 2.12.1822 – 7.3.1907. Adolf Grünewald Kunsthistoriker 4.9.1886 – 10.12.1922. Max Grünewald Arzt kgl. Hofrat 7.7.1851 – 6.11.1937.

Vielleicht stehen diese Grünewald mit jenen von Zweibrücken in Zusammenhang und durch sie mit denen in Düsseldorf und Norddeutschland. Ein Beispiel: Georg Wilhelm Grünewald, herzoglich Zweibrückener Konditor in Düsseldorf, geboren 1719 in Mengeringhausen in Waldeck, gestorben 4.1.1776 in Düsseldorf, heiratete dort 26.3.1747 Eleonore Elisabeth Thiel. Seine Eltern Georg Friedrich und Frau Anna Elisabeth wohnten in Mengeringhausen.

In Düsseldorf heiratete die reformierte Margarethe Grünewald 31.7.1657 den Dietrich Arnshausen. Außer diesen Grünewald kamen noch folgende zur Kenntnis des Verfassers. Sämtliche Angaben vermittelte Familienforscher Roth.

1.) Blasius Grünewald, geboren 1506 in Leipzig, Universität Leipzig 1514 baccalaureus, 1518 Magister, 1519 Magister legens; von Herzog Georg als Leibarzt nach Dresden gerufen, noch unter Kurfürst August als solcher tätig. War verheiratet mit Elisabeth. Sein Vater Hans starb nach 1528 als Sattler in Leipzig, weshalb der Sohn auch Settler hieß. Vater Hans wohnte 1499 – 1506 in der Burgstrasse, ab 1508 im Thomasgässchen.

2.) Lorenz Grünewald, auch Grünwald, Grienwaldt, Krienwalt geschrieben, röm. kath. Weißgerber in Heideck, geb. in Heideck als ehelicher Sohn des Christian Grünewald, Weißgerber in Heideck und seiner Gem. Anna, geb. Schmid, heiratete am 10.11.1631 in Heideck die Anna Glaugg.

Christian war geboren in Torgau als Sohn des Jörg Grünewald, Weißgerber daselbst, und heiratete am 19.11.1605 in Heideck. Wer hätte gedacht, dass diese kleine Notiz durch Zufall folgende Fortsetzung finden würde: Allerdings wäre auf dem Wege lokaler Forschung noch eine Lücke auszufüllen. Name und Gewerbe bieten aber jetzt schon Sicherheit dafür, dass es sich im Folgenden um die gleiche Familie handelt.

Johann Grünwald, Weißgerber in Heideck, Gemahlin Cordula. Sohn (I.Gen.): Richard Grünwald, Weißgerber, Geburtsdatum unbekannt, heiratete am 26.4.1774 die Maria Ursula Grünwald, Witwe des Ignaz Grünwald, den sie am 28.1.1744 geheiratet hatte und der am 27.12.1773 gestorben war. Ursula stammte aus Beretzhausen und starb am 13.8.1792. Die Eheleute Richard und Ursula waren im 3.Grad affin.

Enkel (II.Gen.): Richard Ambros (Andreas) Grünwald, Weißgerber, geboren 4.2.1775, gestorben 29.10.1849, heiratete  am 27.6.1796 Maria Anna Hagn, gestorben 13.2.1854.

Urenkel (III.Gen.): Paul Franz Grünwald, geb.25.1.1813 in Abenberg, gest..2.11.1877 da-selbst, heiratete am 22.5.1843 die Stilla Xalti, geb.26.11.1817.

Ururenkel (IV.Gen.): Joseph Alois Grünwald, geb.21.6.1843 in Abenberg, gest. daselbst 14.8.1904, heiratete am 24.11.1874 ebenda Margaretha, geb. Fuchs, geb. 22.6.1854 in Abenberg, gest. daselbst 25.6.1883.

Urururenkel (V.Gen.): Pfarrer Johann Franz Grünwald, geb. 3.11.1876 in Abenberg, zum Priester geweiht am 20.7.1901 in München.

3.) Heinrich (Ritz, Reitz) Grunewald (auch Grunwald, Grunewalden, Grunenwalt, Grunwaldt etc.), 1542, 1546,1551,1560 Bürgermeister in Treysa, 1561 bereits tot. Nach anderer Angabe geboren um 1510 in Treysa, gestorben daselbst 20.8.1575 an der Pest. Er heiratete um 1545 in Treysa.

4.) Hans Andreas Grünewald, evangelisch, sen. Anspänner und Gerichtsschöppe. in Hauteroda, geboren 1647, gestorben 1.4.1736 daselbst. Vater: Hans, sen. Anspänner und Braumeister in Hauteroda, gestorben vor 1687, verheiratet mit Elis, begraben 24.6.1687 in Hauteroda.

5.) Hedwig Grunewald, heiratete vor 1.6.1683 Samuel Feldbinder, Himmelstätt bei Landsberg an der Warte.

6.) Friedrich Philipp Grünewald, evangelisch getauft 27.1.1663 zu Babenhausen, gestorben 5.4.1736 daselbst; Metzger und Ratsverwandter, heiratete in Babenhausen 31.1.1688 Lucretia Maria Crusius. Dessen Vater Paulus, getauft 22.2.1636 zu Babenhausen, gestorben 5.5.1702 daselbst;  Metzger und. Ratsverwandter, heiratete in Babenhausen 22.4.1662 Loysa Anna Zollmann, Großvater Helferich, Metzger und Ratsverwandter, getauft Februar 1608 zu Babenhausen, begraben 6.2.1667 daselbst; heiratete zu Babenhausen 27.11.1632 Anna verw. Kern. Urgroßvater: Nicolaus, Metzger, heiratete zu Babenhausen  1.11.1602 Jakob Bergsträsser, dessen Vater Oswald.

7.) Maria Magdalena Grünewald, geboren 1665, gestorben 1748; heiratete 1688 Gottfried Wolrat, Nürnberg. Ihr Vater Philipp Balthasar.

8.) Johann Peter Grünewald, geboren 8.6.1670 zu Dermsdorf bei Kölleda, gestorben 11.9.1749 zu Grossmonra; heiratete an letzterem Ort 23.4.1699 Anna Maria Stotterheim. Sein Vater Kiriax (vielleicht Cyriak), Gerichtsschöffe, geboren 1626 zu Dermsdorf, gestorben 29.4.1695 daselbst; heiratete zu Hauteroda 20.6.1647 Christina Schnuphase. (Vergl. Nr. 4)

9.) Johann Michael Grunewald, reformiert, Weinhändler in Allendorf; heiratete dort 14.6.1718 Dorothea Elisabeth Amelung. Sein Vater: Liborius, reformiert, Weinführer in Allendorf.

10.) Anna Maria Dorothea Grünewald, lutherisch, geboren 22.4.1693 in Dambeck bei Neustadt (Meklenburg), gestorben 8.1.175?) in Sargleben, West-Prignitz, heiratete vor 18.11.1719 Martin Richter, Wassermüllermeister in Sargleben. Deren Vater: Joachim, 1688 – 1693 in Dambeck bezeugt. Großvater: Simon, 1656 Schulze in Dambeck.

11.) Ludolf Grünewald, evangelisch, Halbspänner in Groß-Sandersleben, geboren zu Wellen bei. Magdeburg; heiratete in Groß-Sandersleben 7.12.1728 Anna Catharina Dorendorf. Sein Vater: Ludolf, Ackermann in Wellen, 1728 schon tot.

12.) Johann George Grünewald, Kramer in Seifhennersdorf, geboren 21.3.1745 gestorben daselbst; heiratete Anna Rosina Jensch. Sein Vater: Johann George, Gärtner in Seifhennersdorf, heiratete 19.10.1744 Elisabeth Grünewald aus dem gleichen Orte.

13.) Johanna Wilhelmine Grünewald, evangelisch, ,geboren 18.10.1719 zu Torgau, gestorben 24.2.1773 zu Leipzig; heiratete in Torgau 12.5.1744 Karl Gottlob Koch, wirklicher Apellationsgerichtsrat und Bürgermeister in Leipzig. Ihr Vater Friedrich August, evangelisch, Ratsherr und Kastenschreiber in Torgau, geboren in Dresden, gestorben 13.4.1742 zu Torgau; heiratete in Torgau 23.10.1708 Johanna Dorothea Albinus. Großvater: Johann Wolfgang, Hofbarbier und Chirurg in Dresden, gestorben kurz vor 1682 daselbst.(Vergl. Nr. 2)

14.) Margarethe Henriette Christine Grünewald, evangelisch, geboren 12.10.1801 zu Hanau, gestorben 10.4.1836 daselbst; heiratete in Hanau 4.11.1823 Johann Philipp Müller, Kaufmann daselbst. Ihr Vater: Johann Martin, evangelisch, geboren 2.6.1774 gestorben in Hanau; heiratete 17.3.1796 Johanna Luise Ferdinande Funk.

15.) Samuel Gottlieb Grunwaldt, evangelisch-lutherisch getauft 9.6.1798 zu Buschhof in Kurland, gestorben 3.6.1885 zu Riga; Bürger der großen Gilde in Riga, (1823), Kaufmann und Gutsbesitzer, heiratete um 1825 Regina Dorothea Wewell. Sein Vater: Martin, Schneider in Kurland, später Kaufmann in Mitau, geboren um 1760 in Pommern, gestorben um 1830; heiratete Charlotte Elisabeth Alfstrom.

16.) Jakob Klinkebell von Grünewald, ,geadelt 1661, Herr auf Grünenwald, Bärklau, Groß-Drehsen, chursächsischer Kammerrat geboren 12.4.1627 zu Callies, gestorben 8.3.1694 im Guben; heiratete in zweiter Ehe 11.2.1678 Sophie von Maltitz. Dessen Vater: Jakob Klinkebell-Grünewald, Gerichtsbeamter in Callies; heiratete Anna Marie Klausner v. Liebenthal. Großvater: Bürgermeister in Callies 1574.

Das Wappen dieser Familie (siehe Wappenbild IIIa) ist fast dasselbe wie jenes der dalmatinischen Adelsfamilie der Grünenwald (Grunwald). Nur hat das letztere Wappen (siehe Wappenbild IIIb) in seinem unteren Felde drei Tannen, anstelle deren das erste Wappen die gleiche Zahl von Laubbäumen aufweist.

Eine willkommene Ergänzung zu den oben besprochenen Grünewald’s  bildet ein an den Verfasser dieser Arbeit gerichteter Brief des Historikers, Oberstudiendirektor Dr. Grünerwald in Speyer vom 28.2.1925. Hier heißt es wörtlich: „Mein Geburtsort ist Dernbach in der Pfalz, ein hübsch in einem Tale des Haardtgebirges gelegenes Dörflein. Es gehörte bis 1100 zum Königsgut des salischen Hauses, dann seit 1190 zum Zisterzienserkloster Eussertal, seit 1232 zur Herrschaft Scharfeneck, welche 1448 an die Kurpfalz kam. Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz schenkte das neu gebaute Schloss Scharfeneck samt Umgebung 1456 seinen zwei Söhnen aus morganatischer Ehe mit Klara Tötting von Augsburg, den Grafen von Löwenstein, welche diese Herrschaft mehrten und bis zur französischen Revolution behielten. Diese Grafen, die späteren Fürsten von Löwenstein-Scharfeneck, wurden 1556 protestantisch. Als Johann Dietrich von Löwenstein in Wien zum katholischen Glauben übertrat, wurde seine Herrschaft von den protestantischen Schweden so gründlich zerstört, dass nur noch 8 Familien übrig waren. Darunter waren meine Ahnen wohl nicht. Doch nach dem westfälischen Frieden sind sie in Dernbach angesiedelt. In der Schöffensitzung vom 13.November 1685 wurde Georg Grienewaldt als Bürger von Dernbach aufgenommen. Ob er der erste Dernbacher Grienewaldt war, weiß ich nicht. Die Familie blieb da bis heute und verzweigte sich in Dernbach und in Eussertal in vier Stämme. Gesprochen wurden sie alle Grienewaldt und drei Stämme schreiben sich heute noch Grünewald. So hieß auch mein Großvater noch. Seine Kinder wurden aber plötzlich Grünenwald geschrieben und schrieben sich dann auch selbst so, während die anderen Verwandten sich weiter Grünewald nannten und schrieben. Heute lässt sich das nicht mehr gut ändern. Eine andere uns ganz fremde Familie Grünenwald ist nach 1870 aus dem Elsass nach Neustadt a. Haardt und von dort jetzt nach Speyer eingewandert. Auch sie wer-den Grienewald gesprochen, da bei uns stets „grün“ wie „grin“ lautet; Gründonnerstag – Grindonnerstag. Die Vergangenheit von „greinen“ heißt in der Pfalz „gegreint“, nur bei den Nichtpfälzern „gegrine“. Eine in meiner Familie erhaltene, doch bisher nicht durch Urkunden nachweisbare Tradition sagt, dass unser Dernbacher Stammvater nach dem dreißig-jährigen Kriege aus Deutsch-Böhmen eingewandert sei, also doch aus dem Österreichischen. In Amerika sowie in Australien schrieb sich mein Vater Greenwood. Er war zehn Jahre dort. Der Wandertrieb, Liebe zum Walde und zur Musik scheint bei den Grünwald ein altes Familienerbe zu sein“.

Zur Zusammenfassung der uns bekannt gewordenen Grünwald und Grünewald passen gut die Mitteilungen, welche B. Gruenwaldt, Stuttgart S, neue Weinsteige 2, unterm 2.11.1935 dem Verfasser zusandte: „Vielleicht interessiert es Sie auch, was ich bis jetzt in großen Zügen über meine Vorfahren erkunden konnte. Die Familie stammt aus dem ehemaligen spanisch-habsburgischen Teil der Niederlande. Es führen aber einige Spuren nach Altbayern und Oberösterreich. Es wäre also nicht von vorne herein zu verneinen, ob nicht doch in ihrem Material der eine oder andere Hinweis entdeckt werden könnte.“

„Bei meinem diesjährigen Aufenthalt konnte ich in Holmslja (in der Nähe von Stockholm) mit einem Kaufmann Namens Grunwold mich unterhalten, der mir erzählte, dass sein Urgroßvater aus Deutschland eingewandert wäre und aus der Gegend „Schwaben“ stamme. Näheres über die Herkunft seiner Voreltern wusste er allerdings nicht. In Skandinavien trifft man überdies auf diesen und ähnliche Namen (wie zum Beispiel Groenveld, Gronweld usw.) ziemlich oft. M. W. sind aber diese Namen fast durchwegs auf die Bezeichnung grüner Wald bzw. grünes Feld zurück-zuführen und erst vor einigen Generationen von den betreffenden Familien angenommen worden. Vorher hieß .ja dort oben alles „Sohn des… “ = …..son und ….sen. In Kopenhagen und soviel ich mich entsinnen kann, auch in Trallebjorg in Schweden ist überdies eine Familie mit dem rein deutschen Namen Grünwald. Irgendwelche Zusammenhänge konnte ich allerdings nicht feststellen.

Auch folgende historische Notiz sei hier festgehalten: Ein Musikus Nikolaus Grünewald hat sich, wie in der Geschichte der deutschen Literatur von Wilhelm Lindemann (Freiburg im Breisgau, Herder 1869) zu lesen ist, als Verfasser von Trinkliedern bekannt gemacht. Bei Gelegenheit des Reichstages zu Augsburg im Jahre 1530 hatte er „so wacker ge­dempft und gezecht, dass sein Geld alles in nasser waar und guten bisslein dahingegangen war“. Der Wirt belegte ihm den Mantel mit Beschlag. Da wandte sich Grünewald an den edlen Herrn Fugger mit einem selbst gemachten Liedlein nach der Weise: „Ich stund an einem Morgen“, das des Dichters Not und Wünsche deutlich darlegte. Herr Fugger verstand- alsbald seine Krankheit, rettete ihm seinen Mantel und schenkte ihm eine gute Zehrung dazu. Da sang der lose Vogel: „Ade, du lausiger Wirthe, ich komme dir nimmer ins Haus.“ Das Lied aber wird gewiss mancher „nasser Knabe“ nachgesungen haben.

Anmerkung 9

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grünwald)

Dem Redakteur des Ulmer Tagblatts, Schweiger, verdankt der Verfasser folgende Auszüge aus dem Ulmer Bürgerbuch: „1474 erscheint Weber Hans Grünenwald zweimal als Bürge, 1467 Michael Grinenwald, Bürger von Ulm, 1498 Bantlion (=Pantaleon) Grienwald, Weber, 1509 Christian Grünenwald, alle ebenfalls als Bürgen. Weber Christian Grünenwald erhält 1509 das Bürgerrecht. Bürge dabei ist sein Vetter (oder Vater) Hans Grünenwald.

Aus protestantischen Taufbüchern des Ulmer Münsters entnahm der gleiche Forscher folgende Angaben: „29.2.1564 Barbara, Eltern: Klaus Grünenwalt und Barbara Trappelt; 21.9.1567 Ursula, Eltern Joss Grienbalt  und Barbara Trabelt; 16.8.1571 Ursula, Eltern Joss Grünnwald und Barbara Pentzin.

Anmerkung 10

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grünwald)

Was die Schreibweise Grünwald und Grünwalder anbetrifft, (auch Greinwald und Greinwalder) so konnte in den verschiedenen Matrikelbüchern die Feststellung gemacht wer-den, dass Grünwalder nur ganz selten vorkommt und zwar als männlicher Geschlechtsname im Gegensatz zu Greinwaldin und Greimoltin. Wenn auch Namensforscher behaupten, dass das „er“ die Herkunft von einer Ortschaft bedeutet, so kann dieses hier doch nicht geltend gemacht werden; denn Grünwalder ist im Gegensatz zu Greinwald und Grünwald. zu selten, als dass man vorliegenden Falles eine solche Regel anzuerkennen vermöchte. In den mehr als fünfzig Pfarrmatrikeln und verschiedenen Akten, die der Verfasser durchforschte, kommen Grünwalder nur dreimal vor, wie aus vorausgehenden Ausführungen ersichtlich ist: 1.) Grünwalder in Lenggries, woselbst die gleiche Familie sich später immer Grünwald schreibt, sodass also der Grünwalder leicht auf einen Irrtum zu-rückgeführt werden kann.

2.) Der Pfleger Kaspar Grünwalder in Murnau (um 1517), welcher sich aber gar nicht Grünwalder, sondern Greimolt schrieb. Am Anfang der neuen Zeit (1800), als Geiss in seinem Register der Beamten Altbayerns diesen Grünwalder erwähnte, machte man sich aus der Umänderung von Personen und Ortsnamen nicht viel.

3.) Bischof Grünwalder von Freising führt allerdings seinen Namen auf einen Ort zurück. Da er aber als natürlicher Sohn des Herzogs Johann von Bayern (zur Mutter hatte er eine Münchener Schneiderstochter) den Namen des Vaters nicht führen konnte, so war es verständlich, dass man ihm den Namen des Schlosses „Grünwald“ gab, in dem er erzogen worden war. Die Grünwalder in Ostin und Gmund gehören sicher nicht hierher, weil sie sich früher Grienwald schrieben (siehe Anmerkung 13, Seite 56).

Anmerkung 11

 (zu Herkunft…, § 1 Greinwald – Grienwald)

Die Grienwald-Familien in München betreffend, sei ergänzend bemerkt, auch die Grienwald nach 1640 sind nicht ganz sicher verbürgt. Das zeigt sich am besten bei den verschiedenen Büchsenmacherfamilien Greinwald und Grienwald in München, welche in den damaligen Matrikelbüchern wiederholt nebeneinander genannt werden und bei denen das eine und das andere Glied deutlich Greinwald geschrieben ist.

Einem Johannes Greinwald wurde bei St. Peter am 16.3.1619 ein Sohn Hans Georg getauft. Die undeutliche Schrift ließ nicht sicher unterscheiden, ob Greinwald oder Grienwald zu lesen ist. Der Vater ist aber deutlich Greinwald geschrieben. Er war bürgerlicher Pixenmacher, wie man damals Büchsenmacher zu schreiben gewohnt war. Allerdings ließen sich bloß die Anfangsbuchstaben „b“ und „p“ deutlich entziffern, das andere war fast unleserlich.

Der bekannte Familienforscher H. Joseph Franz Drummer in Tutzing überraschte im Juni 1937 den Verfasser mit Entdeckungen, die keinen Zweifel übrig lassen, dass die Münchner Büchsenmacher Greinwald einer Sippe zugehören und dass sie aus Unterpfaffenhofen nach München zugewandert sind. Weil die Gegend, aus der sie stammen, eine Unzahl Greinwald hervorgebracht hat, so kann auch daran nicht gezweifelt werden, dass ihr richtiger Name Greinwald war.

Um den Zusammenhang nicht zu stören, sei hier zunächst der Stammbaum der Büchsenmacherfamilie Greinwald in München zusammengestellt. Im Anschluss daran folgt dann der Wortlaut der Mitteilungen, welche der Verfasser Herrn Drummer verdankt. Aus ihnen ist leicht ersichtlich welch großen Einfluss dieselben auf die Herstellung dieses Stammbaumes hatten.

Stammbaum: Wolf Grienenwald zu Unterpfaffenhofen, Gattin Birgitta. Heirat circa 1602 in Gauting, dann etwa 15 Jahre auf einer Sölde in Germering, zuletzt auf eigener Söldebehausung in Unterpfaffenhofen. Von ihm sind uns 3 Söhne, Kaspar, Hans Georg und Michael bekannt, wozu noch zwei Töchter (Barbara und eine andere, deren Namen uns nicht bekannt ist) kommen.

Erster Sohn: Hans Georg, Büchsenmacher in München, im Jahre 1636 als Bürger da-selbst aufgenommen. Er war später churfürstlicher Büchsenspanner, woher es kommen mag, dass vom 9. bis 12. Kinde das Churfürstenpaar Ferdinand und Adelheid als Taufpaten fungierten.

a.) Hans Georg heiratete dreimal: Am 11.11.1635 im Münchner Dom die Witwe Barbara Feisterin, gest.15.1.1641 als Pixenmacherin Barbara Grienwalderin, 15.4.1641 Jungfrau Maria Edlmannin, gest. 26.12.1642 als Grienewalt, und 16.2.1643 Jungfrau Elisabeth Kritterin, Gatte Georgius Greinwalt (deutl.). Erst vom achten Kinde ab ist die Mutter (Elisabeth) im Taufregister angegeben.

a.) Hans Georg Grienwald heiratete

1.) Witwe Barbara Feisterin am 11.11.1635

2.) Jungfrau Maria Edlmannin am 15.4.1641

und

3.) Jungfrau Elisabeth Kritterin am16.2.1643

.

b)  Kinder ( II. Generation)

1.) Katharina 22.11.1638.

2.) Georg 14.1.1641.

3:)  Annamarie 27.1.1642.

4.) Johann Lothar 11.12.1642.

5.) Theresia 12.12.1643.

6.) Hans Georg 6.3.1647

7.) Laurentius 7.8.1649,

8.) Ambrosius, geb.5.4.1651, gest. 17.1.1711 als Ambros Grienewald, Pixenschisser im Zeughaus. Er war verheiratet mit Agnes Theresia, welche am 22.2.1711 als Pixenschisserin Grienwaldin Wittib im Zeughaus gestorben ist. Von diesem Ehepaar sind uns vier Kinder bekannt geworden, deren Paten die Gatten von Pellkoven waren. Die Namen der Kinder sind: Franz Anton, geb.23.8.1676, Anna Ursula, geb.20.l0.1677, gest. als Pixenmacherstochter im Zeughaus am, 8.11.1703, Maria Theresia, geb.9.12.1678, und Johann Georg Greinwald (deutl.),geb. 19.4.1681

9.) An Ambrosius schließt sich als neuntes Kind des Hans Georg an, Ferdinand, geb.20.l0.1652. Er wurde 1677 als Bürger und Gastgeb in Passau aufgenommen

10.) Maria Adelheid, geb.19.11.1654.

11.) Margaretha Henrika, geb,21.6.1657,

12.) Ferdinand Michael, geb. 15.9.1659, welcher 1677 als noch ledig mit seinen Brüdern Ferdinand, Hans Georg, Leibgardist in Wien,
, Ambrosius Zeughäusler in München und Schwester Maria Scholastika erwähnt ist.

Zweiter Sohn: Michael, 1645 als Michael Greinwald, Büchsenmacher von Pfaffenhofen, als Bürger in München aufgenommen, nachdem er „sein „Stockh“ vorgezeigt und durch die Vierer als Meister anerkannt wird“. Er heiratete zweimal in der Münchner Dompfarrei: Am 29.5.1645 Jungfrau Anna Dauschin als Grienerwald, zweitens am 1.9.1664 Jungfrau Ursula Fischerin. Aus diesen Ehen stammten folgende 14 Kinder:

a.) Michael Greinwald heiratete

am 29.5. 1645 Jungfrau Anna

Daschin

und

am 1.9.1664 Jungfrau Ursulan

Fischerin

.

b)  Kinder ( II. Generation)

1.) Maria 8.3.1646

2.) Elisabeth 29.3.1647

3.) Simon 21.10.1649

4.) Christoph 14.2.1652. Bei ihm ist zum erstenmal eine Mutter (Anna) angegeben.

5.) Maria 2.3.1654

6.) Margaretha 21.6.1657

7.) Michael 5.3.1658

8.) Rosina 11.3.1659

9.) Wolfgang 21.1o.1665

10.) Michael 29.9.1667

11.) Joseph 11.5.1669

12.) Maria 21.5,1671

13.) Anna 11.5.1673  

14.) Franziskus 13.9.1675

Was aus all diesen Kindern geworden, wissen wir nicht. Nur das ließ sich aus den Starnberger Gerichtsprotokollen erfahren, dass bei der Erbteilung des Onkels Kaspar, Mesner in Unterpfaffenhofen, noch sechs davon lebten.

Dritter Sohn: Kaspar; Mesner in Unterpfaffenhofen, dürfte ein Bruder der Münchner Büchsenmacher Hansgeorg und Michael gewesen sein. Näheres darüber in den unterstehenden Zitaten.

Wie schon oben bemerkt, lebte gleichzeitig mit den beiden Brüdern Hansgeorg und Michael noch ein Pixenmacher Hansgeorg Greinwald in München. Vielleicht ist er ein Vatersbruder der beiden Genannten gewesen und die Veranlassung dazu, dass die beiden Brüder Hansgeorg und Michael ebenfalls Büchsenmacher in München wurden. Identisch können die beiden Hansgeorg nicht sein, weil ja dem älteren davon schon im Jahre 1619 bei St. Peter ein Sohn Hansgeorg Greinwald getauft wurde. Damit würde eine Ehe im Jahre 1635 nicht zu vereinbaren sein.

Die Mitteilungen des Familienforschers H. Joseph Franz Drummer über die vorausgehen-den Familien sind folgende (entnommen den Briefprotokollen Starnbergs):

Kaspar Greinwolt, Mesner in Unterpfaffenhofen Starnberger Gerichts, kauft am 14.6.1644 einen Acker zu Cleshamb, am 23.2.1645 zu Unterpfaffenhofen, am 25.2.1655 die zum Pittrichhof Regelhaus in München gehörigen Bausölden. Am 22.6.1671 tauscht er sein zum Christophori Gotteshaus in München und zum Pittrich Regelhaus gehörigen Bausölden gegen einen lerchenfelderischen 1/2 Hof in Puechheim. 21.12.1658 hat er in Germering eine Besitzung.

Unterm 23.8.1678 erfahren wir über die Erben des Caspar Greinwoldt zu Unterpfaffenhofen:

Michael Greinwoldts gewesten Bürger und Pixenmachers zu München nachgelassenen 6 Kinder 1. und 2. Ehe.

Georg Khellers von Germering uxorio nomine* Barbara obigen Greinwalds Schwester. Sie verkaufen die zum Gotteshaus Jacobi zu Unterpfaffenhofen gehörigen Bausölden 3 Acker um 325 fl, resp. 90 fl.

* uxorio nomine = im Namen seiner Gattin, war also Schwiegersohn

Unterm 2.3.1679 findet sich noch:

Hans Egenharter von Biburg uxorio nomine* auf zeitliches Ableben des Caspar Greinwald zu. Unterpfaffenhofen.

Über den Bruder Hans Georg des Kaspar und des Michael ist unterm 12.11.1645 folgen-des zu lesen:

Grienwaldt Hans Georg seit 10 Jahren in München. als Bürger und Pixenmacher. Vater: Wolf Grienenwald zu Unterpfaffenhofen + Mutter Birgitta. Die Eltern haben vor 43 Jahren geheiratet, getraut in Gauting, dann 15 Jahre auf einer Sölden zu Germering, dann in Unterpfaffenhofen auf einer eigenen Söldenbehausung.

Sein  Bruder: Grienwaldt Michael, Bürger und Pixenmacher zu München.

Aus dem letzten Aktenstück ergibt sich, dass Wolf Greinwald im Jahre 1602 in Gauting heiratete. Leider beginnen die Ehematrikeln von Gauting erst mit dem Jahre 1615. Was der Verfasser aus der genannten Familie daselbst fand, ist nur dieses: 1651 heiratete in Gauting Hans Greinwald (deutlich) die Leonharda Six. Beide waren von Unterpfaffenhofen. Dabei wurde das Wort inthronisati sunt gebraucht, was auf eine hohe Achtung dem Ehesakramente gegenüber schließen lässt.

Anmerkung 12

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grienwald)  

Die Lohnkutschersfamilie Grünwald in Augsburg, welche über Agawang bei Augsburg, Westheim, Altenmünster, Lutzingen nach Augsburg kam und mit verschiedenen Grünwald-Familien in München und in der Umgebung Augsburgs im Zusammenhange steht.

A. Allgemeines: Von der in Augsburg befindlichen Lohnkutschersfamilie Grünwald und ihren zahlreichen Verwandten ist das Eine sicher: Sie wurden von Anfang an nicht GrünwaId geschrieben und können darum auch für diesen Namen nicht beansprucht werden. Es ist dem Verfasser gelungen, die Familie ziemlich weit in die Vergangenheit zurück zu-verfolgen. Der Weg aber, den er dabei einschlagen musste, glich den Gängen des Labyrinth. In ihnen musste der Verfasser über ein Jahrzehnt herumsuchen, bis ihm ein Zufall wieder ein paar Schritt nach vorwärts gestattete.

Von der Augsburger Familie selber war nur das Eine zu erfragen dass der Vater Johann Grünwald aus Lutzingen nach Augsburg gekommen sei. Eine Anfrage in Lutzingen wies den Verfasser an die Pfarrei Altenmünster in Schwaben, wo der Vater des in Lutzingen 1842 geborenen Johann Grünwald am 3.2.1800 getauft worden ist.

Großvater Johann Grienwald – also der Vater des nach Lutzingen ausgewanderten Johann Baptist Grünwald – hatte in Altenmünster zweimal geheiratet, 1775 und 1786. Bei der ersten dieser beiden Trauungen war als Ort seiner Geburt Wehlheim und als Tag derselben der 19.Juni 1748 angegeben. Ein Ort Wehlheim war aber trotz :allen Suchens nicht zu finden. Zuerst dachte der Verfasser an Wellheim bei Monheim, bekam aber von dort die Antwort, dass daselbst niemals eine Familie mit ähnlichem Namen gewesen sei. Dann dachte er, Wehlheim könnte mit Weilheim identisch und die Schreibart auf die schwäbische Aussprache zurückzuführen sein. Weilheim gab es aber in Bayern zwei. Unter den vielen Greinwald der Stadt Weilheim samt Umgebung fand sich nicht ein einziger Knabe, der um die fragliche Zeit getauft worden wäre. Eine Anfrage aber in dem anderen Weilheim  (bei Monheim) wurde von dem dortigen Pfarramt unterm 26.2.1925 mit der Bemerkung beantwortet: „Die Weilheimer Matrikelbücher gehen bis 1680 zurück und sind vorzüglich registriert, aber der Name Grünwald oder ein ähnlicher findet sich hier nicht“.

Schon gab der Schreiber dieser Zeilen jede Hoffnung auf, eine weitere Spur zu finden, als ihm wieder ein Zufall zu Hilfe kam. Er fand im katholischen Friedhof an der Hermannstras-se in Augsburg den Grabstein eines Franz Xaver Grünwald, geboren am 14.11.1855 in Ostendorf, gestorben 14.2.1898 in Augsburg. Nun war aber Osterdorf ein 0rtsname, der seit langem im Kopfe des Verfassers vermerkt war. Hatte doch ein Michael Grünwald von Ostendorf, geboren 9.5.1858, am 7.10.1893 in der Pfarrkirche Hl. Geist in München geheiratet, und ebenda am 9.10.1900 ein Georg Grünwald von Ostendorf, geboren 3.5.1862. Ohne zu ahnen, dass eine Streife nach Ostendorf von Einfluss auf die Erklärung des rätselhaften „Wehlheim“ sein könnte, wandte sich der Verfasser an das Pfarramt Westendorf, wohin Ostendorf in die Pfarrei gehört. Dort fanden sich nicht bloß die Eltern und Großeltern der beiden in München bei Hl. Geist getrauten Michael und Georg Grünwald, sondern auch die Trauung und die Herkunft des am 3.12.1786 in Ottmarshausen geborenen Xaver Grünwald. Dessen Eltern hatten laut Mitteilung des Pfarramtes Ottmarshausen am 25.5.1784 daselbst geheiratet und dabei fand sich die Angabe, dass Vater Johann Georg Grünwald aus Westheim gebürtig sei. Jetzt gings natürlich im Sturm über die Pfarrbücher von Westheim (Pfarrei Hainhofen) her. Was da gefunden wurde, war genügend, um jenes Wehlheim als Westheim bei Augsburg zu „entlarven“, womit wieder ein gewaltiger Schritt nach vorwärts getan war.

Da der erste Westheimer Grünwald aus Agawang bei Augsburg stammte, so gelang es dem Verfasser hier – also auf der neunten Station seiner Suche – die Ahnen der Augsburger Lohnkutschersfamilie hinauf bis etwa zum Jahre 1620 zu entdecken. Auf diesem Wege kam folgender Stammbaum zustande:

B. Spezielles.

Eltern: Hans und Anna Grienwald in Agawang. Nachdem die Trauungsmatrikeln von der Trauung der beiden nichts melden, so konnte der Herkunft dieser Eheleute weiter nicht nachgeforscht werden. Sicher ist nur, dass sie schon anfangs des Jahres 1650 in Agawang ansässig waren, denn dort wurden ihnen sechs Kinder getauft, nämlich: Mathias, geboren 1650; Urban, Maria, Walburga, Michael, Magdalena; nach dem Tode der letzteren nochmal eine Magdalena.

I. Generation:

Matthias Grienwaldt, geboren 11.2.1650 als ehelicher Sohn des Hanns Grienwaldt und seiner Gattin Anna.

a.) Mathias Greinwaldt heiratete

am 23.7.1675 in Agawang
Anna Gleichin.

b)  Kinder ( II. Generation)

1.) Matthias oder Mattheus

2.) Jacob

3.) Maria

4.) Johannes

5.) Katharina

6.) Walburga

7.) Georg, geb.1687 ( siehe unter II.)

8.) Peter

9.) Leonhard

10.) Thomas

11.) Agnes

12.) Anna.

II. Generation:

Georg Grienewald, geboren 4.5.1687 in Agawang, heiratete am 27.1.1716 in Hainhofen als Georg Grünenwald von Agawang die Anna Mehringerin von Westheim bei Augsburg. Sein Todestag ist in Westheim eingetragen unterm 1.8.1751 mit dem Beisatz: „laboriosus et vere christianus“. Bei allen Kindern sind die Eltern Georg und Anna, und als Taufpaten die Herren von Langenmantel oder deren Stellvertreter Andreas Eggard und Maria Rainin von Augsburg angegeben.

a) Georg Grünenwald heiratete

27.1.1716 in Hainhofen:

1.) Anna Mehringerin

von Westheim gest. 5.3.1720

und als Witwer 9.4.1720:

2.) Anna Maria Gütmayerin

gest. 8.9.1759 als Witwe Anna

Maria Grünenwald in Westhaimb.

b) Kinder (III. Generation):

1.) Bartholomäus, geb. 23.8.1718, gest.?

2.) Joseph,  geb.1720 ( siehe unter IIIa)

3.) Georg, geb.9. 3.1721, gest. 3.4.1740 19 Jahre alt.

4.) Maria, geb.21.12.1722, gest.?.

5.) Katharina, geb. 27.10.1724, gest.?

6.) Franziska, geb. 29.121726, gest.?

7.) Andreas, geb.1728 ( siehe unter IIIb)

8.) Leonard, geb. 28.11.1733, gest.?

9.) Anna, geb.3.7.1735, gest.?

10.) M.Victoria, geb.2.11.1737, gest.?

Nur von zwei Söhnen wurde dem Verfasser die Nachkommenschaft bekannt, nämlich von Joseph und von Andreas (siehe unter III a und IIIb).

IIIaGeneration:

Joseph Grünwald, geboren 4.7.1720 als Sohn des Georg Grünwald und seiner Gemahlin Anne in Westhaimb, wahrscheinlich identisch mit dem am 23.3.1754 in Westhaimb gestorbenen Joseph Grünwald. Seiner ersten Gemahlin Victoria gibt der Schreiber des Totenbuches den Beisatz: „magna virtus“ (des heißt von großer Tugend), seiner zweiten Gemahlin Katharina „prudentia et virtus“ (das heißt: eine gescheite und tugendsame Frau).

a.) Joseph Grünwald heiratete

am 5.7.1746 in Westheim

1.) Victoria Altprechtin,

2.) als Witwer 1.8.1747 Katharina Geisslerin

3.) und Victoria Gallbronnerin am. 13.8.1748.

b.) Kinder (IV. Generation):

1.) Anton, geb. 9.6.1747/gest.?

2.) Johann Baptist Alois, geb.1748 (siehe unter IVa)

3.) Maria, geb. 25.6.1749, gest.?

4.) Anton, geb.21.6.1751, gest.?

5.) M.Rosina, geb. 24.2.1754, gest.?

IVa Generation:

Johann Grünwald, laut Eintrag im Trauungsbuch von Altenmünster in Schwaben zu Wehlheim am 19.6.1748 geboren, womit natürlich nur Westheim bei Augsburg gemeint ist. (Nach langem Forschen stellte sich heraus, dass „Wehlheim“ falsch geschrieben war und gleichbedeutend mit Westheim bei Augsburg ist, wo am 19.6.1748 dem Ehepaar Joseph und Katharina ein Sohn Johann Baptist Alois geboren wurde). Die Mutter des Kindes scheint aber nach der Geburt gestorben zu sein. Johann Baptist wurde der Stammvater der Augsburger Lohnkutschersfamilie Grünwald. Die Kinder erster Ehe sind alle mit „ie“, jene der zweiten Ehe aber alle mit „ü“ geschrieben. Der Geburtsort sämtlicher Kinder ist Hennhofen, die Pfarrei Altenmünster.

a) Johann Grünwald heiratete

am 27.6.1775 in Altenmünster

1.) Maria Bücherin, geb. 8.5.1750

in Winterbach ( Schwaben)

und

2.) Katharina Demharterin am 9 5.1786
in Hennhofen

b.) Kinder (V. Generation):

1.) Anna Maria, geb. 27.7.1776, gest. ?

2.) Joseph, geb. 27.7.1777, gest. ?

3.) Afra, geb. 31 .7.1778, gest. ?

4.) Anna, geb. 23.9.1779, gest. ?

5.) Anna, geb. 4.5.1780, gest. ?

6.) Margaretha, .geb. 3.7.1785, gest.?

7.) Joseph, geb. 7.5.1785, gest.?

aus zweiter Ehe:

8.) Joseph, geb. 28.4.1787, gest. ?

9.) Katharina, geb. 24.5.1789, gest. ?

10.) Maria, geb. 6.1.1791, gest. ?

13.) Johann Baptist, geb.1800
 (siehe unter Va).

Va. Generation:

Johann Grünwald, geboren 3.2.1800 in Hennhofen, Pfarrei Altenmünster in Schwaben.
Er heiratete 26.7.1830 in Lutzingen Maria Anne Grimminger, geboren 6.4.1803 in Lutzingen.

Der Ehe entsprangen neun Kinder (VI. Generation), von welchen dem Verfasser nur bekannt wurde: Johann Georg, geboren 24.4.1842 in Lutzingen. Er heiratete nach Augsburg und starb dort als Lohnkutschereibesitzer 1923. Seine Familie existiert noch.

Zur gleichen Sippe gehört folgende Familie:

IIIb Generation:

Andreas Grünwald siehe vorausgehend unter  II. Generation – geboren 28.11.1728 als Sohn des Georg Grünwald und seiner Gemahlin M.Anna von Westheim. Da seine am 5.1.1756 in Westheim verstorbene Frau Theresia „Hospitissa de Westhaimb“ genannt wird, so scheint er Wirt in Westheim gewesen zu sein.

a) Andreas Grünwald heiratete

am 5.8.1752 in Westheim

1.) Therese Sandnerin

und als Witwer am 27.4.1756

2.) Veronika Probstin.

b) Kinder (IV. Generation):

1.) Therese, geb. 29.9.1753, gest. ?

2.) M.Barbara Grünenwald,
geb.29.11.1754, gest. ?

3.) Kaspar, geb. 4.1.1756, gest. ?

aus zweiter Ehe:

4.) Joseph, geb. 7.3.1757, gest. ?

5.) Johann Georg, geb. 27.3.1758, gest. ?

Er dürfte identisch sein mit dem folgenden:

IVb Generation:

Johann Georgius Grünwald de Westheim, welcher am 25.5.1734 in Ottmarshausen als Joannes Georgius Grünwald aus Westheim die Maria Katharina von Herbertshofen, ge-boren 25.3.1764, heiratete; denn es gab in Westheim um jene Zeit nur noch einen Johann Grünwald, welcher 1748 geboren und 1775 in Altenmünster heiratete. Beide Johann Grünwald waren Geschwisterkinder. In den Taufmatrikeln von Ottmarshausen findet sich nur ein Kind des Johann Georg Grünwald von Westheim und seiner Gemahlin Katharina Demeter, nämlich Xaver, geboren 3.12.1786 als Xaver Grünenwald, den wir später unter genauer Angabe seines Geburtsdatums wieder in Westendorf finden. In Westendorf be-kam dieser Xaver noch zwei Geschwister, nämlich:

M.Katharina Grünwald, geboren 12.11.1797, und Johann Georg, geboren 18.7.1801 als Grinenwald. Andere Geschwister dürften in anderen Orten geboren sein. Die Eltern sind offenbar von Westendorf wieder weggezogen, weil sie sich auch im Totenbuche nicht finden.

a) Johann Georgius Grünwald heiratete

am 25.5.1784 in Ottmarshausen

M.Katharine Demeterin

von Herbertshofen.

b) Kinder (V. Generation):

1.) Xaver Grünenwald, ,geb.1786
(siehe unter Vb).

2.) M.Katharina Grünwald, geb
12.12.1797 .in Ostendorf, gest.?

3.) Johann Georg Grünenwald,
geb.18.7.1801 in Ostendorf, gest.?

Während die Eltern aus Ostendorf fortzogen und vielleicht anderswo noch weitere Kinder erhalten haben, hat ihr Sohn Xaver später wieder nach Ostendorf zurückgefunden und sich dort durch Heirat mit der Victoria Steger vom gleichen Ort ansässig gemacht.

VbGeneration:

Xaver Grün(en)wald, geboren 3.12.1786 in Ottmarshausen als ehelicher Sohn des Johann Georg Grünwald und seiner Gemahlin M.Katharina Demeter.

a) Xaver Grünwald heiratete

14.1.1814 Victoria Steger
von Ostendorf

b) Kinder (VI. Generation):

1.) Johann Baptist, geb. 1814 (siehe unter VIb.)

2.) Anna, geb. 6.7.1818, gest.?

3.) Leonhard, geb.6.11.1820, gest.?

4.).Katharina, geb. 24.11 1822, gest.?

5.) Magdalena, geb. 21.7.1824, gest.?

6.) Xaver, geb. 16.8 .1827, gest.?

7.) Georg, geb, 20.5.1829, gest.?

VIb Generation:

Johann Grünwald, geboren 4.8.1814 in Ostendorf als ehelicher Sohn des Xaver Grünwald und seiner .Gemahlin Victoria Steger.

a) Johann Grünwald heiratete

am 24.10.1848 in Westendorf

Maria Strodl von Meitingen.

b)  Kinder (VII. Generation):

1.) Narzissus, geb. 26.10.1841, gest.?

2.) Joseph, geb. 1849 (siehe unter VIIb)

3.) Johannes, geb. 5.6.1851, gest.?

4.) Veronika, geb. 10. 2.1854, gest.?

5.) Xaver, geb. 14.11.1855. Er soll zufolge der Aufzeichnungen des Totenbuches am 18.12.1867 gestorben sein. Das ist unerklärlich, denn auf dem Grabstein im Augsburger katholischen Friedhof fand der Verfasser einen Xaver Grünwald von Ostendorf, welcher gleichfalls am 14.11.1855 in letztgenanntem Orte geboren ist und erst 14.2.1898 in Augsburg starb. Das übereinstimmende Geburtsdatum zeigt, dass es sich um ein und. Dieselbe Persönlichkeit handelt. Es muss also die Sterbedatenangabe im Totenbuch eine urtümliche sein. Der Sohn des Xaver, Franz Xaver Grünwald, geboren 5.11.1889, starb am 26.2.1916 in Chicago.

6.) Michael, geboren 9.5.1858. Er ist offenbar derselbe wie jener Michael Grünwald, welcher unterm 7.10.1893 in der Münchener Hl. Geist-Pfarrkirche als Michael Grünwald aus Ostendorf, Kutscher und Hausmeister, Sohn des Bauern Georg Grünwald und seiner Frau Anna (gestorben), geborene Strodl, die Köchin Josepha Seebauer ehelichte.

7.) Georg, geboren 3.5.1861, gest.?
Er ist augenscheinlich identisch mit dem Dienstmann Georg:
Grünwald, der am .29. 10.1900 in der Hl. Geist-Pfarrkirche zu München die Creszenz Huber von Haidbach, geboren 9.11.1866, heiratete. Hierbei wird er als ehelicher Sohn des verstorbenen Johann Grünwald, Oekonom in Ostendorf, und der verstorbenen Maria, geborene Strodl, angegeben. Sein Bruder Michael war Trauzeuge bei ihm; der Vater hieß Johann Georg.

VIIbGeneration:

Joseph Grünwald, geboren 28.7.1849 als ehelicher Sohn des Johann Grünwald und seiner Gattin Maria, geborene Strodl.

a) Joseph Grünwald heiratete 3.2.1874

in Westendorf Victoria Oslmayr.

b) Kinder (VIII.Generation):

Das Weitere ist im Pfarramt Westendorf zu verfolgen.

Anmerkung 13

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Grienwald)

Auch die Grünwald und Grünwalder von Ostin (Pfarrei Gmund bei Tegernsee) trugen früher den Namen Grienwald. Laut Mitteilung des Pfarramtes Reichersbeuern bei Tölz ist dort am 7.1.1662 ein Melchior Grünwalder geboren als ehelicher Sohn der Bauernleute Georg und Maria Grünwalder von Untermühlberg, Pfarrei Hechenberg. Er heiratete am 13.4.1693 die „Pauli“ – Bauern-Tochter Ursula Scherer von Greiling und wurde dadurch Besitzer des Anwesens zum „Pauli“ in Greiling. Melchior Grünwalder starb am 28.3.1719 in Reichersbeuern.

Seine Kinder waren: 1.Andreas, 2. Maria, 3. Leonhard, geboren 7.12.1705, welcher durch Heirat „Kolb am Schuss“ wurde; 4.Joseph, 5. Ursula, verheiratete Christin von Waakirchen.

Leider war es nicht möglich die Ahnen dieses Melchior Grünwalder in der Pfarrei Hechenberg weiterzuverfolgen, weil die dortigen Pfarrmatrikeln bloß bis zum Jahre 1762 zurückreichen. Es sind zwar in dieser Pfarrei noch Grünwalder in Ellbach und Schnait vorhanden, die wahrscheinlich Nachkommen der gesuchten Familie sind, aber für die Anfänge derselben vermögen sie uns keinerlei Aufschluss zu geben.

Umso reichlicher war die Ausbeute, welche der Verfasser im Pfarrarchiv von Gmund machte. Allerdings muss, was er dort fand, als Beweis dafür angesehen werden, dass es in jener Gegend frühzeitig Grünwalder gegeben hat, die zuerst Grienwalder geschrieben worden sind und ganz gewiss mit den Greinwald’s unserer Geschichte nicht in Zusammenhang stehen. Damit aber das unter vielen Schwierigkeiten gefundene geschichtliche Material gelegentlich dieser Familie zugänglich gemacht werden kann, sei es hier zusammengetragen.

Ein Vergleich der ältesten Matrikeln der Pfarrei Reichersbeuern und Gmund ergibt die Tatsache, dass in der Pfarrei Hechenberg um 1650 ein Georg Grienwalder einen Bauernhof besaß; von diesem Grienwalder sind zwei Söhne bekannt, nämlich:

1.) Benedikt Grienwalder in Gmund, geb. um 1654, da er 1728 im Alter vor 74 Jahren starb.

2.) Melchior Grünwalder in Reichersbeuern, welcher, wie schon bemerkt, 1662 in der Pfarrei Hechenberg geboren wurde.

3.) Antonius: H.H. Pfarrer Demleitner entdeckte auch noch einen 3. Sohn mit dem Namen Antonius, derselbe muss 1665 geboren sein; denn er heiratete am 13.1.1687 die Eva Schwaiger in der Jachenau und wurde dadurch Besitzer des Lehens „beim Niggl“. Bei Benedikt sind als Eltern Georg und Margaret, bei Melchior und Anton Georg und Maria angegeben. Vergleiche IV.Teil bei Jachenau.

Die Linie des Benedict ist, wie es scheint, mit ihm ausgestorben, denn nur so ist es erklärlich, dass ein Sohn des Melchior, nämlich Leonhard Grienwalder, auf das Anwesen des Benedict einheiraten konnte,

Jener Georg Grienwalder, ehelicher Sohn des Georg und der Maria, welcher im November 1655 in Gmund eine Anna heiratete, kann verwandtschaftlich nicht eingereiht werden, es müsste dann sein, dass er dreimal verheiratet war, zuerst mit einer Margaretha, aus welcher Ehe um 1654 Benedict entsprossen wäre, dann mit Anna, mit welcher er sich 1655 vermählte, und endlich mit Maria, welche die Mutter des Melchior war. Weil dieser Georg um 1620 geboren sein müsste, wäre die Hochzeit seiner Eltern um diese Zeit anzusetzen. Ein Bruder des Benedict und des Melchior kann er wegen des Altersunterschiedes nicht sein. Sollte sich später das Gegenteil herausstellen, so fällt das erste Glied am Stammbaum – also Georg und Maria – einfach weg.

Was aus der Stamm-Familie in der Pfarrei Hechenberg geworden ist kann in folge des Abhandenkommens der dortigen Matrikelbücher nicht mehr gefunden werden. Doch darf die Annahme als sicher gelten, dass die heute noch in dieser Pfarrei ansässigen Grünwalder zu Ellbach und Schnait Nachkommen der Untermühlberger Stamm-Familie sind. Vielleicht hängen die Grünwalder welche schon von 1639 an sicher in Lenggries sich finden, auch mit dieser Familie zusammen. Das dort zuerst genannte Ehepaar ist Christoph und Jacobia Grünwalder, denen am 9.2.1639 in Lenggries ein Sohn Hans geboren wurde, der, wie seine Eltern, acht Kinder hatte. Der Mangel früherer Matrikeln machte es unmöglich zu entscheiden, ob diese Grünwalder-Familie schon früher in Lenggries war oder ob sie etwa mit der um jene Zeit in Lenggries neu zugezogenen Ortsherrschaft von Hohenburg, dorthin gekommen ist. Erst Ende 1938 gelang es dem Verfasser durch einen Fund im Bayr. Hauptstaatsarchiv auch diese Frage etwas zu klären. Im Salbuch von Benediktbeuren ist ein Giltenverzeichnis über die Jahre 1553 1558 beigebunden. In demselben wieder-holt sich:

„Item von ainem guet zu Lenggries darauf Augustin Greinwaldt (deutl.) sitzt, gibt jährlich zur Gilt wie folgt“. Gutsherrin war damals  Anna Höhenkirchen zu Kuenigsdorf und Iffeldorf.  Aus diesem Aktenstück ist zu ersehen:

1. dass die Greinwald schon 1553 bis 1558 in Lenggries .auf einem Bauernhof saßen,

2. dass schon diese ältesten Greinwald diesen Namen führten

3. dass wahrscheinlich die Greinwalder von Iffeldorf und vielleicht auch die Greinwalder (fälschlich Grienwalder geschrieben) in der Tölzer Gegend zur gleichen Sippe gehörten.

Nach dem Vorausgehenden lässt sich folgender Stammbaum für die Gmunder Grünwalder-Familie zusammenstellen:

Erstgenanntes Ehepaar Georg und Maria Grienwalder (mit „ie“, nicht „ü“), deren Sohn Georg Grienwalder im November 1655 in Gmund eine Anna heiratete. Er wird dabei ausdrücklich der „eheliche Sohn des Georg und der Maria“ genannt.

I. Generation:

Georg Grienwalder (Sohn), Eltern: Georg und Maria, heiratete im November 1655 in Gmund. eine Anna, muss aber vorher schon eine Gattin Margaretha, und nach ihr noch eine Ehefrau Maria gehabt haben, wie sich aus den Ehematrikeln des Benedict Grienwald und des Melchior Grienwalder  ergibt.

a.) Georg Grienwalder war

verheiratet mit Margaretha,

seit 1655 mit Anna und danach

wahrscheinlich noch mit einer Maria um 1661.

b.) Kinder (II.Generation):

1.) Benedict Grienwald, ehelicher Sohn des Georg und seiner Gemahlin Margaretha. Da er am 27.9.1728 im Alter von 74 Jahren starb, war er um 1654 geboren und heiratete am 22.10.1696 in Gmund 1. Katharina Kolb, des Georg Kalb „an vorderen Schuss“ hinterlassene Witwe; als Witwer Grienwalder „zum Kolb am unteren Schuss“ 2. Elisabeth Obermillerin Witwe. .Zeuge bei erster Hochzeit war Melchior Grienwald, welcher wahrscheinlich mit dem Melchior Grienwalder von Greiling identisch ist, dessen Sohn Leonhard infolge der Kinderlosigkeit des Benedict diesen –  offenbar seinen Onkel – beerbte. Bei der zweiten Hochzeit des Benedict lebte Melchior nicht mehr.

2.) Melchior Grünwalder (siehe unten unter II.Gen.)

3.) Anton Grienwalder, geb. um 1665, heiratete in die Jachenau (siehe vorausgehend unter H. Pfarrer Demleitner ).

II.Generation:

Melchior Grünwalder (Enkel),laut Mitteilung des Pfarramtes Reichersbeuren bei Tölz ge-boren am 7.1.1662 als ehelicher Sohn der Bauerneheleute Georg und Maria von Untermühlberg, Pfarrei Hechenberg. Er wurde durch seine Heirat mit der Tochter des „Pauli“ – Bauern, Ursula Scherer von Greiling am 3.4.1693, Besitzer des Anwesens zum „Pauli“ in Greiling und starb am 28.3.1719. Von seinen Kindern ist dem Verfasser nur über den Sohn Leonhard näheres bekannt geworden. Melchior ist in Gmund immer Grienwald oder Grienwalder, in Reichersbeuren Grünwalder geschrieben.

a) Melchior Grünwalder war
verheiratet

mit Ursula Scherer, Erbtochter

zum „Pauli“ Bauern in Greiling.

b.) Kinder (III.Generation):

1.) Andreas

2.) Maria

3.) Leonhard, geb. 1705 (siehe unter III.)

4.) Joseph

5.) Ursula, verheiratete
Christlin von Waakirchen.

III. Generation:

Leonhard Grienwalder (Urenkel), geboren 7.11.1705 zu Greiling als ehelicher Sohn des Melchior und der Ursula. Er heiratete am 6.2.1736 in Gmund die Ursula Gschwandtner. Bei seiner Hochzeit mit vorgenannter waren beide Eltern schon tot. Wie sich aus den Taufmatrikeln seiner Kinder ergibt, saß er „am unteren Schuss“, ist also der Erbe des Benedict Grienwalder gewesen.

a) Leonhard Grienwalder war verheiratet

1. seit 6.2.1736 mit

Ursula Gschwandtner;

als Witwer heiratete er 14.11.1757

2. Jungfrau Barbara 0ettl.

Kinder (IV. Generation):

1.) Barbara (deutlich „greinwalt“ geschrieben), geb. 5.5.1737, gest.?

2.) Leonhard Grienwalder, geb. 4.9.1738, gest. 16.11.1738

3.) Franziskus Grienwalder, geb. 1739 (sieh unter IV Gen.).

4.) Leonhard Grienwalder, geb. 17.2.1742 als ehelicher Sohn des Leonhard und der Ursula Grienwalder, heiratete 13.5.1779 in Gmund Jungfrau Magdalena Kirschenhofer.

5.) Joseph, geb.29.1.1745, gest.?.

Kinder (V. Generation) des Leonhard):

1.) Leonhard, des Leonhard Grienwalder Lindls(?) „am unteren Schuss“ und der Magdalena Gangin ehelicher Sohn, geboren 5.11.1781.

2.) Magdalena Grienwaldin, eheliche Tochter des Leonhard Grienwalder „beim Kolben am unteren Schuss“ und der Magdalena Gambsin vor Haapn(?) zu Warngau; Taufe 8.5.1780.

IV. Generation :

Franziskus Grienwalder von Unterschuss, ehelicher Sohn des Leonhard Grienwald „am unteren Schuss“ und seiner Gemahlin Ursula, nach Ausweis der Pfarrmatrikel geboren 8.11.1739 in Gmund, gestorben dortselbst 16.11.1807 im Alter von 68 Jahren, heiratete in Gmund am 17.8.1772 Maria Härzberger, Mayr zu Ostin, Pfarrei Gmund, Witwe, gestorben 30.1.1820, 51 Jahre alt. (Soll vielleicht 71 heißen, sie war ja schon 1772 eine Witwe). Ihr erster Gatte war Melchior Härzberger. Sie selber die Tochter .des Georg Haslauer, „Sepp an der Gassen“ und erhielt, wie die Tegernseer Briefprotokolle (mitgeteilt durch A. Roth) melden‚ samt ihrem Gatten 30.6.1792 Neustift auf den halben Hof.

a.) Franz Grienwalder heiratete

17.8.1772 in Gmund Witwe Maria

Härzberger von Ostin, Pfarrei Gmund, gest. 30.1.1820, 51 Jahre alt. Wird in den Taufmatrikeln der Kinder Härzberger geb. Hap-Bäuerin und Maria Haselauerin vom „Seppen in der Gassen“        und Maria Haselauerin vom        „Seppen in der Gassen“
geschrieben.

b.) Kinder (V. Generation):

1.) Franz Grienwalder, geb. 23.5.1773,
gest. 1797.

2.) Franz Ignatius Grienwalder, geb. 2.8.1774, gest. 1779.

3.) Maria Grienwaldin, geb.4.2.1776, gest. ?

4.) Anton Grienwalder, geb. 27.10.1777,
gest. 1810.

5.) Franz Joseph Grienwalder, geb 1779, (siehe unter V).

6.) Johann Baptist Grienwalder, geb. 19.2.1780‚ gest.?

V. Generation:

Franz Joseph Grienwald, geboren 27.8.1779 „beim Mayr“ in Ostin als ehelicher Sohn des Franz Grienwald und seiner Gemahlin Maria, gestorben am 4.8.1862 in Ostin.

a.) Franz Joseph Grienwald heiratete

17.1.1820 zu Gmund M. Anna

Staudacher, geb. 5.4.1795 „beim Kistler“, gest. 19.11.1834, 39 Jahre alt.

b.) Kinder (VI. Generation):

1.) Anna, geb. und gestorben 1820.

2.) Joseph‚ geboren und .gest. 2.11.1821

3.) Joseph, geb. 29.10.1822, gest.?

Die Familie existiert „beim Mayr“ in Ostin heute noch fort. Auch auf dem Anwesen „beim Elendt in der Gassen“ zu Gmund (Haus Nr.58/133) gab es eine Zeitlang Grünwald („ü“). Es war nämlich durch Kauf vom früheren Besitzer Schwarzenböck an die Grünwald’s von 0stin übergegangen, denn wahrscheinlich war es der Sohn des erstgenannten Joseph Grienwald, welcher am 23.4.1894 als Gregor Grünwald – Maierbauerssohn von Ostin, – geboren 20.9.1860, die Rosina Hofer, Schmiedstochter vor Kasten bei Eilbach, geboren 20.9.1866, heiratete und das erwähnte Anwesen in Besitz nahm. Dieses ging durch Heirat der Tochter an die Familie Rank über.

Anmerkung 14

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Greimolt) 

Über die Besitz- und Erbschafts-Verhältnisse in früherer Zeit.

Nachdem in diesem Werke wiederholt Besitz- und Erbschafts-Verhältnisse erwähnt wer-den, welche in unserer Zeit nicht mehr gebräuchlich sind, und deshalb nicht mehr verständlich sein dürften, so sei hier einiges angefügt, was der Verfasser in einem Werk des Pfarrers Schmidt von Pötsmoos (bei Mainburg) gefunden hat und mit dessen gütiger Erlaubnis seinem Buche entnahm.

„Bis zum Jahre 1848 waren die Bauern gewöhnlich nicht Eigentümer Ihres Bodens. Viel-mehr war der weitaus größte Teil an Grund und Boden jahrhundertelang im Eigentum vor Großgrundbesitzern, des Landesherrn, der Adeligen, der Klöster und Kirchen. Diese verliehen die Höfe und Grundstücke nach Art eines Pachtes gegen eine jährliche, bestimmte Abgabe, welche man Stift oder Gilt nannte, an bäuerliche Pächter. Diese früheren bäuerlichen Grundabgaben (=Stift- oder Grundzins, Getreidegilt, Handlohn, Küchendienst usw.) waren also nichts anderes, als eine andere Form oder Ersatz des Pachtschillings.

Bezüglich der Pachtzeit gab es dreierlei Formen:

1. Die Freistift, wenn das Pachtgut in jederzeit widerruflicher Weise hingeliehen wurde, je nach Gunst oder Missgunst des Pachtherren, daher auch Herrengunst genannt.
2. Das
Leibrecht, wenn der Pacht auf Lebenszeit des Pächters dauern sollte.
3. Das
Erbrecht, wenn das Gut oder Grundstück in unwiderruflicher Weise auch nach dem Tode des Pächters auf seine Nachkommen übergehen sollte.

Im früheren Mittelalter waren Freistift und Leibrecht die gewöhnliche Pachtweise. Seit dem 17.Jahrhundert ging das Streben mehr und mehr nach Erbrecht, wobei der Pächter das Gut unter gewissen Bedingungen und Vorbehalten sogar vertauschen oder verkaufen konnte. Doch niemals konnte der bäuerliche Pächter freier Eigentümer werden, da das Obereigentum fast aller Höfe und Grundstücke in solchen Händen lag, welche – wegen der anfallenden Reichnisse – niemals gewillt waren, vom Obereigentum abzustehen und es den Bauern zu überlassen.

Durch Gesetz vom Jahre 1848 wurde alles Obereigentum abgeschafft und der Bauer freier Eigentümer seines Bodens. Das bei der Besitzveränderung schuldige Handlohn (laudemi-um) wurde ein für alle Mal fixiert (=festgesetzt) und in Bodenzins umgewandelt. Dieser wurde kapitalisiert und von diesem Kapital musste der Besitzer jährlich Zins zahlen“. So bei Pfarrer Schmidt.

In der Familie Greimolt und Greinwald sind alle Arten dieses Lehens- und Erbrechtes vertreten. Wir finden darunter Besitzer liegender Güter, zum Beispiel der reiche Ratsherr Georg Greimolt in Weilheim verkaufte 1489 einen Hof zu Unterhausen samt drei Tagwerk Wiesenmat.

Wir finden auch solche, welche zu dem Besitztum, das sie selbst hatten, noch das eine oder andere Gut gegen Zins von einem Herrn oder Kloster zu Lehen nahmen. So verleibte (1537) das Kloster Polling dem Jörg Greimolt, Maler und Bürger zu Weilheim, eine Hube in Seeshaupt und dazu noch einen Zehnten des Klosters in Weilheim, welcher vor-her der Tochter des Weilheimer Goldschmiedes und Ratsherrn Kaspar Greimolt, der Goldschmiedsehegattin Sternin in Augsburg, verleibt gewesen war. Wie die Seeshaupter Chronik (Graf, Seite18) erzählt, verlieh 1531 Leonhard, Probst zu Beuerberg, an Hans Greymold, welcher auch Grimwold und Greinwald geschrieben wird, Leibrecht auf dem Reuthof zwischen Seeshaupt und Hohenberg gegen eine jährliche Abgabe von sechs Pfund Pfennig, und als Stift 12 Ehrungen, nämlich zu Weihnachten, sechs in der Fasten, je eine in der Pfingsten, zu Peter und Paul, zu St. Augustin und die letzte zu Kirchweih; außerdem als jährlichen Zins 66 gute, getrocknete Renken. Dieser Hof lag an der Straße nach Hohenberg, westlich vom heutigen Bahnhofgebäude.

Endlich finden wir auch solche Greimolt und Greinwald, welche ihren Hof teilen oder vererben konnten, allerdings nicht ohne die Erlaubnis des Herrn oder des Klosters. So konnte Kaspar Greimold (=Greinwolt) im Jahre 1609 mit Erlaubnis des Klosters Polling die Hälfte seines Gutes in Oderding seinem Sohne Johannes Greinwald bei dessen Hochzeit mit Katharina Panholzer abtreten. Auch Kasper’s Witwe Margaretha benötigte der gleichen Erlaubnis, um Johannes auch noch die andere Hälfte des Gutes gegen eine Abfindung von 390 fl. zuschreiben zu lassen.

Selbst Leibeigene haben sich unter den Greimolts gefunden. Wie schon am Anfang dieses Abschnittes erwähnt wurde, berichtet ein Register der Eigenleute des Klosters Polling „in der Eberfinger Pfarr: Balthassar Greymold, der Margarethen Weynhartlin von Polling sone, ist unser Leibaygen sambt allen seinen töchtern. item hat ein Bruder, heißt Lenhart, hausst und sitzt zu Peel hinter dem Perndorffer und ist auch unsers Gotzhaus“. Von dem-selben Balthasar heißt es im Pollinger Stiftsbuch vorn Jahre 1575 „er vergundt dem jungen Veyt Greymolt auf das gantz gut hinein zu heiraten“. 1553 heißt es von ihm: „er baut ein Hof“.

Wie die Greimolt‘ s und die Weynhardt´s Leibeigene des Klosters Polling geworden sind, lässt sich aus den Polling Archivarien nicht erklären. Diese Leibeigenschaft ist um so auf-fallender, als um jene Zeit der Wirt Weynhart von Polling starb, dessen letzte Gattin eine Greimolt war. Beide müssen wohlhabende Leute gewesen sein, wie der aus dem Jahre 1576 stammende Grabstein beweist, der im Kapitel 3, &2 schon Erwähnung gefunden hat.

Es gelang aber dem Verfasser bei seinen Greinwald-Forschungen im Pfarrarchiv zu Egern, das einst zum Kloster Tegernsee gehörte, die Erklärung dafür zu finden, wie aus ehemals freien Leuten Leibeigene eines Herrn oder eines Klosters geworden sind:

Die dort gemachten Feststellungen sind folgende:

  1. 1.Wenn eine unfreie Tochter auf ein dem Kloster Tegernsee gehöriges Anwesen heiratete, musste der einheiratende die Leibeigenschaft annehmen, sonst würde ihm die Einheirat nicht gestattet worden sein. Als am 30.3.1722 Margaretha Erlbacherin, die Witwe „beim Aschenbrenner auf der Glashütte“, ihr Anwesen dem Thomas Jaud verkaufte, „haben sich Thomas Jaud und seine Gemahlin Katharina Stubenbeck bei der Neustift am 30.3.1722 als Tiroler der Servitut (der Leibeigenschaft) unterwerfen müssen“. Am 3.4.1717 wird uns erzählt, „dass der Hans Messner, welcher die Leib-eigene Katharina Hössin heiratete, zwar frei gewesen ist, dass er sich aber freiwillig dem Servitut unterworfen hat“. Das „Leibzinsbuch Egerer Pfarr“ teilt mit, dass Christoph Ruprechter bei der am 5.11.1712 vorgenommener Neustift freiwillig sich der Leibeigenschaft unterworfen hat. Sein Bruder Mathias wollte sich in Landshut als angehender Stadtbot verheiraten und musste dafür einen Maxdor bezahlen. Auf Seite 205 des gleichen Buches findet sich die Bemerkung: „Georg Lendtner, Insitzer „beim Wau“(?), und seine Gemahlin Barbara Schöffmannin, beide Taglöhner, haben bei Neustift auf getanen Vorhalt die Leibeigenschaft angenommen.“ Ihr Sohn Kaspar wollte sich in Lenggries als Flossmann ansässig machen und los kaufen, wes-halb ihm der Abt Benedict im Jahre 1764 „das Leibfreigeld nachgesehen hat“, laut eigenhändigen Zusatzes des Abtes. 

  2. 2.Wenn ein Unfreies heiratete, so blieb es leibeigen und wenn es auch einen Freien ehelichte. So wollte um 1730 eine Rosina Saur den gewesenen Flüchtling Peter Kreuter beim hiesigen Kloster heiraten und sich in München am Lehel bei einem Bierzäpfler in der Herberge niederlassen; „sie verlangte sich von der Leibeigenschaft weiter nicht loszukaufen, sondern den Leibzins fernerhin abzuliefern, muss aber deswegen Porger (= Bürgen) stellen“. Dabei steht: „es werden nur die Söhne Leibeigene; denn er ist frei.“ So steht im Trauungsbuch von 1763 in Egern. Daraus ergibt sich weiter: 

  3. 3.Wenn ein Unfreies einen Freien heiratete, so wurde ein Teil der Kinder durch die Ehe unfrei und zwar eigentümlicherweise: bei einer leibeigenen Mutter  wurden die Söhne leibeigen, bei einem leibeigenen Vater die Töchter. So verehelichte sich laut Seite 12 des vorerwähnten Buches „eine Katharina Sternegger, bevor sie ihre Schuldigkeit erledigt hatte und wollte erst später die Sache in Ordnung bringen. Es wurde ihr dann mitgeteilt, dass sie künftig Konsequenz wegen bestraft werden müsse oder dass sie ihre Söhne der Leibeigenschaft unterwerfen müsse. Strafe 6 fl. 20 Kr. Vorkommen 18. April 1743. Für den Loskauf musste sie 9 fl. 29 Kr. bezahlen.“ 

  4. 4.Es war aber nicht schwer gemacht, sich von der Leibeigenschaft loszukaufen. So wollte sich am 19.10.1747 „ein Johann Mayr bei seiner Trauung, loskaufen, weil er in München Branntweiner werden wollte. Er musste dafür 26 fl. 35 Kr. bezahlen, was er sofort tat“. Später (es war vor der Kloster-Aufhebung) kostete in Tegernsee der Loskauf bloß mehr etwa 10 Gulden. 

Auch in der Beuerberger Lokalgeschichte vor H.H. Pfarrer Pfattich fanden sich interessante Feststellungen über die Ehen von Leibeigenen und auch darüber, wie Freie sich ihrer Freiheit begaben und Leibeigene wurden. Wir lesen dort:

„Nicht selten kam es vor, dass die Klöster unter sich ihren Eigenleuten das Heiraten erlaubten und sich vertragsgemäß in die zu erwartenden Kinder teilten. So schließt am 1.1.1406 der Probst Perchtold von Beuerberg mit dem Konvente zu Habach einen Vertrag, dass zwischen den Eigenleuten beider Stifte Ehen geschlossen werden dürfen, je-doch die Kinder derselben gleichheitlich zwischen den Klöstern geteilt  werden sollen“.

„Am dritten Fastensonntag. 1396 einigten sich die Aebtissin des Klarissinenklosters zu München mit dem Beuerberger Konvent auf die gleichheitliche Teilung der Kinder aus Ehen beider Hofmarken“.

Dass man sich auch freiwillig der Leibeigenschaft unterzog, beweist folgende Stelle: „1376 übergibt sich Conrad, der Alchinger Richter des Rudolf Preysinger zu Fussperk (Schloss Fussberg bei Gauting), freiwillig mit Frau und Kind als Leibeigener des Klosters (Beuerberg), weil ihm dasselbe erlaubte, die dem Konvent gehörige Gertraud, Tochter Heinrich´s des Schmieds, zu heiraten, und verbindet sich bei einer Strafe von dreissig Pfund Pfennig (ein Pfund ist 1 Gulden 30 Kreuzer, ein Schilling 8 Kreuzer oder 24 Pfennig) und Verlust seiner Habe, dem Eide treu zu bleiben“.

So selten das Erbrecht und. so häufig die Freistift und das Leibrecht — zum Schaden des Bauern und seines Bodens waren all‘ diese drei Pacht-Arten nicht. Das ergibt sich aus folgender Tatsache: Kaum war im Jahre 1848 alles Obereigentum aufgehoben, da ging das Zertrümmern der Bauerngüter, das Handeln und Schachern mit den Bauernhöfen an. Was nützte da das Eigentumsrecht, wenn ein Bauer um den anderen von seinem Hofe kam?

Recht anschaulich wird diese Sache in dem Artikel „Wie stand es um den Bauern vor 200 Jahren ?“ (Völkischer Beobachter Nr.284 vom 11.Oktober 1935) von Josef Bauer besprochen. Handelt es sich da auch nur um die eine Gemeinde Peissenberg bei Weilheim – was hier gesagt wird, das trifft in der gleichen Ausdehnung nicht weniger auch bei anderen Gemeinden zu.

Vor 200 Jahren waren in Peissenberg 149 Anwesen – so lesen wir dort. Davon waren drei ludeigen, d.h. der Besitzer hatte vollkommenes Eigentumsrecht. Alle anderen, also 146, waren in den Händen von Grundherrschaften. Landesherrlich waren 49, dem Kloster von Rottenbuch gehörten 43, Polling 15, Steingaden 5, Ettal 3, Wessobrunn 3, der Pfarrkirche von Peissenberg 13, Kirche und Spital Weilheim 5, der Peissenberger Gemeinde selbst 10. Davon waren in Jahre 1752 ganze Höfe 6, dreiviertel-Höfe 3, Halbe-Höfe 18, Viertel-Höfe 41, Achtel-Höfe. 10, Sechszehntel-Höfe 71. Neben den drei ludeigenen waren vier als Lehen verliehen, 24 auf Leibrecht, und als Freistift, also jederzeit kündbar, 118 Höfe.

Obwohl also gut dreiviertel von allen Anwesen bloße „Freistift“ waren, deren Bewirtschaftung von Jahr zu Jahr vergeben wurde, musste seit dem Dreissigjährigen Kriege kein Bau-er von seinem Hofe abziehen, was man „abstiften“ hieß; vielmehr ging das Anwesen regel-mäßig auf den Sohn, die Tochter oder den Schwiegersohn über, und so kam es, dass von 1650 bis 1800 sich fast auf allen Höfen das gleiche Blut behauptete, trotzdem die Güter nicht Eigentum waren.

Anders jedoch wurde die Sache erst mit dem Jahre 1848, als der Bauer frei über seine Habe verfügen konnte. Der Boden, welcher bisher unveräußerlich war, ist dadurch zur Ware geworden. 85 Jahre genügten, um die Zahl der Bauerngeschlechter, die seit mehr als 200 Jahren auf dem gleichen Anwesen saßen, auf die kleine Zahl 13 herab zu mindern. Es lässt sich leicht ausrechnen, wie lange es noch gedauert hätte, und auch diese dreizehn wären verschwunden. Das Erbhofgesetz hat gerade noch zur rechten Zeit dem einen Riegel vorgeschoben.

Wie wenig hinderlich dasselbe der freien Entfaltung des Bauerntums ist, sehen wir beim „Kotter“-Anwesen in Unterhausen bei Weilheim. Der derzeitige Besitzer Kasper Schweyer, welcher die Witwe Greinwald  geheiratet hatte, machte zwei Erbhöfe daraus: den einen mit 100 Tagwerk überließ er seinem ältesten Stiefsohne, dem Erben des Greinwald- Namens, den neuen mit 40 Tagwerk behielt er selbst.

Anmerkung 15

(zu Herkunft…, § 1 Greinwald - Greimolt)

Außer den schon aufgeführten Greimolt´s seien noch folgende genannt:

1676 war ein Joh. Greimolt Kooperator in Moosburg.

Kasper Greimolt, Kastner und Gerichtsschreiber in Murnau und Kammerrichter in Ettal (Reg. Oberrichteramt Landshut 1559).

Leonhard Greimolt (Greinwald), 1567 Richter in Maisach, gestorben vor 1590; eine Tochter heiratete 17.1.1590 zu München bei St. Peter Sebastian Mülich, Stadtschreiber in Wasserburg.

Martin Greimolt, 1631 Gerichtsprocurator in Wolfratshausen; vorher Oberschreiber bei dem Gericht und Marktschreiber in Schwaben.

Martin Greimold, gestorben 13.3.1684; 31.3.1633 bis 13.3.1683 Gerichtschreiber in Donaustauf.

Dessen Sohn Leonhard Greimold, 18.5.1634 zum Gerichtsschreiber, auch zum Kasten- sowie Mautgegenschreiber in Donaustauf ernannt, war aber nur ganz kurze Zeit da oder hat die Dienste überhaupt nicht angetreten.

Johann Greimolt, Lehenssekretär in München, versieht 25.1.1635 bis 2.10.1635 die Stell-e des Wolfratshausener Pflegeverwalters von München aus, später Umgelter von Schwaben und Wolfratshausen, gestorben vor 29.12.1663, heiratete Maria Anna N. N.
Kinder: Johann Benno, Chorherr und Kanonikus in Landshut; Johann Martin; Maria Theresia, heiratete vor 1698 einen Dellinger; Margaretha; Anne Maria, heiratete Georg Aeger, Gerichtsschreiber in Mehring. Der Lehensbrief dieses Greimolt, eine Pergamenturkunde, befindet sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München und lautet wörtlich:

„Von Gottes Gnaden wir, Ferdinand Maria zu Ober- und Niederbayern, auch der Oberpfalz Herzog, Pfalzgraf bei Rhein, des heiligen römischen Reiches Erbtruchsess und Churfürst, Landgraf zu Leuchtenberg, bekennen als einig regierender Fürst für Buss(?) unseren Erben und Nachkommen öffentlich mit diesem Brief, dass wir unseren Lehenssekretario und lieben getreuen Greimolten auf sein Begehr und thringlichstes Verlangen, und in Ansehung seiner uns bislang geleisteten getreuen Dienste:
Ein auf 800 Gulden gewertetes Lehen……….(weiteres unleserlich). Zur Urkund haben wir diese Expectanz unter unserem Handzeichen und anhängender Secrete……….. erteilen lassen.

Gegeben in unserem Residenzort München, den 18. Monatstage November 1655tes Jahr“.
                         Ferdinand Maria, Churfürst.

2.) „Ein Greimolt von Aubingen hat bestanden (=erstanden, gekauft) den Pokkelhof zwei Jahr umsunst (das heißt ohne Gilt, ohne Zins), das dritte Jahr an den Amtsleuten (des heißt das dritte Jahr muss an die Amtsleute die Gilt bezahlt werden).
Actum de Blasii 1387.“

Hier sei auch erwähnt, dass des Kloster Polling schon im Jahre 1010 ein Gut in Aubing hatte; denn der Kaiser Heinrich II. gab im Jahre 1010 auf Fürsprache seines ehemaligen Kanzlers Agilbert, Bischof in Freising, dem Stifte Polling alle früheren Güter zurück samt Land und Leuten und allem Zubehör. (Aus Schmittner, Chronik von Weilheim, Seite 5).

3.) Das Pollinger Steuerbuch vom Jahre 1521 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Fasc.180) berichtet: „Paul Greinwolt tut all sein hab 13 Pfund Steuer 2 Schilling 7 Pfennig“; ferner: „Hans Greinmoldt, Wolfgang Stern, Hans Greimolt, des „Reschen“ Aiden (= der Eidam, also der Schwiegersohn des „Resch“). Dieser Paulus und Hans werden 1528 als Kirchpröpste in Seeshaupt erwähnt (Seeshaupter Salbuch) und bei dieser Gelegenheit Grimwold (gleich Greinwald) geschrieben.

4.) Als Inhaber einer Hofstatt und zweier Gärten bezeichnet das Pollinger Stiftsbuch des Jahres 1532 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Fasc. 175) den Hensel Greymold oder „Resch“, 1553- 1580 an gleicher Stelle Christoff Greymold (Stiftsbuch Fasc. 176). 19.2.1581 tritt Jörg Greimold an dessen Statt. Es dürfte der gleiche sein, welchen das Seeshaupter Salbuch im Jahre 1592 erwähnt; dort heißt es: „Georg Greimolt und Kaspar Greimolt besitzen miteinander freistiftsweise zwei Äcker…..“

5.) Der unter 3) aufgeführte Paul Greinwolt ist unter der Namensschreibung Paul Greymolt noch im Jahre 1532 als Besitzer einer Polling´schen Hube zu Seeshaupt genannt. Eine Bemerkung im Pollinger Stiftsbuche vom Jahre 1532 lässt durchblicken, dass die Seeshaupter und die Weilheimer Greymolt verwandt, vielleicht sogar ein und dieselben waren. Es heißt nämlich: „Nota, ist zu wissen, dass ich den ersamen und beschaiden Jergen Greymolden burger zu Weilham, Katharina, seiner ehelichen Hausfrauen und Chunradt, dem elichen sone diser drey leyb lebtag und nicht lenger die obgemelt Hub (:in Seeshaupt:) mit aller Zubeher verleibt habe…..“ 1533 wird dieser Jörg „Jörg Maler“ genannt. 1541 ist er offenbar schon gestorben, darum wird mit „Jörg Malerin“ abgerechnet, 1542 mit „Jörg Müller“, „der die Mallerin hat.“ 1543 mit Kaspar Lidl.

Die Witwe des Malers Jörg hat also wieder geheiratet: ihr Sohn Konrad aber scheint die Hube nie als Erbe bekommen zu haben. 1522 ist ein Konrad Greimolt Zeuge bei einer offenbar seine Verwandten betreffenden Abrechnung in Polling. Ob er mit dem 1512 und später als Zeugen genannten Ratsherrn Konrad Greimolt identisch oder nur mit ihm verwandt ist, war aus den Urkunden nicht mit Sicherheit zu erkennen.

6.) Im Jahre 1617 hat ein Hans Greimolt und seine Ehefrau eine halbe Hube von Polling, 1640 Hans Greimolt und Agatha Zwerger ebenfalls eine halbe Hube. Auch Martin Greimolt hat gleichzeitig eine halbe Hube. Bei ihm ist beigefügt: „Sein Sohn ist Hans Greimolt“. Es ist der gleiche, welcher 1640 jene halbe Hube besaß, die vorher, d. i. 1617, sein Vetter Hans Greimolt besessen hatte. Das folgt aus einer Bemerkung in Pollinger Klosterliteralien (Fasc. 179/153): „1636 am St. Bartlmätag haben wir dem Martin Greinmoldt von Seeshaupten auf seines Vaters Bruders Kind (also Geschwisterkind) Hansen Greinolden daselbst seelig innegehabten Leibesgerechtigkeit der halben Hube für seinen Sohn auch Hannsen Greimoldt den Einstand von Grundherrschaft wegen bewilligt“. Damit kamen die Nachkommen des Martin Greinwald in den Besitz jenes Gutes, welches Martins Onkel Matthies Greinwald zuerst (1581) gemeinsam mit dem Vetter Georg und später 1613 (wohl nach dessen Tod) gemeinsam mit seinem eigenen Sohne Hans besaß und diesem 1617 zum Alleinbesitz abgetreten hatte. Da es sich dabei um die uralte Besitzung des Paule Greinwold handelt, welche Georg bereits 1564 und 1578 allein besessen hatte, so ist es nicht gewagt, die Nachkommen des Martin als Nachkommen und Verwandte der Sippe des Paule Greinwald zu sehen.

7.) Zum Schluss sei noch einmal auf die engen Beziehungen der Greimolt und Greinwald hingewiesen: Wiederholt finden wir Greinwalds auf Gründen und Gütern, welche einstens die vermöglichen Weilheimer Greimolt einer Kirche vermacht hatten. So erzählt uns ein altes Stiftbuch der Pfarrei Vilshofen, dass Markus Greinwald „beim Schrepp“  (wahrscheinlich der Enkel des Bauern Paulus Greinwald von Vilshofen) das Gut Berghof innehatte, das zwischen Vilshofen und Haunshofen lag und 1456 vom Bürgermeister Ulrich Greymolt in Weilheim der Kirche zu Pähl zugestiftet worden war. Des Markus Vater Georg Greinwald hatte außerdem noch einige Äcker zu Lehen erhalten von dem Chorherren Johann Benno Greinwolt von Landshut (laut Kaufbrief von 1664). In einem Kaufbrief von 1670 ist von einer Greinwolt´schen (deutl.) Vormundschaft die Rede, in einer Notiz des Steuerbuches von 1675 von einem „Angerl zu hl. Grienwolchen lehenbahr,“ womit wahrscheinlich die Greimolt’sche Stiftung gemeint ist.